VonAmy Walkerschließen
Im letzten Monat des Jahres gaben die Schiffsbauunternehmen FSG und Nobiskrug, die Lars Windhorst gehören, ihre Zahlungsunfähigkeit bekannt; jetzt scheint er zusätzlichen Ärger mit einem russischen Oligarchen zu haben.
Berlin/Zug – Der deutsche Investor Lars Windhorst hat kein besonders gutes Jahr hinter sich – und es droht wohl noch schlimmer zu werden. Denn nachdem mehrere seiner Unternehmen in die Insolvenz gerutscht sind (neben einem Berliner Männerfriseur auch die beiden Werften FSG und Nobiskrug) hat er nun auch noch in der Schweiz Ärger mit einem russischen Oligarchen. Und wie das Manager Magazin berichtet, gucken sich deutsche Staatsanwälte nun die Geschäfte des Milliardärs jetzt offenbar genauer an.
Lars Windhorst war einst ein „Wunderkind“: Dann folgten die Insolvenzen
Lars Windhorst wurde einst ein „Wunderkind“ der deutschen Wirtschaft genannt. Der 1976 geborene Deutsche hat schon mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen gegründet, die Windhorst Electronics GmbH. Danach schien es so, als könnte es für ihn nur noch in eine Richtung gehen: nach oben. Zu den Unternehmen, in denen er beteiligt war oder die er gegründet hat, gehören (nicht vollständig):
- Windhorst AG (Investmentunternehmen)
- Windhorst New Technologies AG (Tech-Unternehmen)
- Tennor Holding B.V. (Investmentunternehmen)
- Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) & Nobiskrug (Werften)
- Hertha BSC (Fußballverein)
- H2O Asset Management (Vermögensverwaltung)
- Avateramedical (Medizinroboter)
Nur ist die Geschichte bei mehreren dieser Unternehmen nicht besonders gut ausgegangen. Die Windhorst New Technologies AG ging nach der Dotcom-Blase insolvent, die FSB und Nobiskrug-Werften meldeten im Dezember 2024 die Insolvenz an und bei Hertha BSC ging es sehr turbulent zu. Jetzt trifft Windhorst der nächste Schlag: Tennor International Services B.V. (Berlin branch), hat einen Insolvenzantrag in Berlin gestellt. Wie aus der Bekanntmachung vom 12. Februar hervorgeht, hat das Gericht in Berlin den Rechtsanwalt Sascha Feies zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Nächste Insolvenz im Windhorst-Imperium: Ermittlungen in Deutschland
Doch damit ist der Ärger für Windhorst nicht vorbei. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, hat er in der Schweiz wohl noch Ärger mit einem russischen Oligarchen, Gavril Yushvaev, gegen den er gerade eine Schadensersatzklage verloren hat. Das Urteil des Gerichts in der Schweiz ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht hat aber in erster Instanz entschieden, dass Windhorst dem Oligarchen 52 Millionen Euro plus Zinsen schuldet. Es ging wohl dabei um einen Aktiendeal, den Windhorst vorgeschlagen haben soll – für die eine Bank gewählt wurde, die mittlerweile wegen schlechter Geldwäscheprävention geschlossen wurde.
Die vielen finanziellen Probleme, die der deutsche Investor offenbar hatte, interessieren nun auch die Staatsanwaltschaft. Wie mehrere Medien, darunter das Manager Magazin, berichten, sind in Schleswig-Holstein offenbar Ermittlungen wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen Lars Windhorst im Gange. Es geht dabei um die Windhorst-Werften, die mittlerweile übernommen wurden. Windhorst selbst will sich zu den Ermittlungen zunächst nicht äußern, teilt er über seinen Pressesprecher mit.
Windhorst-Insolvenzen unter der Lupe der Staatsanwaltschaft: Krankenkasse stellt Anzeige
„Ich war erschrocken, als ich hierhergekommen bin“, sagte Insolvenzverwalter Christoph Morgen zu der Situation der Werften noch im Dezember. „Unsere Erkenntnisse sind erschreckend und zeugen von einer gewissen Verantwortungslosigkeit der Geschäftsführung. Löhne und Gehälter sind mal wieder seit 14 Tagen nicht bezahlt, Sozialabgaben wurden nicht abgeführt, Jahresabschlüsse seit zwei Jahren nicht erstellt und mehr als 150 Vollstreckungsaufträge mit gelben Briefen häufen sich in den Büros“. Eine Krankenkasse hat wegen nicht geleisteter Zahlungen Anzeige wegen Veruntreuung von Sozialbeiträgen und Löhnen gestellt, bestätigt die Staatsanwaltschaft Kiel.
Wie es für das „Wunderkind“ weitergeht, ist natürlich noch unklar. Eine Sache steht aber wohl fest: Was er mit seinem eigenen Geld angestellt hat, war den Behörden lange egal. Jetzt ist es das nicht mehr.
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