Nahverkehr in NRW

Tarifverhandlungen im ÖPNV gescheitert – drohen neue Streiks in NRW?

  • schließen
  • Benjamin Stroka
    Benjamin Stroka
    schließen

Verdi hat die Tarifverhandlungen mit den kommunalen Verkehrsunternehmen für gescheitert erklärt. Es drohen weitere Streiks im ÖPNV in NRW .

  • Die Gewerkschaft Verdi hat die Tarifverhandlungen mit den kommunalen Verkehrsunternehmen in NRW für gescheitert erklärt.
  • Verdi will noch vor Ostern eine Urabstimmung zu unbefristeten Streiks einleiten.
  • Im ÖPNV von NRW drohen dadurch weitere Streiks.
  • Dieser Ticker wird laufend aktualisiert

Update vom 13. März, 11:02 Uhr: Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen im ÖPNV in Nordrhein-Westfalen geht jetzt das Bangen für Tausende Pendler weiter. Denn klar ist: Durch die neue Eskalation im Tarifstreit drohen weitere Streiks bei Bus und Bahn. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Dienstag angekündigt, noch vor Ostern eine Urabstimmung über unbefristete Streiks in NRW einzuleiten. Ob es vorab möglicherweise nochmal neue Warnstreiks geben wird, ist derweil unklar. Die Lage bleibt aber angespannt und eine Annäherung zwischen Verdi und den kommunalen Arbeitgebern ist aktuell nicht in Sicht.

Verdi leitet Urabstimmung im NRW-ÖPNV ein

Update vom 12. März, 10:10 Uhr: Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen mit den kommunalen Verkehrsunternehmen in NRW hat Verdi die Gründe dafür weiter ausgeführt. „Wir haben in den Verhandlungen versucht, den Arbeitgebern beim Thema Belastungstage eine Brücke aus pauschalen Entlastungstagen und individueller Entlastung zu bauen. Diese Brücke haben die Arbeitgeber eingerissen und die Verhandlungen in der Nacht nach einem von zwei geplanten Verhandlungstagen für beendet erklärt“, wird Verdi-Nahverkehrsexperte Peter Büddicker in einer Mitteilung zitiert.

Das derzeit vorliegende Angebot der Verkehrsunternehmen biete laut Verdi keinen Spielraum für weitere Verhandlungen. Verdi will deshalb nach eigenen Angaben noch vor Ostern die Urabstimmung in NRW einleiten. Dabei werden die rund 30.000 Beschäftigten, die Mitglied bei Verdi sind, aufgerufen über unbefristete Streiks abzustimmen. Damit es zu unbefristeten Streiks im ÖPNV von NRW kommen kann, müssten mindestens mehr als 75 Prozent der Mitglieder dafür stimmen.

Tarifverhandlungen im ÖPNV gescheitert – Verdi will über unbefristete Streiks abstimmen lassen

Update vom 12. März, 09:20 Uhr: Die Gewerkschaft Verdi hat die Tarifverhandlungen mit den kommunalen Verkehrsunternehmen in NRW für gescheitert erklärt. Das teilte Verdi-Nahverkehrsexperte Peter Büddicker am Dienstagmorgen mit. Zugleich warf er den Verkehrsunternehmen mangelndes Entgegenkommen vor. Verdi will nun den nächsten Schritt gehen. „Wir werden eine Urabstimmung einleiten“, sagte Büddicker. Dabei wird auch über unbefristete Streiks entschieden. Die Folge könnten Streiks im ÖPNV sein, berichtet auch wa.de. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte während ihrer Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn ebenfalls eine Urabstimmung zu unbefristeten Streiks durchgeführt.

Am Montag hatten sich Verdi und die kommunalen Verkehrsunternehmen von NRW in Dortmund zur dritten Runde ihrer Tarifverhandlungen getroffen. Auch am Dienstag hätte verhandelt werden sollen. Beide Parteien waren laut Verdi dabei noch weit von einer Einigung entfernt. Verdi verhandelt mit den kommunalen Verkehrsunternehmen in NRW über bessere Arbeitsbedingungen für rund 30.000 Beschäftigte. Dabei geht es unter anderem um zusätzlich freie Tage und eine deutliche Gehaltserhöhung.

