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Zehn Jahre Garantie, Vollausstattung ohne Aufpreis und ultraschnelles Laden: Zeekr will mit einem früheren BMW-Manager den europäischen Automarkt erobern.
Die chinesische Marke Zeekr nimmt den europäischen Automarkt ins Visier. Lothar Schupet, ein ehemaliger BMW-Manager, setzt dabei auf ein einfaches, aber wirksames Erfolgsrezept: Mehr Auto fürs Geld. Gegenüber den etablierten deutschen und europäischen Herstellern setzt Zeekr mitunter auf ein überlegenes Preis-Leistungs-Verhältnis. In einem Interview sprach der Europa-Chef über die ambitionierte Strategie.
Zahlreiche Käufer würden laut Schupet nicht länger für vergleichbare oder sogar schwächere Leistungen europäischer Hersteller erheblich höhere Preise zahlen. Zeekr setze deshalb auf volle Ausstattung ohne versteckte Kosten. „Wir verkaufen keine nackten Fahrzeuge, bei denen man noch vieles dazubuchen muss“, betonte er im Gespräch mit der NZZ.
Zeekr will in Europa mit Preis-Leistungs-Offensive durchstarten
In Europa setzt Zeekr nicht nur auf den Faktor Kostenersparnis, um sich von Mitbewerbern zu unterscheiden: Kunden sollen nicht nur moderne Technik bekommen, sondern auch zehn Jahre Garantie – ein Angebot, das in der Branche Seltenheitswert hat. Zusätzlich liegen Fahrleistungen und Fahrwerksabstimmung oberhalb des Branchendurchschnitts, verspricht Schupet. Fahrleistungen, Materialien und Technologie seien auf einem Niveau, das oft sogar Premiumhersteller übertrifft.
Anders als bei vielen Konkurrenten sind bei Zeekr bereits viele Zusatzausstattungen im Basismodell inkludiert, verspricht der Unternehmenschef. Fahrerassistenzsysteme und hochwertige Materialien gehören zum Standard. Das Ziel: Kunden sollen nicht das Gefühl haben, für Komfort und Sicherheit draufzahlen zu müssen.
Zeekr stellt Design und europäisches Verständnis ins Zentrum
Zeekr will jedoch laut Schupet nicht ausschließlich mit dem Preis überzeugen: Für die junge Marke steht das Design im Mittelpunkt. „Die Anmutung unserer Produkte macht den Unterschied – der sogenannte ‚look and feel‘“, führt der Leiter des Europa-Geschäfts aus. Damit will sich die Marke klar von anderen chinesischen Anbietern abgrenzen.
Das globale Designzentrum von Zeekr steht nicht umsonst in Schweden. Dort werden die Fahrzeuge speziell für den europäischen Geschmack entworfen. „Wir verstehen europäische Kunden, unser gesamtes europäisches Management besteht aus Europäern“, so Schupet weiter. Das Unternehmen möchte beweisen, dass chinesische Fahrzeuge nicht nur kostengünstig, sondern auch ansprechend und qualitativ hochwertig sind.
Zeekr setzt in Europa auf Forschung und lokale Kompetenz
Was dem chinesischen Anbieter in die Karten spielt: Zeekr investiert massiv in Europa. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Göteborg entstand aus einer Abspaltung von Volvo und arbeitet an eigenen Elektro-Plattformen. Auch das Designzentrum ist in Schweden angesiedelt. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt mit NIO ein weiterer Hersteller aus der Volksrepublik.
Die europäische Führungsmannschaft baut auf Erfahrung und kennt die Eigenarten der unterschiedlichen Märkte. „Das Mutterhaus musste erst einmal lernen, dass es hier 23 verschiedenartige Märkte gibt, nicht nur einen“, erklärte Schupet der NZZ. Diese regionale Expertise soll dabei unterstützen, die Marke europaweit zu etablieren.
Deutschland-Start von Zeekr offenbar mit drei Modellen
In Deutschland will Zeekr dem Vernehmen nach mit drei Modellen starten: dem kompakten Crossover Zeekr X, dem Shooting Brake 001 und dem Mittelklasse-SUV 7X. Zusätzlich zu reinen Elektroautos sind laut dem Bericht auch Varianten mit Range Extender vorgesehen - einem kleinen Verbrennungsmotor, der als Stromerzeuger mehr Reichweite bringt.
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Zudem will das Unternehmen behutsam analysieren, welche China-Modelle auch auf dem europäischen Markt erfolgreich sein könnten. Man denke sogar darüber nach, neue Fahrzeugsegmente speziell für europäische Kunden zu schaffen. Das Ziel: Für jeden Bedarf das passende Angebot zu bieten – und das zum attraktiven Preis.
Technische Innovation: Zeekr ermöglicht ultraschnelles Laden
Bei der Technik kann Zeekr mit innovativen Lösungen punkten: Die neue Facelift-Version des Zeekr 001 nutzt eine 900-Volt-Architektur, die ultraschnelles Laden ermöglicht. In nur sieben Minuten kommt der Akku so von 10 auf 80 Prozent. Ähnlich wie BYD setzt Zeekr damit hohe Standards bei Alltagstauglichkeit und Ladegeschwindigkeit.
Die Kooperation mit den Schwestermarken Polestar und Volvo verschafft weitere Vorteile: Alle drei Marken nutzen Synergien bei Technik und Produktion, bleiben aber eigenständig. Die Zeekr-Modelle entstehen derzeit in China, könnten künftig aber auch in europäischen Produktionsstätten des Mutterkonzerns Geely gefertigt werden, wenn dies vorteilhaft ist.
Strafzölle durch EU will Zeekr nicht an Kunden weitergeben
Die EU-Strafzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge will Zeekr nach eigenen Aussagen nicht an die Käufer weiterreichen. „Die Effizienz unserer Werke ist sehr hoch, die Flexibilität groß“, erklärt Schupet. Falls erforderlich, ließe sich auch diesbezüglich die Fertigung der Modelle nach Europa verlegen. Chinesische Autobauer wie BYD oder Xpeng machen dies bereits.
Für Zeekr steht nachhaltiges Wachstum im Vordergrund, betont der Europa-Chef. Man wolle „Schritt für Schritt wachsen“ und setzt dabei auf starke Vertriebspartner (zum Beispiel Emil Frey in der Schweiz). Der genaue Zeitpunkt für den Deutschland-Start steht dem Bericht zufolge noch nicht fest.
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