Wachsender Inflationsdruck

Rubel-Absturz: Wie Putin jetzt die russische Wirtschaft retten will

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Der Rubel hat eine lange Talfahrt hinter sich und war in den vergangenen Tagen am Devisenmarkt unter Druck geraten.
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Die russische Notenbank stemmt sich mit einer massiven Zinserhöhung gegen die Talfahrt des Rubels. Der russische Präsident Wladimir Putin versucht, die Lage wieder zu stabilisieren.

Moskau – Der russischen Währung geht es denkbar schlecht: Der Rubel hat eine lange Talfahrt hinter sich und war in den vergangenen Tagen am Devisenmarkt erneut unter Druck geraten. Russlands Währung und Wirtschaft leiden unter den Folgen der Sanktionen und des Ukraine-Krieges. Der russische Präsident Wladimir Putin und der Kreml stemmen sich mit allen Mitteln dagegen.

Rubel-Verfall: Zentralbank hebt Leitzins nach Rüffel des Kreml an

So hat die russische Zentralbank nach einem Rüffel des Kreml am Dienstagmorgen auf einer Krisensitzung beschlossen, den Schlüsselzins von 8,5 auf 12,0 Prozent anzuheben. Damit soll die Talfahrt des Rubel gestoppt werden. In Russland baue sich Inflationsdruck auf, erklärte die Notenbank. „Die Auswirkungen der Rubel-Abwertung auf die Preise gewinnen an Dynamik und die Inflationserwartungen steigen“, warnten die Währungshütenden. Diese hatten bereits für die reguläre Zinssitzung im September eine Erhöhung signalisiert, gerieten nun aber offensichtlich unter Zugzwang.

Zuletzt war es zu Unstimmigkeiten zwischen dem Kreml und der Notenbank gekommen. Maxim Oreschkin, der Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin, hatte kritisiert, dass die Hauptursache für die Schwächung des Rubel und die Beschleunigung der Inflation die lockere Geldpolitik sei.

Der Kreml wolle einen starken Rubel sehen und erwarte eine baldige Normalisierung. Die Notenbank hatte indes die Ansicht vertreten, Zinsschritte hätten keinen direkten Einfluss auf den Wechselkurs. Der Vizechef der Zentralbank, Alexej Sabotkin, erklärte dazu, die wachsende Nachfrage nach Importen gepaart mit der gedämpften Exportentwicklung setzten den Rubel unter Druck.

Russland: Schwacher Rubel macht Einkäufe teurer

Schon jetzt spüren die Russinnen und Russen die Auswirkungen des schwachen Rubel, weil sich dadurch auch die Importe von Konsumgütern verteuern. Zudem können russische Firmen wegen der westlichen Sanktionen die nötigen Produkte nicht mehr so leicht beschaffen und sind auf sogenannte Parallel-Importe angewiesen – also Einfuhren über ein anderes Land.

„Die Preise in den Geschäften gehen nach oben und wir müssen unsere Ausgaben anpassen“, sagt der frühere Unternehmer Igor Inkin der Nachrichtenagentur AFP. Er ist 63 Jahre alt und mittlerweile im Ruhestand, verzichtet auf Desserts und andere kleine Freuden des Lebens. Auch bei den Jüngeren klingt das nicht anders. Dmitri Bobrow, 19 Jahre alt und selbstständig im IT-Bereich tätig, hat Mühe, die nötigen Teile für seine Arbeit zu beschaffen. „Grafikkarten, Prozessoren … die Preise sind deutlich gestiegen.“

Fjodor Tichonow, 37 Jahre alt und in der Filmindustrie tätig, merkt das auch beim Einkauf ganz alltäglicher Dinge. Früher konnte er für 1.000 Rubel ein Abendessen für seine Familie einkaufen. „Heute kostet das 2.000 Rubel“, sagt er, während er ein Lebensmittelgeschäft verlässt. Moskau müsse dringend über die Sanktionen „verhandeln“, sagt er.

Anzeichen für die Sorgen der Russinnen und Russen war auch ein Ansturm auf ihre Ersparnisse: Wegen der Wagner-Unruhen zogen sie zwischen dem 23. und dem 25. Juni eine Milliarde Rubel (fast 9,4 Millionen Euro) ab, das war rund fünfmal so viel wie der normale Durchschnitt von drei Tagen.

Putin stützt russische Wirtschaft mit massiven Staatsausgaben

Die russische Führung sieht in den Sanktionen und der Abwanderung westlicher Firmen dagegen eine historische Chance für eine Stärkung der inländischen Unternehmen, für Produkte „Made in Russia“ und die Schaffung neuer Jobs im Land. Gerade stützt Putin die eigene Wirtschaft mit massiven Staatsausgaben – auch für den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Damit konnte er die Industrieproduktion befeuern. Zudem gab es höhere Löhne und eine Ausweitung der Sozialleistungen, vor allem für Rentenbeziehende und Geringverdienende.

Die Maßnahmen scheinen auch einigen Erfolg zu bringen: Russlands Wirtschaft ist nun im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um 4,9 Prozent gewachsen. Es ist das erste Wirtschaftswachstum des Landes seit einem Jahr. Trotzdem ist die russische Wirtschaft immer noch schwächer als vor Beginn der Offensive im Februar 2022. Mit der Leitzinserhöhung konnte zudem der Verfall der Währung zunächst gestoppt werden.

Trotzdem dürften die Maßnahmen eher nur kurzfristig wirken. Analystinnen und Analysten sind sich jedenfalls weitgehend einig, dass die Zinserhöhung keine dauerhaften Auswirkungen haben dürfte. „Solange der Krieg andauert, wird es für Russland, die russische Wirtschaft und den Rubel nur noch schlimmer“, sagte Timothy Ash von Bluebay Asset Management. Eine Erhöhung der Leitzinsen sei keine durchgreifende Lösung. Dadurch könne zwar vorübergehend das Tempo der Abwertung des Rubels verringert werden. Doch gehe dies voraussichtlich auf Kosten des Wirtschaftswachstums.

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Mit Material von Reuters, AFP und dpa

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