Bus und Bahn – drohen bald neue Streiks im ÖPNV? Der aktuelle Stand

Erstmeldung vom 11. März, 20:31 Uhr: Düsseldorf – Bahnstreiks und ÖPNV-Streiks im Wechsel. Die vergangenen Tage und Wochen waren für Bahnreisende und Pendler in Nordrhein-Westfalen wahrlich keine leichte Zeit. Zuletzt verging kaum ein Tag, an dem nicht entweder die Züge der Deutschen Bahn oder die Busse und Bahnen im ÖPNV in weiten Teilen von NRW stillstanden.

Während bei der Bahn die nächste Eskalation droht und die Lokführergewerkschaft GDL für den 12. März zum bislang schon sechsten Streik im laufenden Tarifkonflikt aufgerufen hat, wird im ÖPNV aktuell zumindest wieder verhandelt. Das Problem: Auch hier scheint keine schnelle Einigung in Sicht zu sein. Und sollten die Gespräche ergebnislos bleiben, dann drohen auch bei Bus und Bahn im Nahverkehr wieder neue Streiks. Der aktuelle Stand im Überblick.

Wie ist der aktuelle Stand bei den Verhandlungen im ÖPNV?

Am Montag (11. März) hat die dritte Gesprächsrunde zwischen der Gewerkschaft Verdi und den kommunalen Arbeitgebern in Dortmund begonnen. Eine Einigung am ersten Tag der dritten Verhandlungsrunde hat es, erwartungsgemäß, nicht gegeben. Die Verhandlungen dauerten an, sagte Verdi NRW-Nahverkehrsexperte Peter Büddicker am frühen Montagabend der Deutschen Presse-Agentur dpa. Demnach seien beide Tarifparteien auf der Suche nach Lösungen.

Am Dienstag (12. März) werden die Gespräche fortgesetzt. Doch ob das bereits ins Ziel führt, darf zumindest bezweifelt werden. Denn laut Verdi hatten beide Seiten bei ihren Positionen vor dem Treffen noch weit auseinander gelegen. „Bisher haben sich die Arbeitgeber in beiden Verhandlungsrunden an Problemen abgearbeitet und durch ihren Vorschlag, Arbeitszeiten aufgrund des Personalmangels noch zu verlängern, die Stimmungslage noch verschärft“, hatte Büddicker im Vorfeld gesagt. Endet auch der zweite Tag der dritten Verhandlungsrunde ohne eine Einigung, könnte Verdi den Druck auf die Arbeitgeberseite in Form von neuen Streiks nochmal erhöhen.

Auch die Stadtbahnen der KVB in Köln standen zuletzt mehrfach streikbedingt still (Archivbild).

Droht sogar ein Superstreik aus Bahn und ÖPNV am selben Tag?

Theoretisch ja. Die GDL setzt die Bahn aktuell mit sogenannten Wellenstreiks unter Druck. Das heißt: Es gibt derzeit keine langen, über mehrere Tage andauernden Bahnstreiks, sondern kürzere, die zudem relativ kurzfristig angekündigt werden. Verdi hatte in NRW zuletzt Ende Februar und Anfang März zweimal an jeweils zwei Tagen nacheinander zum Streik im ÖPNV aufgerufen.

Um maximalen Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, wäre daher denkbar, dass beispielsweise mal an einem Tag sowohl der Schienen- als auch der Nahverkehr gleichzeitig bestreikt werden. So passierte es beispielsweise am 27. März 2023, als Verdi und die GDL-Konkurrenzgewerkschaft EVG für einen Mega-Streik sorgten.

