VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Russlands Tankstellen leiden unter massiven Öl-Engpässen. Das kann zu Preissprüngen führen. Ein neuer Plan soll das verhindern.
Moskau – Die Ukraine dezimiert weiter den russischen Ölsektor. Rund ein Drittel der russischen Raffinerien geriet seit August bereits unter Feuer der ukrainischen Kampfdrohnen. Produktionsstopps und eine allgemein verringerte Kapazität sorgen jetzt für erhebliche Engpässe in der Treibstoffversorgung. In manchen Regionen – etwa der besetzten Krim – gibt es bereits Rationierungen im Verkauf. Nun zwingt die Treibstoffkrise Russland zu einem weiteren Schritt.
„Spezieller Kontrollmechanismus“ für Russlands Treibstoff-Krise – kommt der Öl-Preisdeckel?
Der russische Anti-Monopol-Service soll den Auftrag erhalten, einen Preisdeckel auf die Höchstpreise an Tankstellen zu legen. Das geschieht, während die Engpässe bei der Treibstoffversorgung innerhalb Russlands immer schlimmer werden, berichtete das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Independent.
Offenbar kam dieser neue Vorschlag von der Russian National Automobile Union. Diese will die Spritpreise an einem regionalen Index ausrichten, der wiederum an die Durchschnittspreise von 2024 und die Inflation gebunden ist. Hintergrund des Ganzen sind gezielte Angriffe der Ukraine, die seit dem Sommer verstärkt Drohnen dazu einsetzt, russische Infrastruktur zu zerstören. Dazu gehören sowohl Eisenbahnknotenpunkte als auch Öl-Raffinerien.
„Wir halten es für angemessen, einen Preisdeckel an Tankstellen einzuführen – einen speziellen Kontrollmechanismus“, zitierte Izvestija Anton Schaparin, den Chef des Automobilverbands. Die Anti-Monopol-Behörde soll bereits bestätigt haben, dass dieser Vorschlag einging, und will ihn nun prüfen. Sie beaufsichtigt Spritpreise an 12.000 Tankstellen überall in Russland.
Problematisch dabei: Ein Preisdeckel ohne Subventionen könnte die Engpässe noch verschlimmern. Davor warnte jedenfalls Oleksandr Talavera, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Birmingham, im Kyiv Independent. „Die Raffinerieproduktion ist durch die Streiks in der Ukraine eingeschränkt. Wenn Einzelhändler, insbesondere unabhängige, die auf dem freien Markt einkaufen, gezwungen wären, ihre Waren unter dem Wiederbeschaffungswert zu verkaufen, würde es zu Massen von ‚Ausverkauft‘-Schildern kommen“, sagte er.
Ukraine-Drohnen beschädigen Putins Öl-Raffinerien – massive Treibstoff-Probleme als Folge
Russlands Treibstoffprobleme begannen bereits im Spätsommer 2025: Die ukrainischen Drohnen verschärfen die Krise in Russlands Wirtschaft immer weiter. Ursprünglich waren nur vereinzelte Regionen und Städte betroffen, mittlerweile aber haben sich die Engpässe auf weitere Regionen ausgebreitet.
Besonders betroffen sind die östlichen Regionen Russlands und die besetzte Krim-Halbinsel. Gerade letztere ist auf Lieferungen aus Russland angewiesen – der vom Kreml eingesetzte Gouverneur hatte die Bevölkerung zur Geduld aufgerufen. Allerdings sorgen die Engpässe bereits für großflächige Schließungen der Tankstellen.
Um den Engpässen entgegenzuwirken, hat Kreml-Chef Wladimir Putin bereits per Dekret die Regeln für staatliche Treibstoffsubventionen gelockert. Russische Raffinerien können so weiter staatliche Hilfe erhalten, auch wenn die Großhandelspreise für Benzin und Diesel deutlich über den bisherigen Schwellen liegen. Die Maßnahme soll bis zum 1. Mai 2026 gelten.
Eine Million Barrel fehlen pro Tag – Putin sucht Lösungen für Treibstoff-Problem
Die Angaben darüber, wie viel der russischen Raffineriekapazität die Ukraine ausgeschaltet hat, schwanken – von der Forschungsgruppe Energy Aspects kam die Einschätzung, dass täglich über eine Million Barrel Raffineriekapazität ausfallen. Es sind auch nicht nur die russischen Autofahrer, die unter dieser Entwicklung leiden. Ganze Lieferketten sind von der Verfügbarkeit von Treibstoff abhängig, von den russischen Militärfahrzeugen ganz zu schweigen.
Neben den bereits ergriffenen Maßnahmen hat Russland außerdem angefangen, selbst mehr Benzin aus Weißrussland anzukaufen. Das soll die Engpässe im Mutterland lindern, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters Anfang Oktober. Die Importe von weißrussischem Benzin vervierfachten sich im September auf 49.000 Tonnen, während die Diesel-Lieferungen auf ein Volumen von 33.000 Tonnen wuchsen.
Die weißrussischen Raffinerien liefern ihren Treibstoff normalerweise durch Russland und von dort aus in alle Welt. Allerdings sank auch in Weißrussland der Output: Zwischen Januar und September berichtete Reuters von einem Einbruch der Exporte um fast 40 Prozent auf 1,17 Millionen Tonnen.
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