Flugzeug-Feeling auf Schienen

Der InterCityExperimental war der schnellste Zug, der je durch Deutschland fuhr

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Mit dem InterCityExperimental hat die Bahn wichtiger Erfahrungen für die Einführung des ICEs gesammelt. Nicht nur das Aussehen des Schnellzuges war besonders.

Köln – Zugfahrten über 200 Km/h sind noch eine recht junge Entwicklung in Deutschland. Die ersten ICEs rasten erst ab 1991 durch die Bundesrepublik – doch bereits davor gab es einen echten Hochgeschwindigkeitszug: den InterCityExperimental (heute ICE/V genannt). Wie der Name schon nahelegt, war er der direkte Vorgänger der heutigen Vorzeige-Züge der Deutschen Bahn. Mit dem InterCityExperimental wurde ab 1985 der reguläre Hochgeschwindigkeitsverkehr erprobt und vorbereitet. Dabei stellte der ICE/V sogar einen Geschwindigkeitsrekord auf, der bis heute nicht gebrochen wurde.

ICE-Vorgänger: Wie der InterCityExperimental aussah und was ihn besonders machte

Der InterCityExperimental (heute: ICE/V) war der Vorgänger des ersten ICE-Zuges der Deutschen Bahn.

Als Testzug war der InterCityExperimental eher kurz gehalten. Neben zwei Triebkopfzügen vorne und hinten bestand er aus drei Mittelwagen. Einer diente lediglich für Messungen, die beiden anderen zur Demonstration, wie die Innenausstattung der zukünftigen ICE aussehen konnte. Der genaue Zugaufbau:

  • Triebkopf (Nummer 410 001)
  • Demonstrationswagen 1. Klasse (Nummer 810 001)
  • Messwagen (Nummer 810 0003)
  • Demonstrationswagen 2. Klasse (Nummer 810 002)
  • Triebkopf (Nummer 410 002)

Beim InterCityExperimental setzte die Bahn erstmals auf das heute ICE-typische Außendesign. Die Triebkopfzüge liefen spitz nach vorne hin zu, zudem gab es an der Seite des ganzen Zuges einen farbigen Streifen auf weißem Grund. Dieser war aber nicht knallig rot, sondern eher Richtung Pink. Das war schon auffällig, wenn auch nicht so knallig wie der gelbe Lufthansa-Airport-Express, der früher zwischen Düsseldorf und Frankfurt verkehrte.

