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Mit dem Metropolitan hatte die Deutsche Bahn einst einen besonders luxuriösen Schnellzug im Repertoire. Der MET dient zudem als Innovationsschmiede.
Köln – Mit Intercity (IC) und Intercity-Express (ICE) hat die Deutschen Bahn heute nur noch zwei Schnellzuggattungen in petto, doch früher gab es noch eine dritte: den Metropolitan Express Train (MET). Mit kostenlosem Unterhaltungsangebot, Cocktail-Bar und Ledersitzen handelte es sich dabei um einen regelrechten Luxuszug. Zur Jahrtausendwende war auf der Strecke zwischen NRW und Hamburg unterwegs – allerdings nur für einige Jahre. Trotz großer Beliebtheit wurde der Metropolitan schnell wieder eingestellt und durch den ICE Sprinter ersetzt. Die MET-Wagen waren jedoch noch bis Ende 2021 auf deutschen Schienen unterwegs.
Innenausstattung und Service des Metropolitans – diesen Luxus bot der Schnellzug
► Der Metropolitan bot seinen Fahrgästen viele Dinge wie Unterhaltungsangebote, Getränke und Essen kostenlos an
► Bei der Innenausstattung des METs wurde auch hochwertige Materialien wie Holz und Edelstahl gesetzt
► Je nach präferierter Reiseart gab es verschiedene Wagenabteilungen mit eigenen Vorteilen
Mit 351 Sitzplätzen zum Start (später 382) war die Kapazität des Metropolitans nicht unbedingt riesig. Kein Wunder: Die luxuriöse Innenausstattung benötigte ebenfalls Platz. Die MET-Wagen setzen in Sachen Komfort nochmal eine Schippe auf das Bahn-Flaggschiff ICE obendrauf. Statt Kunststoff bestand die ganze Verkleidung aus Holz- und Edelstahlelementen. Die breiten Ledersitze waren verstellbar, hatten Kopfkissen und Holztische.
Zudem gab es, für damalige Verhältnisse ungewöhnlich, an jedem Platz eine eigene Steckdose. Eine weitere Besonderheit war die besonders hohe „Laufruhe“ bei hohen Geschwindigkeiten – der Gang durch den fahrenden Zug war also deutlich weniger anstrengend. Außerdem verfügte der Metropolitan über selbstreinigenden Toiletten, die nach jeder Benutzung gesäubert und desinfiziert wurden.
Kostenlose Zeitung, Getränke und Snacks im Metropolitan
Auch beim Service wollte sich der Metropolitan von anderen Schnellzügen abheben. So lagen in den Eingangsbereichen alle Wagen kostenlose Tageszeitungen aus. Zudem waren alkoholfreie Getränke am Platz und an der Bar im Fahrpreis inklusive. Je nach Tageszeit gab es an der Bar auch Espressi und Cocktails. Während der Fahrt gab es auch einen kostenlosen „Business Snack“ am Platz. Im Gegensatz zu allen Zügen der Deutschen Bahn war der Metropolitan nicht in erste und zweite Klasse aufgeteilt. Ein ganz normales Flex-Ticket für den MET kostete 119 Euro (Stand: Dezember 2004) und somit ähnlich viel wie ein Flex-Ticket für den ICE-Sprinter (122 Euro, Stand: Dezember 2004), jedoch teurer als vergleichbare ICE-Fahrkarten in der zweiten Klasse.
„Silence“- und „Office“-Wagen: Die Kategorien des Metropolitan
Zum Start gab es jedoch drei verschiedenen Wagenkategorien, die sich alle auf dem Niveau der ersten Klasse eines ICEs befanden:
- Silence-Wagen: Diese waren für Reisende gedacht, die gerne Ruhe haben wollten. Auf Wunsch gab es Kopfkissen, Decke, Ohrstöpsel sowie ein Audio-Programm mit Kopfhörer – alles kostenfrei. Die Nutzung von Handy oder Laptop war in diesen Wagen nicht erwünscht. Die beiden Silence-Wagen wurden ganz ans Ende des MET-Zuges gereiht, um Störungen durch das Personal zu vermeiden.
