VonPatrick Freiwahschließen
Neue Technik, neues Design, neue Software: Revolutioniert BMW mit der „Neuen Klasse“ die Elektromobilität? Laut dem Entwicklungsvorstand hat China das Nachsehen.
München – Stolz präsentierte BMW auf der jüngsten IAA das erste Serienmodell der „Neuen Klasse“ – als nächste Evolutionsstufe der Elektromobilität. Nach fünf Jahren Entwicklung und rund zehn Milliarden Euro Investition will sich der Premiumhersteller an die Spitze der E-Auto-Hersteller hieven.
Die neue Plattform startet mit dem BMW iX3 und soll nicht nur künftige Elektroautos, sondern die gesamte Modellpalette prägen. Was steckt hinter dem Technik-Sprung und wie will BMW damit die Konkurrenz – vor allem aus China – übertrumpfen?
Neue Klasse von BMW als Gamechanger – Autos, „wie man Brezen backt“
Die „Neue Klasse“ steht für eine komplett neue Architektur, die erstmals im kommenden BMW iX3 verbaut ist. Neben modernster Antriebstechnik bringt die Plattform fortschrittliche Software, eine frische Designsprache und zahlreiche neue Features – unabhängig davon, ob ein Modell elektrisch, hybrid oder mit Verbrenner unterwegs ist.
„Wir können jetzt Autos so auf den Markt bringen, wie man Brezen backt, wie man in Bayern sagt“, erklärt Entwicklungsvorstand Joachim Post im Interview mit dem Handelsblatt. Das Tempo sei enorm, und BMW wolle in den nächsten zwei Jahren mehr als 40 Modelle und Modell-Updates mit der neuen Technik ausstatten.
BMW-Fertigung: „In der Vergangenheit deutlich mehr Manpower“
Besonders stolz ist man in München auf das „softwaredefinierte Fahrzeug“: Künstliche Intelligenz spielt eine zentrale Rolle – nicht nur im Auto selbst, sondern auch in der Entwicklung. „Das wird unsere Prozesse maßgeblich beschleunigen“, erläutert der Nachfolger von Frank Weber.
Künftig sollen nur noch 1000 Menschen an einem neuen Auto arbeiten. „Wir haben in der Vergangenheit schon deutlich mehr Manpower gebraucht“, führt Post in dem Gespräch aus – ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Effizienz und Schnelligkeit sind die neuen Leitmotive, das werde in der Zukunft für eine deutlich schnellere Fertigstellung einzelner Modellneuheiten sorgen.
Innovationen im Flaggschiff: Die Neue Klasse und das 7er Facelift
Nicht nur neue Modelle wie der iX3 oder der kommende BMW i3 sollen von der Neuen Klasse profitieren. Einem Bericht zufolge werden auch Bestandsmodelle nachgerüstet. Ein „offenes Geheimnis“, so berichtet die Automobilwoche: Mit dem anstehenden Facelift des aktuellen BMW 7er zieht die Neue Klasse ins Flaggschiff ein.
Neben der neuen Elektronik bekomme der 7er voraussichtlich auch eine überarbeitete Designsprache – etwa eine schlankere, vertikale Niere und eine neue Lichtsignatur. Wann genau der aufgefrischte 7er kommt, ist unklar. Nach der Weltpremiere des elektrischen Dreier, des i3 auf Basis der Neuen Klasse (voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026) dürfte es so weit sein.
BMW und der Wettbewerb mit China: „Definieren jetzt den Standard“
Ein großes Thema in der Branche ist der Wettbewerb mit China – das betrifft auch das Gespräch zwischen BMW-Manager und Handelsblatt. „Mit der Neuen Klasse definieren wir jetzt den Standard in der Industrie“, sagt Joachim Post selbstbewusst. Die Innovationsgeschwindigkeit sei zwar hoch, vor allem in China, aber BMW sieht sich dennoch vorne. „Was wir in den nächsten zwei Jahren vorhaben, wird uns keiner so schnell nachmachen. Und deswegen sage ich: Das ist mehr als China-Speed, was wir jetzt machen“, betont der Entwicklungsvorstand.
Auch Christoph Grote, Leiter Digital Car bei BMW, bestätigt, dass die Technologien der „Neuen Klasse“ bis Ende 2027 in 40 Modelle einziehen soll – nicht nur in neue, sondern auch bestehende Fahrzeuge. Das Ziel: Die gesamte Modellpalette soll von den Innovationen profitieren – und damit auch die Kundschaft. Dabei spielt auch eine „Oktopus-Strategie“ die entscheidende Rolle.
Fahrerlebnis im BMW iX3: KI-Ökosystem der Neuen Klasse
Die Neue Klasse bringt für BMW-Fahrer ein spürbar neues Erlebnis. Im neuen iX3 etwa werden alle wichtigen Informationen direkt in die Windschutzscheibe projiziert. Auf Autobahnen kann man bei bis zu 130 km/h die Hände vom Lenkrad nehmen – BMW ist der erste Hersteller, der für diese Technik eine Zulassung in ganz Europa hat.
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Vollautonomes Fahren bleibt vorerst Zukunftsmusik. Das liege auch daran, dass das Interesse der Märkte weniger groß ist als gedacht. „Um so etwas wirklich sicher zu gewährleisten, sind andere Sensoren und Investitionen nötig“, erklärt Post. Dennoch sorge die KI schon jetzt für einen enormen Technologieschub beim automatisierten Fahren. „Sie ermöglicht uns Dinge, an die wir vor zwei oder drei Jahren noch gar nicht gedacht haben.“ (PF)
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