Wie sich der ICE der Deutschen Bahn über die Jahre verändert hat

Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Obwohl der erste ICE im regulären Betrieb erst 1991 auf die Schiene kam, gab es zuvor bereits den sogenannten InterCityExperimental. © teutopress/Imago
Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Der InterCityExperimental war der Vorläufer des späteren ICE. Der Zug sorgte im November 1985 für großes Aufsehen, als er auf der Bahnstrecke zwischen Gütersloh und Hamm mit 317 km/h eine Rekordgeschwindigkeit im deutschen Schienenverkehr erreichte. © teutopress/Imago
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental.
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental. Der Zug wurde zwischen 1983 und 1985 gebaut. © Sven Simon/Imago
Ein ICE 1 und ein Lokführer.
1991 war es dann so weit. Der erste ICE kam in Deutschland auf die Schiene. Der ICE 1 leitete damit das Hochgeschwindigkeitszeitalter im deutschen Bahnverkehr ein. Schon die ersten Modelle erreichten rund 280 km/h. © Jürgen Heinrich/Imago
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1.
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1. Insgesamt bestand der erste ICE aus zwölf Mittelwagen und zwei Triebköpfen. Es gab 703 Sitzplätze. (Bild von 1991) © Jürgen Heinrich/Imago
Ein ICE 1 fährt durch Deutschland.
Im Sommer 2005 begann die Bahn mit einer großen Modernisierung des ICE 1. Mit diesem Redesign wurde die Sitzplatzkapazität nochmal erweitert. Zudem veränderten sich die Züge innen und außen auch optisch. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE 1 am Münster Hbf.
Und auch heute noch ist der ICE 1 wichtiger Bestandteil im deutschen Bahnverkehr. 2020 wurden die Züge nochmal modernisiert. 18 von ihnen sind immer noch im Einsatz. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 2 fährt durch Deutschland.
1996 kam mit dem ICE 2 die zweite ICE-Generation in Deutschland auf die Schiene. Die Züge erreichten genau wie der ICE 1 eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 in Berlin.
Der ICE 2 wird von der Bahn als „der Flexible“ bezeichnet. Der Grund: Mit sechs Mittelwagen und einem Steuerwagen ist der ICE 2 kürzer als sein Vorgänger, kann bei Bedarf aber auch zu einem Doppelzug gekoppelt werden. © Christian Kielmann/Imago
Innenaufnahme eines ICE 2.
Innenaufnahme eines ICE 2: 2011 wurden die Züge der zweiten ICE-Generation von der Bahn umfassend modernisiert. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 der Deutsche Bahn DB in Gemünden am Main.
Bis heute zählt der ICE 2 zu den wichtigsten Fernverkehrszügen der Bahn. 44 der Züge sind weiterhin in Deutschland unterwegs. © Aviation-Stock/Imago
Ein ICE T in einer Kurve.
1999 wurde der ICE T in Betrieb genommen. Die Besonderheit dieses Zuges: Er verfügt über eine spezielle Neigetechnik, kann sich also ähnlich wie ein Motorradfahrer auf kurvenreichen Strecken zur Seite neigen. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE T im Haunetal.
Das „T“ in ICE T steht eigentlich für „Triebzug“. Aufgrund der Neigetechnik wurde aber teilweise auch der englische Begriff „Tilt“ für „neigen“ als Abkürzung interpretiert. © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
Ein ICE T am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.
Vom ICE T gibt es mehrere Baureihen. Die Züge wurden 2013 umfangreich modernisiert. Für alle gilt aber: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Damit ist er der langsamste ICE. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 3 der Deutsche Bahn AG auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt neben der Autobahn A3.
2000 folgte die Inbetriebnahme des ICE 3. Der Turbo-ICE erreicht Geschwindigkeiten bis 330 km/h (hier auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Köln). © Rainer Unkel/Imago
DEU Deutschland Frankfurt am Main 14 02 2019 Hauptbahnhof Frankfurt ICE Baureihe 403 ICE 3
Vom ICE 3 gibt es inzwischen drei unterschiedliche Baureihen. Die Züge der Baureihe 403 sind nur in Deutschland unterwegs. ICE 3 der Reihe 406 werden auch grenzübergreifend in Belgien und den Niederlanden eingesetzt. © Arnulf Hettrich/Imago
Ein Lokführer bei der Bahn in einem ICE 3.
Ein Blick ins Cockpit eines ICE 3 (Archivbild von 2020). © Arne Dedert/dpa
Ein ICE 3 und ein ICE 4.
2017 kam dann der ICE 4 (rechts) auf die Schiene. Hier im direkten Vergleich zu einem ICE 3 (links) am Kölner Hauptbahnhof. © Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann
ICE 4 auf der Bahnstrecke Münster - Osnabrück.
Vom ICE 4 gibt es drei unterschiedliche Modelle mit sieben, zwölf oder 13 Wagen. Der größte verfügt über 918 Sitzplätze. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 4 bei Stadthagen.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist der ICE 4 der langsamer als sein direkter Vorgänger und auch nicht so flott unterwegs wie die Modelle 1 und 2. © Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee
ICE 4 mit Fahrrad-Abteil.
Eine Besonderheit des ICE 4: Er hat als erster ICE gesonderte Fahrradstellplätze. © Deutsche Bahn AG / Tobias Gromatzki
Ein ICE 3neo der Baureihe 408.
Im Dezember 2022 folgte der ICE 3neo, der, wie der Name bereits verrät, auf dem ICE 3 basiert und weiterentwickelt wurde. Der Hochgeschwindigkeitszug erreicht bis zu 320 km/h. © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Im Februar 2023 wurde ein ICE 3neo in Köln in Karnevalsoptik präsentiert und auf den Namen „Rheinland“ getauft. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Ein ICE Führerstand bei der Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Der Führerstand des ICE 3neo. Die Flotte der Bahn soll bis 2029 um insgesamt 73 neue ICE 3neo erweitert werden. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Der 1. ICE L auf dem Weg nach Deutschland.
Im Oktober 2024 folgt mit dem ICE L ein weiterer neuer Schnellzug der Bahn. Dabei ist der ICE L eigentlich kein richtiger ICE, wie sie bislang bekannt sind. Anders als die bisherigen ICEs ist er nämlich kein Triebzug, sondern wird von einer Lok gezogen. © Deutsche Bahn AG / Dirk Wittmann

InterCityExperimental: Flugzeug-Feeling auf Schienen

Auch im Inneren unterschied sich der InterCityExperimental von heutigen ICEs. Demnach sollte das Design des Zuges zeigen, welchen Innenraumkonzepte für Hochgeschwindigkeitsbahnen möglich seien. So war der 1. Klasse-Wagen teils wie eine Lounge mit Tischen und Sitzecken gestaltet. Die normalen Sitze hatten eine verlängerte Rückenlehne, ein Kopfkissen und waren zum Teil mit Displays des Fahrgastinfo-Systems sowie Telefonen ausgestattet. Die Gepäckablagen waren wie im Flugzeug mit Klappen verschlossen. Auch die WCs waren denen in Flugzeugen nachempfunden. Ähnlich großen Luxus bot auch der „Metropolitan“-Zug der Bahn, der als eins Sprinter-Vorgänger zwischen Köln Hamburg fuhr.