Überraschender Platz 1: Das waren die längsten Streiks in Deutschland

KVB-Bahnen stehen still, dazwischen ein Banner mit „Wir sind es wert“
Ende Februar bis Anfang März 2024 sorgte eine große Streikwelle im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) über sechs Tage deutschlandweit für viele Ausfälle. Damit war der Verdi-Arbeitskampf insgesamt einer der längeren in der Branche. © Christoph Hardt/Imago
Ein leerer Hauptbahnhof München durch den GDL-Bahnstreik am 5. Mai 2015.
Durch den vorzeitigen Abbruch im Januar 2024 bleibt der GDL-Arbeitskampf vom Mai 2015 der längste Streik bei der Deutschen Bahn. Über fünf Tage lang war der Verkehr der Deutschen Bahn größtenteils lahmgelegt. Genauer gesagt fuhren im Personenverkehr 127 Stunden lang und im Güterverkehr sogar 138 Stunden lang kaum noch Züge. © Michael Westermann/Imago
Streikende anlässlich eines Protestes der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. (21.05.1992)
Ende April bis Anfang Mai 1992 fanden sowohl im ÖPNV als auch bei der damals noch Deutschen Bundesbahn die bisher längsten Arbeitskämpfe auf der Schiene statt. Zwölf Tage am Stück gab es deutschlandweit massive Ausfälle bei allen Bussen, Straßenbahnen und anderen Zügen. Ausgangspunkt waren die damaligen Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, denen sich auch die Bahngewerkschaften angeschlossen hatten. Der unbefristete Streik endet mit 5,4 Prozent höherem Einkommen für alle sowie mehr Urlaubsgeld. Im Vergleich zu manch anderer Branche war das aber eigentlich ein eher kürzerer Streik, wie schon das nächste Beispiel zeigt. © bonn-sequenz/Imago
Ärzte aus ganz Deutschland demonstrieren in Leipzig für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen
Am 1. März 2006 legten Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern in ganz Deutschland ihre Arbeit nieder. Über 13 Wochen kämpften sie für einen eigenständigen Tarifvertrag zu Gehältern, Arbeitszeit und Arbeitszeitbedingungen. Nach 107 Tagen Streik einigte man sich am 16. Juni 2006 auf den ersten Ärztetarifvertrag überhaupt. © momentphoto/Bonss/Imago
Teilnehmer einer Demonstration des öffentlichen Dienstes in München
Parallel zur Ärzteschaft gab es 2006 auch einen langen Streik im öffentliche Dienst der Länder. Dabei ging es um ein neues Tarifrecht und vor allem die Verhinderung längerer Wochenarbeitszeiten. Erst nach 113 Tagen, also rund 16 Wochen, konnten sich Gewerkschaft und Bundesländer einigen. © Lindenthaler/Imago
Streikende bei einer Demo der IG Metall.
Einer der wegweisendensten Streiks in der Metallindustrie begann im Oktober 1956 in Schleswig-Holsten. Beim 114-tägigen (rund 16 Wochen) Arbeitskampf setzte die IG Metall die Fünftagewoche und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auch für Arbeiter durch. © IG Metall
Streik der IG Druck und Papier vor der Bundesdruckerei
1994 gingen die Beschäftigten der Druckindustrie in einen langen Streik. Nach 117 Tagen, also fast 17 Wochen, Arbeitskampf erzielte die Verdi-Vorläufergewerkschaft IG Druck zwei Prozent höhere Löhne. Etwa zehn Jahre zuvor hatten die Drucker bereits 87 Tage vergeblich für die 35-Stunden-Woche gestreikt. (Symbolbild)  © Sven Simon/Imago
Streikende stehen mit einem Transparent mit der Aufschrift „Wir machen Wind bei Vestas! Tarifverträge Jetzt!“ auf dem Kapstadtring in der City Nord.
Ganze 123 Tage, also über 17 Wochen, dauerte der Tarifstreit der IG Metall mit der deutschen Tochter des dänischen Windanlagenbauers Vestas. Obwohl nur wenige Beschäftigte an dem Arbeitskampf im Jahr 2023 beteiligt waren, war er dennoch erfolgreich. Es gab 5,4 Prozent mehr Lohn, eine Inflationsausgleichsprämie von 2750 Euro und Altersteilzeit. © Georg Wendt/dpa
DGB-Chef Sommer unterstützt Streikende von Gate Gourmet am Flughafen Düsseldorf (01.12.2005).
Rund 80 Beschäftigte legten von Ende 2005 bis 2006 beim Airline-Caterer „Gate Gourmet“ ihre Arbeit nieder. Insgesamt dauerte der Streik 26 Wochen, also rund sechs Monate. Unterstützung gab es unter anderem vom damaligen Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer (mittig). (Archivbild) © Felix Heyder/dpa
Sprengung in einem Granitsteinbruch in Hauzenberg.
301 Tage dauerte der längste Branchenstreik in Deutschland. 1991 und 1992 traten etwa 260 Arbeiter der Granitindustrie im Bayerischen Wald in den fast einjährigen Ausstand. Der regionale Konflikt um die Bewertung von Akkordlöhnen erhielt bundesweit aber kaum Aufmerksamkeit. (Symbolbild) © imagebroker/Bahnmüller
Streik und Fabrikbesetzung bei Seibel 1975 DEU, Deutschland, Erwitte
Der längste Arbeitskampf in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen fand 1975 bis 1976 in Erwitte statt. Wegen drohender Kündigungen traten rund 150 Beschäftigte des Zementwerks Seibel & Söhne im März 1975 in einen Ausstand. Da dieser nicht von der Gewerkschaft getragen wurde, handelte es sich um einen „wilden Streik“, der letztlich 449 Tage andauerte. Der Fabrikant verweigerte die damals für Juni 1976 vereinbarte Wiederaufnahme der Arbeit. Weshalb die Produktion anschließend vor allem mit neuen Arbeitern weiterging. © Klaus Rose/Imago
Streikende Pflegekräfte vor der Asklepios-Klinik in Seesen.
Der wohl längste Streik in der deutschen Geschichte fand von 2019 bis 2020 an der Asklepios-Klinik in Seesen (Niedersachsen) statt. Über 66 Wochen, also rund 15 Monate, kämpften Pflegekräfte und Therapeuten für einen Tarifvertrag. Einen Haken hat der Rekord dann doch: Wegen der angespannten Corona-Lage wurde der Streik über Monate ausgesetzt. Letztlich ging er aber erst Ende 2020 richtig zu Ende. © Ver.di-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen

