BMW und die Oktopus-Strategie: Zentrale Intelligenz für mehr Fahrspaß
VonPatrick Freiwah
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Bessere Dynamik, mehr Sicherheit und ein smarter Zentralrechner für die Steuerung: BMW geht bei der “Neuen Klasse” mit einer besonderen Strategie in die Offensive.
München – Zylinder, Hubraum, PS – was jahrzehntelang als Herzstück und Werbe-Highlight von Autos galt, verliert im Zeitalter der Elektromobilität an Bedeutung.
BMW setzt bei der Neuen Klasse auf eine gänzlich andere Triebfeder: einen zentralen Supercomputer, der die E-Modelle der Marke nicht so wie ein Oktopus steuert – und das in einem Werbespot mit tanzendem Kraken unterstreicht.
BMW und der Wandel im Auto-Marketing: Von Zylindern zu Zentralrechnern
Die Automobilbranche steckt im Umbruch: Mit dem Siegeszug der Elektromobilität und den steigenden Anforderungen an autonome Fahrfunktionen müssen sich Hersteller neu erfinden – nicht nur technisch, sondern auch in ihrer Kommunikation.
Während früher die Anzahl der Zylinder oder die Größe des Motors als Verkaufsargument dienten, stehen heute Software und Intelligenz im Mittelpunkt. BMW wagt mit der innovativen Fahrzeuggeneration „Neue Klasse“ einen aus Marketingsicht bemerkenswerten Schritt: Die zentrale Steuereinheit, genannt „Heart of Joy“, soll zum Markenzeichen werden.
Mit der Einführung der Neuen Klasse ändert sich bei den BMW-Stromern die elektronische Steuerung. Künftig übernimmt ein zentraler Rechner diese Funktion.
BMW erweckt Technologie mithilfe von Oktopus-Clip zum Leben
Um dieses neue Herzstück ins Rampenlicht zu rücken, setzt BMW auf eine ungewöhnliche Werbekampagne. Im Mittelpunkt des Films „Meet Okto the Octopus“, realisiert von der bekannten Agentur Jung von Matt (und animiert vom Londoner Studio Parasol), tanzt ein Oktopus unter Wasser.
Die Analogie: Während das reale Tier für jeden seiner acht Arme ein eigenes Gehirn besitzt, bewegt sich der Werbe-Tintenfisch elegant und perfekt abgestimmt – gesteuert von einem zentralen Nervensystem. Genau das soll die neue Steuerungseinheit im BMW symbolisieren: Sie koordiniert Bremsen, Antrieb, Rekuperation und viele weitere Funktionen in Echtzeit und sorgt so für ein harmonisches Fahrerlebnis.
Software-Updates statt Schraubenschlüssel: BMW will aufholen
Mit dem „Heart of Joy“ betritt BMW ein Feld, in dem europäische Hersteller bislang hinter Tesla und chinesischen Marken als rückständig gelten: die Software. Bisher waren in Autos viele kleine Steuergeräte für einzelne Aufgaben zuständig. Künftig übernimmt wie bei der Konkurrenz ein leistungsstarker Zentralrechner zahlreiche Funktionen.
SUV-Vision der Neuen Klasse auf einer Automesse in Shanghai: Bei BMW ist eine innovative Elektroauto-Generation im Anflug. Die Premiere steigt zur diesjährigen IAA.
Das soll die Fahrzeuge fähiger für Updates machen und dafür sorgen, dass Systeme schneller und besser zusammenarbeiten – ein Vorteil, gerade in kritischen Situationen. Die integrierten Funktionen stammen dabei größtenteils aus dem eigenen Haus, was BMW als exklusives Alleinstellungsmerkmal sieht.
BMW-Premiere auf der IAA – Startschuss für “Neue Klasse” in Ungarn
Das erste Serienmodell mit dem neuen Superhirn wird der BMW iX3 der nächsten Generation, der ab Ende des Jahres im neuen Werk im ungarischen Debrecen gebaut wird. Die Plattform verspricht mehr Reichweite, schnelleres Laden und ein völlig neues Bedienkonzept. Die offizielle Premiere findet auf der IAA 2025 in München statt, auf die Markteinführung müssen Fans und weitere Auto-Interessierte aber noch bis Anfang 2026 warten.
Das neue Bauteil wird in Abwandlungen in allen elektrischen BMW-Modellen Einzug erhalten: „Es ist ein kleiner Baustein – aber ein extrem wichtiger. Unsere Ingenieure sagen, damit wird jeder ein besserer Fahrer“, zitiert Welt.de den BMW-internen Contentstrategen Max Bauer.
BMW und das Thema Nachhaltigkeit: E-Mobilität rechnet sich schnell
Auch in Sachen Umweltverträglichkeit möchte BMW bei den Elektroautos der nächsten Generation neue Maßstäbe setzen: Laut Hersteller stößt der iX3 50 xDrive, geladen mit dem europäischen Strom-Mix, bereits nach rund 21.500 Kilometern weniger CO2 aus als ein vergleichbarer Verbrenner.
Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab
Wird ausschließlich Ökostrom genutzt, ist der Break-Even sogar schon nach 17.500 Kilometern erreicht. Damit taugt das neue Herzstück von BMW nicht nur zum Symbol für Innovation, sondern womöglich auch für nachhaltigere Mobilität. (PF)