Im Innenraum des InterCityExperimental (heute: ICE/V) wurden verschiedene Sitzkonzepte für Hochgeschwindigkeitszüge getestet (hier 1. Klasse-Wagen).

Einige Elemente des InterCityExperimentals wurde auch in spätere ICE-Züge übernommen. So zum Beispiel die offene Innenraumgestaltung, Garderoben in der Wagenmitte sowie gläserne Automatiktüren. Auch das Konzept des 2. Klasse-Wagen ähnelte der heutigen ICE-Einrichtung. Dieser verfügte bereits über 2er- (Klapptisch) und 4er-Sitzgruppen (Tisch in der Mitte). Weitere Neuheiten beziehungsweise Besonderheiten des InterCityExperimentals waren:

  • Neu konzipierte Drehgestelle, Antriebe, Stromabnehmer
  • Druckdichte Einstiegstüren und Fahrzeugübergänge
  • Geschlossene WC-Systeme
  • Wirbelstrombremsen
  • Neu konstruierte Wagenkästen aus Aluminium
  • Ein durchgehendes Fensterband aus schalldämpfendem Glas
  • Datenübertragung im Zug per Glasfaserkabel
  • Ein elektronisches Fahrgastinformationssystem

Der InterCityExperimental fuhr über 400 km/h schnell

Bereits 1979 wurde der Grundstein für den InterCityExperimental gelegt. Die Deutsche Bundesbahn, der Vorgänger der heutigen Deutschen Bahn, erhielt vom Bund den Auftrag, ein Konzept für ein „Rad/Schiene-Versuchs- und Demonstrationsfahrzeug“ (R/S-VD) für Hochgeschwindigkeitsfahrten zu entwickeln. Nach der Konzeption wurde der Testzug dann schließlich ab 1983 gebaut und am 19. März 1985 der Öffentlichkeit präsentiert. Ab dem Sommer 1985 fuhr der InterCityExperimental dann zu Testzwecken durch Deutschland.

Am 26. November 1985 war der InterCityExperimental der erste Zug, der auf deutschen Schienen über 300 km/h fuhr. Doch dabei sollte es nicht bleiben. In Rahmen einer geplanten Weltrekordfahrt auf der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg erreichte die Bahn sogar über 400 km/h – genauer gesagt 406,9 km/h. Zwar wurde die Geschwindigkeit noch im selben Jahr vom französischen TGV überboten, doch in Deutschland wurde seitdem kein höheres Zugtempo erreicht.

Der InterCityExperimental erreichte als bisher einziger Zug auf deutschen Schienen über 400 km/h.

Michail Gorbatschow fuhr mit dem ICE/V

Neben Testzwecken wurde der InterCityExperimental auch für viele zahlreiche Präsentationsfahrten eingesetzt. Unter anderem, um Rückmeldungen von Journalisten und regulären Fahrgästen zu erhalten. Außerdem gab es auch einige Sonderfahrten, wie beim Besuch des damalige sowjetische Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow. Er nutze den Zug am 15. Juni 1989 für eine Fahrt von Bonn nach Dortmund und zurück nach Düsseldorf.

Der Betrieb des InterCityExperimental – ein voller Erfolg. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse wurde anschließend die erste Hochgeschwindigkeitsserie der Bahn, der ICE 1, entwickelt und ab 1991 regulär eingesetzt. Für eine einheitliche Namensgebung wurde der Testzug parallel zum „ICE V“ (V steht für Versuch) umbenannt. Nach 13 Jahren Betrieb und 1,2 Millionen zurückgelegten Kilometern wurde der Testzug schließlich ab 1998 eingestellt und zum 1. Januar 2000 offiziell ausgemustert.

Seitdem stehen ein Triebkopf und ein Mittelwagen des ICE V auf dem Gelände der DB Systemtechnik in Minden (Westfalen). Der Mittelwagen ist der einzige von den ehemals drei Wagen, der noch erhalten ist. Der zweite Triebkopf steht heute derweil im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München-Freimann. (os) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © DB AG / Krieger

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