Können neue ÖPNV-Streiks noch abgewendet werden?

Ja, sollten sich Gewerkschaft und kommunale Arbeitgeber einigen, wären neue ÖPNV-Streiks sofort vom Tisch.

Was fordert Verdi für die Beschäftigten bei Bus und Bahn in NRW?

Bei den aktuellen Verhandlungen geht es um den sogenannten Manteltarifvertrag. Entsprechend fordert Verdi nicht mehr Lohn, sondern grundsätzlich bessere Arbeitsbedingungen für die rund 30.000 Beschäftigten im ÖPNV in Nordrhein-Westfalen. Zu den Forderungen gehören beispielsweise zusätzliche freie Tage, ein identischer Ort für Arbeitsbeginn- und Arbeitsende sowie verschiedene Zulagen, beispielsweise für Schichten und Wechselschichten im Fahrdienst.

Verdi will damit laut eigenen Angaben vor allem die Jobs attraktiver machen. Denn es mangele an Nachwuchs in der Branche, so die Gewerkschaft. „Wir brauchen bis 2030 doppelt so viel Personal, um die Verkehrswende stemmen zu können. Dafür sind massive Investitionen nötig. Hier ist auch die Landesregierung gefordert, um die Kommunen dauerhaft zu entlasten“, forderte Peter Büddicker schon vor einigen Wochen.

Der Arbeitgeberverband KAV NRW verwies in den vergangenen Wochen auf einen engen Finanzspielraum und eine deutliche Gehaltserhöhung zum 1. März 2024, die vor längerer Zeit vereinbart worden sei. (bs mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Christoph Hard/Panama Pictures/Imago

Kommentare