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Von der neuen E-Auto-Förderung könnten auch chinesische Unternehmen profitieren. Man „schiele“ bereits auf den deutschen Markt, sagen Experten. Eine Analyse.
Bei E-Autos ist China Deutschland voraus. Im vergangenen Jahr war in der Volksrepublik mehr als jedes zweite neuzugelassene Auto ein reines Elektroauto oder ein Hybrid. Davon profitieren vor allem heimische Hersteller wie der Branchenprimus BYD, die Marktanteile der deutschen Konkurrenz sinken hingegen seit Jahren. Auf dem deutschen Automobilmarkt machen chinesische Hersteller hingegen gerade mal etwas über zwei Prozent aus. Das könnte sich jedoch ändern. Denn über das neue Förderprogramm des Umweltministeriums, das Privatpersonen beim Kauf eines E-Autos mit 1500 bis 6000 Euro unterstützt, freuen sich nicht nur deutsche E-Auto-Hersteller. Auch in China jubelt man über die neue Prämie.
„Chinesische Hersteller haben in Deutschland niedrigere Anteile am Markt, aber natürlich schielen die jetzt nochmal darauf“, sagt Matthias Diermeier, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Er geht allerdings nicht davon aus, dass plötzlich chinesische E-Autos im Billigsegment auf den deutschen Markt kommen. In China verkauft etwa BYD einen Kleinstwagen für umgerechnet weniger als 10.000 Euro, solche Modelle seien in Deutschland aber gar nicht zugelassen. Zu erwarten sei, dass die chinesischen Autobauer im „ähnlichen Preissegment“ wie die deutsche Konkurrenz Modelle anbieten und verkaufen. So oder so können auch chinesische Hersteller von der neuen E-Auto-Förderung profitieren: „Da könnten dann deutsche Steuergelder nach China fließen“, sagt Diermeier .
Chinesische Autohersteller: „Die Förderung könnte ein Anreiz sein, Produkte für den Privatmarkt anzubieten.“
Ähnlich schätzt Beatrix Keim die Situation ein. Die Leiterin des Center Automotive Research (CAR) hat selbst lange in China gelebt und kennt die dortige Autobranche und die Lage der chinesischen Hersteller am deutschen Markt gut. Von Konkurrenz für deutsche Hersteller könne man aktuell nicht sprechen. Während chinesische Marken insgesamt zwei Prozent des Marktes in Deutschland ausmachen, seien es bei reinen E-Autos zwar sechs Prozent. Aber: „Das ist jetzt noch nicht wirklich viel“, erklärt Keim im Gespräch mit unserer Redaktion.
Hinzu komme, dass in Deutschland ein Großteil der chinesischen Fahrzeuge gewerblich zugelassen sei. „BYD hat etwa Verträge mit großen Vermietern, um so seine Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Im Schnitt sind gut 90 Prozent von allen Neuzulassungen gewerblich. Wobei auch zum Beispiel VW einen Anteil von 73 Prozent gewerblicher Zulassungen hat.“ Die neue E-Auto-Prämie könnte für die chinesischen Hersteller nun aber „ein Anreiz sein, Produkte für den Privatmarkt anzubieten“.
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Laut Keim müssten die chinesischen Marken dafür aber mehr Geld in ein Netz aus Händlern und Werkstätten für ihre Fahrzeuge investieren. „Wenn ich als Käufer sehe: Das ist ein ausländisches Fabrikat einer relativ neuen Marke im Markt, und die Versorgung mit Ersatzteilen ist vielleicht nicht gesichert, dann überlege ich mir den Kauf nochmal.“
Günstiger als sie auf dem deutschen Markt jetzt schon seien, würde man die chinesischen Modelle wohl sobald nicht bekommen. „Das macht für die Hersteller keinen Sinn“, sagt die Expertin. Die wollten von dem Image loskommen, dass „Made in China“ automatisch „billig“ bedeute. „Somit arbeiten die Unternehmen lieber mit Kaufprämien, so wie europäische Anbieter es tun. Diese kommen dann als Anreiz zur staatlichen Förderung hinzu.“ Am Ende entscheide der Kunde, sagt Beatrix Keim: „Die Möglichkeit für die Chinesen ist auf jeden Fall da, aber sie haben den deutschen Markt unterschätzt. Hier sind europäische Hersteller weitaus im Vorteil. Sie genießen Vertrauen, und vielleicht ist es auch Nationalstolz, der hinter der Entscheidung für einen deutschen Hersteller steht.“
Chinas Staatsmedien feiern die E-Auto-Prämie der Merz-Regierung jedenfalls. „Insbesondere steht das Förderprogramm allen Herstellern offen, einschließlich chinesischer Marken“, schrieb am Dienstag die Global Times. Damit Deutschland und die EU ihre Klimaziele erreichten, müssten diese mehr E-Autos auf die Straße bringen – „auch solche aus China“. (Quellen: Eigene Recherche, Gespräch Matthias Diermeier, Gespräch Beatrix Keim, Global Times)
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