Staatshaushalt unter Druck

E-Auto-Hilfspaket wird zur massiven Belastung für den Staat: Markt könnte zusammenbrechen

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Der Staat plant drei Milliarden Euro für E-Auto-Käufer. Die Autoindustrie verliert 50.000 Jobs. Experten warnen vor einem Strohfeuer.

Berlin – Die Bundesregierung will ab 2026 den Kauf von Elektroautos wieder fördern. Doch das geplante Hilfspaket von drei Milliarden Euro wirft Fragen auf: Kann der Staat sich diese Unterstützung leisten, während die Automobilbranche in der Krise steckt?

Neue Kaufprämie für E-Autos: Drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds

Die Bundesregierung hat angekündigt, ab 2026 eine neue Förderung für Elektroautos und Plug-in-Hybride einzuführen. Laut dem ADAC soll die Basisförderung mindestens 3.000 Euro betragen. Für die ersten beiden Kinder im Haushalt erhöht sich der Zuschuss um jeweils 500 Euro auf maximal 4.000 Euro. Bei einem monatlichen Netto-Einkommen von unter 3.000 Euro ist eine zusätzliche Aufstockung um 1.000 Euro vorgesehen. Beantragen können die Förderung Privatpersonen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen des gesamten Haushalts von bis zu 80.000 Euro. Pro Kind erhöht sich diese Grenze um 5.000 Euro.

Die neue E-Auto-Förderung könnte als Konjunkturprogramm wirken – oder sich als zusätzliche Belastung für den Staatshaushalt erweisen, deren Wirkung begrenzt bleibt.

Für das Förderprogramm stellt die Bundesregierung drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Diese Summe stehe für den Zeitraum von 2026 bis 2029 zur Verfügung. Angesichts des Fördertopfes und mindestens 600.000 förderfähigen Pkw geht der ADAC allerdings von einer mehrjährigen Laufzeit aus. Die Finanzierung erfolgt allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche Wirtschaft laut Konjunkturschlaglicht vom Dezember 2025 des Bundeswirtschaftsministeriums in einem Spannungsfeld zwischen herausforderndem außenwirtschaftlichen Umfeld und schrittweiser binnenwirtschaftlicher Stabilisierung steht.

Deutsche Schlüsselbranche im Wandel: Automobilindustrie in der Strukturkrise

Die deutsche Automobilbranche befindet sich zudem in einer schwierigen Lage. Laut Statistischem Bundesamt gingen binnen eines Jahres annähernd 50.000 Arbeitsplätze verloren. Volkswagen will bis 2030 35.000 Stellen abbauen, Bosch bis zum Ende des Jahrzehnts 13.000 Arbeitsplätze streichen. Und der E-Auto-Markt zeigt sich volatil. Nach dem Ende der staatlichen Förderung Ende 2023 brach der Absatz von Elektroautos in Deutschland 2024 um 27,5 Prozent ein. Lediglich rund 380.600 E-Fahrzeuge wurden neu zugelassen. Und vergangenes Jahr zeigte sich nur eine leichte Erholung: Laut Agora Verkehrswende stieg der Marktanteil reiner Elektroautos im November 2025 in Deutschland auf 22,2 Prozent.

