VonLisa Mayerhoferschließen
Der Augsburger Panzerzulieferer Renk ist am Mittwoch erfolgreich an die Börse gegangen. Bei den Aktien haben vor allem Rüstungskonzerne zugeschlagen - es geht um Kontrolle.
Frankfurt – Es war ein langer Anlauf, doch nun feiert der Augsburger Rüstungszulieferer Renk mit Erfolg sein Börsendebüt: Auf der Kurstafel der ganz in die Firmen-Farbe orange getauchten Frankfurter Börse leuchteten am Mittwoch kurz nach Handelsbeginn 17,50 Euro als erster Kurs auf, bejubelt von den Investmentbankern auf dem Parkett. Das waren 17 Prozent mehr als der Ausgabepreis von 15 Euro.
Später schraubten die Papiere des 150 Jahre alten Traditionskonzerns sich bis auf 18,99 Euro. „Das Vertrauen unserer Investoren und die Megatrends Zeitenwende und Energiewende geben uns zusätzlichen Rückenwind“, sagte Vorstandschefin Susanne Wiegand. Die Renk-Großgetriebe kommen in Panzern zum Einsatz, die im Zuge der weltweiten Aufrüstung – der sogenannten Zeitenwende – eine Sonderkonjunktur erleben, aber auch bei Schiffsmotoren und Generatoren zur Energieerzeugung.
Panzer-Zulieferer Renk: Zweiter Anlauf für Börsengang
„Das ist das perfekte Ergebnis für das Unternehmen und für die Investoren“, sagte einer der beteiligten Banker. Dabei war es für Renk der zweite Anlauf. Im Oktober hatte das Unternehmen seinen Börsengang in letzter Minute abblasen müssen, weil viele Investoren kalte Füße bekamen. Die Nachfrage – vor allem von langfristig orientierten Investoren – habe nun aber deutlich das Emissionvolumen übertroffen, erklärte Heiko Leopold von der Deutschen Bank, der den Börsengang mitorganisiert hatte. Es habe sich gelohnt, den Kontakt zu den potenziellen Zeichnern gehalten zu haben, sagte ein anderer Banker. „Die Kursentwicklung zeigt, dass jetzt die Stimmung deutlich besser ist.“
Renk wird zum ersten Kurs mit 1,75 Milliarden Euro bewertet. Für das Unternehmen ist es eine Rückkehr an den Aktienmarkt. Der Finanzinvestor Triton hatte die ehemalige MAN-Tochter Renk erst vor gut drei Jahren dem Volkswagen-Konzern abgekauft und von der Börse genommen. Unter der Ägide von Triton gelang mit einem Zukauf auch der Sprung auf den US-Markt. „Der heutige Schritt auf das Börsenparkett unterstreicht die erfolgreiche Entwicklung, die Renk in den vergangenen Jahren bewiesen hat“, sagte Triton-Manager Claus von Hermann, der dem Aufsichtsrat von Renk vorsitzt.
Renk an der Börse: Vor allem Rüstungsunternehmen schlagen zu
Triton platzierte binnen zwei Tagen 33,3 Millionen Renk-Aktien für 500 Millionen Euro bei institutionellen Investoren und reduzierte damit seine Beteiligung auf 66,6 Prozent. Die Emission wurde wegen der hohen Nachfrage in letzter Minute noch um 50 Millionen Euro aufgestockt. Aktien für 100 Millionen Euro zeichnete allein der „Leopard 2“-Panzerhersteller KNDS (KMW+ Nexter Defense Systems). Der Großkunde hält nun 6,7 Prozent an Renk.
Der US-Vermögensverwalter Wellington, einer der größten Rüstungs-Investoren weltweit, steckte 50 Millionen Euro in Renk-Aktien. Deutsche Fondsgesellschaften schreckten wegen ihrer strengen ESG-Richtlinien noch immer vor Rüstungswerten zurück, sagte ein Banker. „Aber Deutschland muss mehr in Verteidigung investieren, und die stets skeptischen deutschen Anleger denken jetzt schon mehr darüber nach.“
Rüstungsindustrie rückt zusammen: Es geht um Kontrolle
Die Renk-Beteiligungen zeigen aber jetzt schon: Die Rüstungsindustrie rückt enger zusammen. Viel investiert hat vor allem Renks Großkunde und Leopard-Hersteller KNDS, der zu einem späteren Zeitpunkt seine Aktien sogar auf bis zu 25 Prozent aufstocken könnte, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Die 100 Millionen Euro Investition in den Zulieferer erklärt ein Sprecher so: „Wir wollen dafür sorgen, dass Renk unabhängig bleibt.“ Das Unternehmen sei einer der wichtigsten Zulieferer von KNDS. Es geht also um Kontrolle.
Der Ukraine-Krieg und die Auseinandersetzungen mit Russland haben viele Unternehmen wie Politiker wachgerüttelt. Da spielt es eine große Rolle, wer in den für die Rüstungsindustrie wichtigen Unternehmen die Finger im Spiel hat. Noch im vergangenen November forderte Renk-Chefin Wiegand laut Süddeutscher Zeitung, dass in Deutschland „mittel- und langfristig industriepolitisch gedacht werden“ müsse. Es gehe um eine „leistungsfähige Industrie“, daher müsse man „die Souveränität Deutschlands sichern“ und dürfe sich „nicht in Abhängigkeiten begeben, die nicht unbedingt nötig“ seien.
Mit Material von Reuters
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