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Putins Herzensprojekt in der Arktis nimmt Gestalt an. Die Power of Siberia 2-Pipeline ist eine weitere Eintrittskarte, groß ins LNG-Geschäft einzusteigen. Doch bittere Hürden bleiben.
Moskau – Der lang ersehnte Bau der Power of Siberia 2-Pipeline kommt voran, allerdings wird Kremlchef Wladimir Putin viel später als erwartet davon profitieren. Laut Branchenquellen wird Russland mindestens ein Jahrzehnt brauchen, um die Gasexporte von Russland nach China deutlich zu steigern. Bis die Pipeline Putin als ausgiebige Finanzquelle dienen kann, würde es also noch lange dauern.
Bau der Power of Siberia 2: Putin muss lange auf Gewinne warten
Die geplante Pipeline soll aus der arktischen Jamal-Region russisches LNG aus der sanktionierten Arctic LNG 2-Anlage über die Mongolei nach China liefern. Jährlich sollen bis zu 50 Milliarden Kubikmeter Gas aus der arktischen Region fließen. Branchenquellen teilten gegenüber Reuters mit, dass, selbst wenn der Deal im nächsten Jahr abgeschlossen würde, es mindestens fünf Jahre dauern würde, die Pipeline fertigzustellen. Weitere fünf Jahre müsste man einberechnen, bis sich die Gas-Lieferung gesteigert hat.
Ein Gazprom-Insider rechnet nicht damit, dass die Pipeline vor 2034-35 die Hälfte ihrer anvisierten Lieferkapazitäten erreichen werde. Gazprom ist als staatlicher Energieriese einer der Akteure, die den Deal mit China abwickeln werden. Auch Analysten des Oxford Institute for Energy Studies rechnen mit Verzögerungen. „Eine endgültige Einigung bis Ende 2026 könnte durchaus dazu führen, dass die ersten Lieferungen bis Ende 2030 oder 2031 erfolgen und ein wesentlicher Teil der Produktionssteigerung bis zum 1. Januar 2035 erreicht ist“, hieß es in einem Bericht aus dem September.
Putins Prestigeprojekt „Power of Siberia 2“ – noch sind viele Fragen ungeklärt
Nachdem Russland und China sich schriftlich zum Bau der Power of Siberia 2 Pipeline verpflichtet hatten, schien das Projekt so gut wie besiegelt. Laut Gazprom sei ein „rechtlich bindendes Memorandum“ unterzeichnet worden. Anfängliche Unterbrechungen bei den Gesprächen ließen vermuten, dass es noch starke Unstimmigkeiten geben könnte. Und noch immer sind viele Fragen zum Verkaufspreis, zum Zeitpunkt des Lieferbeginns und zu den Investitionsbedingungen offen.
Besonders die Frage nach dem Verkaufspreis sorgte laut Medienberichten für Unmut zwischen beiden Seiten. Es war offenbar sogar der Grund, weshalb das Projekt zwischenzeitlich komplett auf Eis lag. Einen Vorgänger gibt es bereits: Ende 2019 begann Russland, Gas aus Ostsibirien nach China zu pumpen. Die Pipeline „Power of Siberia 1“, soll noch im Jahr 2025 die geplante Kapazität von 38 Milliarden Kubikmetern erreichen.
Russlands Wirtschaft will Energie-Deals mit Peking ausbauen – Tanker kommen offenbar in China an
Mit dem Bau der zweiten Gas-Pipeline will Putin nun die Handelsbeziehungen zu China noch stärker ausbauen. Und damit könnte Putin vor allem beim LNG Erfolg haben. In den vergangenen Monaten häuften sich Berichte über beladene LNG-Frachter, die an chinesischen Häfen andockten. Unter ihnen befinden sich laut Medienberichten die Tanker Iris, Vokshod und Zarya. Es besteht bei allen drei Tankern eine Verbindung zur russischen Schattenflotte.
Für den Kremlchef steht vor allem finanzielles Interesse im Vordergrund, solche Lieferungen und Energie-Projekte, wie die Power of Siberia 2, voranzutreiben. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs musste Russland bei den Exporten von Energie (primär Öl und Gas) auf andere Abnehmer umschwenken. Vor dem Krieg belieferte Russlands Wirtschaft viele EU-Länder, heute sind es nur noch auf Russland angewiesene Mitglieder, wie Ungarn oder die Slowakei. Die Einnahmen aus den Energiegeschäften befeuern die Kriegskasse und geben Russlands Wirtschaft weiter eine finanzielle Grundlage, die Invasion fortführen zu können. (bohy)
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