Zeitenjagd auf Nordschleife: Diese 10 Elektroautos waren am schnellsten

Porsche Taycan Turbo auf der IAA.
Platz 9 – Porsche Taycan Turbo: Die Zuffenhausener sind fast schon Stammgast in der Eifel. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis man nach dem Rekord für in Serie gebaute Elektroautos greift. Und so schickten die Schwaben 2019 einen Vorserien Taycan Turbo auf die Nordschleife. Die offizielle Zeit: 7:42,3. Ein neuer Rekord! Übrigens: Der BMW M4 CS der vorherigen Generation war genauso schnell. © Manfred Segerer/Imago
Tesla Model S
Platz 8 – Tesla Model S Plaid: Wo es um Elektroautos geht, ist Tesla nicht weit weg. Und so wollten die Amerikaner auch den Rundenrekord auf der Nordschleife. Um Porsche abzulösen, schickte man 2021 das Model S Plaid ins Rennen. Mit Erfolg: Das 1.020 PS starke Elektroauto durchquerte die Grüne Hölle in 7:35,5 Minuten. Es war der Anfang eines Duells um die Bestzeit. © Tesla
Porsche Taycan Turbo S auf der Nordschleife.
Platz 7 – Porsche Taycan Turbo S: Nur ein Jahr später schickte sich Porsche an den Tesla-Rekord zu knacken. Dieses Mal sollte es der Taycan Turbo S richten. Und er pulverisierte die Bestmarke der Texaner. Mit 7:33,3 Minuten war er knapp zehn Sekunden schneller als das Model S Plaid. © Porsche
Tesla Model S auf der Nordschleife.
Platz 6 – Tesla Model S Plaid Track Pack: Im Jahr 2023 folgte dann ein weiterer Anlauf von Tesla. Dieses Mal war das Model S Plaid zusätzlich noch mit dem Track Pack ausgestattet. Perfekte Voraussetzungen für einen Trackday mit Rundenrekord. Und den schnappten sich die Texaner auch. Die Zeit: 7:25,2 Minuten. Satte 8,1 Sekunden schneller als Porsche. © Tesla
Toyota TMG EV P002 auf der Nordschleife.
Platz 5 – Toyota TMG EV P002: Der Name dieses Stromers ist ähnlich kryptisch, wie der des ersten Elektro-Toyotas bz4X. Dahinter verbirgt sich aber ein elektrischer Prototyp eines Rennautos mit 469 PS. Mit 7:22,32 stellte Toyota 2012 für kurze Zeit den Rekord für Elektroautos auf der Nordschleife auf. © Toyota Gazoo Racing Europe
Porsche Taycan Turbo GT auf der Nordschleife.
Platz 4 – Porsche Taycan Turbo GT: Und täglich grüßt das Murmeltier oder in diesem Fall Zuffenhausen. Im Januar 2024 schickte die VW-Tochter einmal mehr eine Vorserienversion des Elektrosportlers auf die Nordschleife, um den Tesla Rekord einzustellen. Und das gelang eindrucksvoll. Mit 7:07,5 Minuten blieb man nur knapp über sieben Minuten. Platz drei verpasste der Taycan um grade einmal 2,3 Sekunden. Zeitgleich war man knappe 18 Sekunden schneller als Dauerkonkurrent Tesla. © Sebastian Kubatz/Porsche
Rimac Nevera
Platz 3 – Rimac Nevera: Mit einer Zeit von 7:05,2 ist das Hypercar hauch dünn, das schnellste Serien-Elektroauto auf der Nordschleife. Die 1.088 PS haben bei der Rekordfahrt Ende 2023 sicherlich geholfen, um Porsche, Tesla und Co. hinter sich zu lassen. Den Sprint von null auf 100 schafft der Nevera in 1,7 Sekunden. Auch abseits der Grünen Hölle ist er somit eines der schnellsten Elektroautos auf dem Markt. Zudem hält der Sportwagen einen Weltrekord für die höchste Geschwindigkeit im Rückwärtsgang. © Cover-Images/Imago
NIO EP9
Platz 2 – NIO EP9: Auch wenn der Sportwagen zwischen 2016 und 2019 für etwa 1,55 Millionen Euro verkauft wurde, ein Serienfahrzeug ist er nicht. Lediglich zehn Exemplare wurden gebaut. Auf der Nordschleife durfte das 1.360-PS-Monster 2017 zeigen, was in ihm steckt. Und das ist einiges: Als erstes Elektroauto bezwang er die Grüne Hölle in unter sieben Minuten. Und zwar deutlich. Am Ende zeigte die Stoppuhr 6:45,9 Minuten. Beim ersten Versuch im Vorjahr blieb das Hypercar mit 7:05,12 Minuten noch knapp darüber. © Pond5 Images/Imago
Ein Lotus Elvija X auf der Nordschleife.
Platz 2 – Lotus Elvija X: Schon die Serienversion des Elektro-Hypercars ist beeindruckend. 2.039 PS katapultieren den Lotus Elvija in 9,1 Sekunden auf Tempo 300, das maximale Drehmoment beträgt 1.704 Newtonmeter. Daran hat sich auch bei der Nordschleifen-Version nichts geändert. Lediglich an der Aerodynamik hat Lotus geschraubt. Der Elvija X trägt einen massiven Heckflügel sowie einen ausgeprägten Frontsplitter und Luftleitbleche. Hinzu kommen Karbonbremsen und Rennreifen von Pirelli. Mit diesen minimalen Modifikationen brannte das Hypercar eine Zeit von 6:24,047 Minuten in den Asphalt der Grünen Hölle. Damit ist es das schnellste Auto mit Serienfahrwerk. © Lotus
VW ID.R auf der Nordschleife.
Platz 1 – VW ID.R: Noch bevor Volkswagen voll auf Elektro gesetzt hat, experimentierte man in Wolfsburg mit dem Alternativ-Antrieb herum. Heraus kam der ID.R. Mit 680 PS und weniger als 1.100 kg Gewicht war die Studie ein offensichtlicher Kandidat für den Elektro-Rekord in der Eifel. 2019 war es dann so weit und die Grüne Hölle war kein Gegner für den ID.R. Der Elektrorenner brauchte nur 6:05,3 Minuten für die Nordschleife. Damit ist er mit deutlichem Abstand der schnellste Stromer auf der Kult-Strecke. Einzig der Porsche 919 Hybrid Evo legte die 23 Kilometer schneller zurück. © Bildagentur Kräling/Volkswagen

