1896 gegründet

Traditionsreiches deutsches Familienunternehmen meldet Insolvenz an - 115 Mitarbeiter betroffen

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Die traditionsreiche Unternehmensgruppe Menrad hat Insolvenz angemeldet, wovon am deutschen Stammsitz rund 115 Mitarbeiter betroffen sind.

Schwäbisch Gmünd - Die Insolvenz-Welle in Deutschland rollt weiter, und laut einer Statistik ist das wirtschaftlich starke Baden-Württemberg besonders betroffen. Nachdem jüngst ein weiterer Autozulieferer Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat, ist nun auch ein weiteres Familienunternehmen in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Der traditionsreiche Brillenhersteller Menrad mit Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) und einem weiteren deutschen Standort in München (Bayern) hat am 31. März am Amtsgericht Aalen Insolvenz angemeldet.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Wie aus einer Mitteilung der Ulmer Anwaltskanzlei PLUTA hervorgeht, sind die Gründe für die Insolvenz des 1896 gegründeten Unternehmens, Liquiditätsprobleme aufgrund von rückläufigen Auftrags- und Umsatzentwicklungen in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld. Das Amtsgericht Aalen hat den PLUTA-Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Florian Zistler zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Ferdinand Menrad GmbH + Co. KG bestellt. Zu Beginn des Jahres hatte das Gmünder Traditionsunternehmen Schleich seinen Hauptsitz nach München verlegt.

Brillenhersteller Menrad meldet Insolvenz an - „werden alles versuchen, um eine Sanierung zu ermöglichen“

Das Unternehmen Menrad wird seit 1991 in der vierten Familiengeneration geführt und gilt als einer der führenden Brillenhersteller in Europa, der seit mehr als 125 Jahren im Eyewear-Geschäft tätig ist. Insolvenzverwalter Zistler hat laut der Mitteilung bereits erste Gespräche mit der Geschäftsleitung geführt. Die Mitarbeiter am Stammsitz in Schwäbisch Gmünd wurden im Rahmen einer Betriebsversammlung über die nächsten Schritte informiert. „Wir stehen ganz am Anfang des Verfahrens. Meine heutigen Gespräche verliefen sehr konstruktiv“, erklärt Zistler. „Der Betrieb ist gut strukturiert und läuft normal weiter.“

Name Ferdinand Menrad GmbH + Co. KG
Gründung 1896
SitzSchwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg
Branche Eyewear
Mitarbeiter 250 weltweit, davon 115 am Stammsitz
Standorte Schwäbisch Gmünd (Verwaltung, Vertrieb, Logistik), München (Produktdesign, Export- und Marketing) + Vertriebsgesellschaften in mehreren Ländern
Partnerschaften (Brands) Joop, Ted Baker, Scotch & Soda, Hackett und weitere

Die Gehälter der Mitarbeiter sind demnach für die Monate März, April und Mai über das Insolvenzgeld gesichert. Der Verwalter will nach eigenen Angaben schnellstmöglich eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege leiten, um die Gehälter schnell auszahlen zu können. In Schwäbisch Gmünd beschäftigt Menrad 115 Mitarbeiter, in München sind bei einer Tochtergesellschaft weitere vier Beschäftigte angestellt. Ziel des vorläufigen Insolvenzverwalters und der Geschäftsführung ist es, das traditionsreiche Unternehmen zu erhalten und zukunftssicher aufzustellen. „Wir werden alles versuchen, um eine Sanierung zu ermöglichen und den Betrieb zu erhalten“, so Zistler.

Menrad-Geschäftsleitung erhofft sich von Insolvenzverfahren eine „Chance für einen Neuanfang“

Darauf hofft auch die Geschäftsführung von Menrad. „Die aktuelle Situation ist herausfordernd, aber ein Insolvenzverfahren kann auch die Chance für einen Neustart bieten“, erklärt sie laut Mitteilung. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werde daran gearbeitet, das Unternehmen zu stabilisieren und den Mitarbeitern und Partnern eine Perspektive zu bieten. „Wir wollen unseren traditionsreichen Betrieb erhalten und sind zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.“ Florian Zistler und sein Team streben eine langfristige Lösung an und wollen in den kommenden Tagen erste Gespräche mit potenziellen Investoren und Partnern führen.

Das traditionsreiche Familienunternehmen Menrad mit Sitz in Schwäbisch Gmünd hat Insolvenz angemeldet.

Die Menrad-Gruppe ist für die Entwicklung, Fertigung und den Vertrieb von hochwertigen Korrektionsfassungen und Sonnenbrillen bekannt, die weltweit vertrieben werden. Dafür unterhält das Gmünder Unternehmen eigene Vertriebsgesellschaften in Österreich, Schweiz, Frankreich, Niederland, Großbritannien, Italien, Polen, Türkei und Brasilien. Diese sind nicht von der Insolvenz betroffen. Zuletzt wurde bekannt, dass ein traditionsreicher Bäckereibetrieb in Familienhand den Betrieb nach einer Insolvenz vollständig einstellen muss.

Rubriklistenbild: © Imago/Werner Dieterich

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