- Office-Wagen: Diese waren für arbeitende Reisende ausgelegt. Bis auf die Steckdosen und Handy-Verstärkern gab es keine anderen Extras. Jedoch waren in diesen eine Cocktail- und Espresso-Bar verortet. Neben Einzelsitzen gab es auch einige Vierergruppen (vier Sitzplätze an einem Tisch) für Arbeitsgespräche.
- Club-Wagen: Wer weder arbeiten noch schlafen wollte, kam hier unter. In diesen Wagen gab es ebenfalls einen Handyverstärker und eine Cocktail- und Espresso-Bar. Zudem konnten Reisende kostenlos tragbare DVD-Player und Filme ausleihen. Der Club-Wagen war zudem barrierefrei gestaltet.
Aufgrund der mangelnden Auslastung wurde im Spätsommer 2001 eine weitere Wagenkategorie beim MET eingeführt. Bei den beiden sogenannten „Traveller“-Wagen wurde der Komfort etwas zurückgeschraubt, dafür waren die Fahrpreise günstiger. Somit stellten diese theoretisch die zuvor nicht vorhandene zweite Klasse des Metropolitan dar. Tageszeitungen und Getränken waren zwar ebenfalls im Preis inbegriffen, dafür gab es jedoch weder Snack noch Zugang zur Cocktail- und Espresso-Bar. Alle Plätze im Metropolitan waren reservierungspflichtig.
Metropolitan: Wie der Luxuszug entstand und was ihn noch besonders macht
Wahrend im Fernverkehr mittlerweile auch die Züge von Flixtrain hinzugekommen sind, hatte die Deutsche Bahn lange Zeit quasi gar keine Konkurrenz auf der Schiene. Mit dem MET schuf sich der Konzern diese dann quasi selbst. Der Zug-Betreiber, die Metropolitan Express Train GmbH, wurde 1996 als Tochterunternehmen der damaligen DB Reise & Touristik (heute: DB Fernverkehr) geschaffen – welches wiederum ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ist. Das Unternehmen hatte jedoch nur den gleichnamigen Zug im Angebot. Dieser sollte nicht nur durch luxuriöse Ausstattung und besonderen Service, sondern auch die Direktverbindungen punkten.
So richtig los ging es mit dem Metropolitan im Sommer 1999. Damals wurde der Luxus-Schnellzug im Rahmen der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin vorgestellt. Kurz danach, am 14. Juni 1999, wurde dann bereits der erste MET-Zug abgeliefert. Nur etwa einen Monat später folgte der Zweite. Aus heutiger Sicht besonders, war nicht nur das Angebot, sondern auch die Technik hinter dem MET. Der Schnellzug wurde im Gegensatz zu heutigen ICEs von Lokomotiven angezogen. Mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h handelte es sich bei dem Metropolitan somit um die schnellsten konventionellen Reisezugwagen in Deutschland. Alle vorherigen Züge waren für maximal 200 km/h zugelassen. Über 220 km/h erreichten zu diesem Zeitpunkt nur ICE-Triebzüge.
Lokomotive vs. Triebzug: Das ist der Unterschied
Klassische Züge bestehen aus einer Lokomotive, die angehängte Wagen anzieht. Regionalbahnen und auch Intercitys werden meist noch so angetrieben. Dagegen wird vor allem für Hochgeschwindigkeitszüge wie ICEs auf sogenannte „Triebzüge“ gesetzt. Dabei handelt es sich um eine unzertrennbare bzw. fest gekuppelt Zugeinheit, bei denen auch die Wagen einen eigenen Antrieb haben. Einzige Ausnahme stellt der neu geplante „ICE L“ der Deutschen Bahn dar, der ausnahmsweise von einer Lok angezogen wird.
Metropolitan diente der Deutschen Bahn als Innovationsschmiede
Aufgrund des kleinen und überschaubaren Kundenkreises nutze der Bahn-Konzern den Metropolitan immer wieder dazu, Neuerungen zu testen. Diese wurden dann oftmals später, teils in veränderter Form, auf alle DB-Züge ausgeweitet. Ein paar Beispiele:
- Bereits zum Start des Metropolitan war es möglich, die Zugfahrten auch online zu buchen.
- Die „Am-Platz-Bedienung“ des METs wurde später in allen Zügen der Bahn angeboten – wenn auch nur in der ersten Klasse. Im Gegensatz zum Metropolitan waren Snacks und Getränke jedoch nur gegen extra Bezahlung erhältlich.