Burkhard Weller, Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands, äußerte sich kritisch zur geplanten Förderung, wie das Portal Autohaus berichtet: „Das wird ein echtes Strohfeuer. Und dass diese Regelung erst irgendwann im Jahr 2026 in Kraft treten soll, ist für uns Händler eine große Belastung.“

Entwurf des Jahreswirtschaftsberichts 2026: Politische Spannungen in der Regierung

Die Förderung ist Teil eines wirtschaftspolitischen Richtungsstreits innerhalb der Regierung. Dem Handelsblatt liegt der als „Verschlusssache“ eingestufte Entwurf des Jahreswirtschaftsberichts 2026 vor. Daraus geht hervor, wie weit die Vorstellungen der Ministerien über die künftige Wirtschaftspolitik auseinandergehen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will voll auf Ordnungspolitik setzen. Der Entwurf enthält neue Vorschläge, etwa die Zusammenlegung von Sozialhilfen und weitere Entlastungen bei den Unternehmenssteuern. Finanzminister Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas sehen hingegen in den bisherigen Maßnahmen scheinbar kaum Ordnungspolitik. Im Vorgespräch habe Klingbeils Haus die wirtschaftliche Lage positiver eingeschätzt und „für einen optimistischeren Einstieg“ plädiert, wie das Handelsblatt berichtet.

Neben der Kaufprämie hat der Bundestag die Befreiung der E-Autos von der Kfz-Steuer um fünf Jahre verlängert. Fahrzeuge, die bis Ende 2030 erstmals zugelassen werden, bleiben maximal zehn Jahre steuerfrei, jedoch höchstens bis zum 31. Dezember 2035. Ob die E-Auto-Förderung tatsächlich den erhofften Schub für die Elektromobilität bringt, bleibt abzuwarten. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob der Staat mit drei Milliarden Euro an Fördergeldern in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit die richtige Priorität setzt. (ls)

Rubriklistenbild: © Chris Emil Janßen / IMAGO

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