Altkleider-Sammlung droht Aus

„Teufelskreis“: Neue Regel beim Restmüll ab 2025 betrifft auch Altkleider-Spenden

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Die Altkleider-Spende steht vor enormen Herausforderungen. Ein Experte erklärt, was 2025 deswegen auf keinen Fall in den Altkleidercontainer gehört.

Jeans, die nicht mehr passen. T-Shirts, die nicht mehr gefallen. Rund eine Million Tonnen alte Kleidung und Schuhe bringen die Deutschen jährlich zu einem Altkleider-Container. Vieles davon landet als Secondhand-Kleidung im Ausland, manches verwerten Unternehmen zu Putzlappen oder Dämmmaterial. Diesem System des Alttextilrecyclings droht aktuell der Kollaps.

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) hat vor einer „historischen Krise der Alttextilbranche“ gewarnt. Ohne Maßnahmen drohe ein Zusammenbruch der Sammlung und Verwertung von alten Textilien und Schuhen. Gründe seien explodierende Kosten, etwa durch neue Mautgebühren. Die steigende Menge an Fast-Fashion aus minderwertiger Qualität und der weggebrochene Absatzmarkt in Osteuropa aufgrund des Ukraine-Kriegs „verschärfen die Situation“. Eine neue Vorgabe der EU könnte dafür sorgen, dass die angespannte Lage eskaliert.

Altkleider-Spenden: Was ändert sich 2025?

Ab Januar 2025 gilt EU-weit eine Getrenntsammelpflicht für Alttextilien. Kleider, die kaputt sind, konnten wir bisher in der grauen Restmülltonne entsorgen. Im kommenden Jahr sollen auch sie in die Altkleidercontainer gebracht werden. Mülltrennung, Wiederverwertung – klingt angesichts der Klimakrise gut. Wo ist das Problem?

Die Alttextilbranche biete den Deutschen einen kostenlosen Rücknahme-Service ihrer Altkleider, sagt Thomas Fischer, Experte für Alttextilien beim BVSE. „Das System finanziert sich über gut erhaltene und tragbare Kleidung. Wenn nun ab 2025 vermehrt kontaminierte, also verschmutzte oder nasse Kleidung aus Restmüllbehältern in die Altkleidercontainer kommen würde, wäre es noch schwieriger dieses kostenlose System aufrechtzuerhalten“, erklärt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Illegale Müllentsorgung wird zur Herausforderung für Kommunen.

Was im Altkleidercontainer 2025 nichts zu suchen hat – Experte erklärt

Jeden Tag werde irgendwo in Deutschland mindestens ein Altkleidercontainer zerstört, als Sperrmüllablagestelle oder als Restmülltonne missbraucht, sagt Fischer. In vielen Regionen würden die Organisationen nicht mehr damit hinterherkommen, ihre Altkleidercontainer zu leeren. Die Überfüllung führe dazu, dass Altkleider einfach vor den Containern abgelegt und diese dort beschmutzt oder durchnässt werden. „Es ist ein Teufelskreis“, sagt Fischer.

Denn: „In der Alttextilbranche kann keine verschmutzte Kleidung verwendet werden“, erklärt der Experte BuzzFeed News Deutschland. Jedes Kleidungsstück werde händisch betrachtet – alles, was nass, feucht oder verschmutzt ist, sei nicht für die Weiterverwendung geeignet. Es könne nicht mal mehr zu einem Putzlappen oder zu Dämmmaterial recycelt werden.

Kontaminierte Kleidung habe trotz Restmüllverbot 2025 „nichts im Altkleidercontainer zu suchen“, sagt Fischer. „Das wäre auch überhaupt nicht im Sinne einer Kreislaufwirtschaft für Textilien.“ Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihrem Verhalten das System entlasten. Der BVSE appelliert angesichts der Krise auch an Stellplatzgeber der Altkleidercontainer, auf die Erhebung von Gebühren zu verzichten.

Rubriklistenbild: © Norbert SCHMIDT/Imago

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