- Ab März 2021 konnten Metropolitan-Fahrgäste (sowie erste Klasse in ICE-Sprintern) erstmals bei Zugfahrten Bonusmeilen für das Vielfliegerprogramm Miles & More der Lufthansa sammeln. Diese Erfahrungen flossen später in den Aufbau der eigenen Kundenbindungsprogramme „bahn.comfort“ und „bahn.bonus“ ein.
Strecken des Metropolitan: Wo der Schnellzug überall unterwegs war
- Köln - Hamburg: Köln Hauptbahnhof – Düsseldorf Hauptbahnhof – Essen Hauptbahnhof – Hamburg Hauptbahnhof (Fahrtzeit: zwischen 3 Stunden 24 Minuten und 3 Stunden 30 Minuten)
- Hamburg - Köln: Hamburg – Essen Hbf – Düsseldorf Hbf – Köln Hbf (Fahrtzeit: zwischen 3 Stunden 20 Minuten und 3 Stunden 25 Minuten)
Der Metropolitan Express Train (MET) war nur auf einer einzigen Strecke unterwegs. Vor der Betriebsaufnahme gab es Untersuchungen von zehn innerdeutschen Verbindungen, auf denen neue Züge dem Luftverkehr Konkurrenz machten könnten. Dabei landete die Strecke zwischen Köln und Hamburg ganz oben, weshalb die Wahl auf diese fiel. Zu einer Ausweitung der des Streckenangebotsgebots kam es aber nie.
Der Metropolitan nahm am 1. August 1999 den Betrieb auf. Ab dann pendelte der Schnellzug bis zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2004 viermal täglich zwischen Köln Hauptbahnhof und Hamburg Hauptbahnhof. Weitere Halte gab es in Düsseldorf und Essen. Somit wurde im Vergleich auf Intercity-Züge auf Stopps in Duisburg, Münster, Osnabrück, Bremen und Hamburg-Harburg verzichtet. Da der Fahrtweg durch einen anderen Streckenverlauf zudem verkürzt werden konnte, war die Fahrtzeit des MET letztlich 40 bis 50 Minuten kürzer als die der vergleichbaren IC- und ICE-Züge.
Trotz hoher Beliebtheit: Metropolitan bereits 2004 wieder eingestellt – Sprinter kam als Ersatz
Zum Start des Metropolitan wurden noch alle Erwartungen übertroffen. In den ersten Wochen (August/September 1999) wurden so viele Fahrtkarten verkauft, dass einzelne Züge komplett ausverkauft waren. Doch der Erfolg hielt nicht lange an. Bereits Ende 1999 lag die Auslastung der Mittagszüge bei nur noch 20 Prozent, wobei die Gewinnschwelle erst bei 53 Prozent erreicht wurde. An der Qualität des Angebotes lag es anscheinend nicht. Bei einer Befragung gaben neun von zehn Fahrgästen an, dass sie mit dem MET zufrieden waren. Außerdem würde 97 Prozent erneut mitfahren oder den MET weiterempfehlen.
Doch die Beliebtheit allein reichte dem Metropolitan langfristig nicht aus. In allen fünf Betriebsjahren war die Auslastung letztlich weit vom Ziel entfernt und lag deutlich unter denen der regulären Fernverkehrszüge der DB. Deshalb wurde der MET Ende 2004 wieder eingestellt, am 11. Dezember fuhr der letzte Zug. Ersetzt wurde die Verbindung, zumindest in den frühen Morgenstunden, durch einen sogenannten ICE-Sprinter – einem ICE, der entweder keinen oder nur wenige Zwischenhalte hat. Der Sprinter war ähnlich teuer, schnell und ebenfalls reservierungspflichtig. Die drei übrigen MET-Verbindungen wurden derweil nicht explizit ersetzt.
Die luxuriösen Wagen des Metropolitans sollten aber anschließend noch lange weiterleben. Sie wurden an die übrigen Fernverkehrswagen der Deutsche Bahn angepasst (z. B. Logo) und anschließend auf regulären ICE- und IC-Strecken verwendet. Dabei wurde jedoch die Innenausstattung genauso beibehalten. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 waren die MET-Wagen anschließend noch auf deutschen Schienen unterwegs und anschließend zum Verkauf angeboten. (os) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Kay_Nietfeld/dpa





