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Wachsende Steuern und stagnierende Einnahmen belasten die russische Wirtschaft. Analysten erwarten für 2026 kaum Wachstum, während die Kriegsausgaben hoch bleiben.
Moskau – Nach Jahren schneller Expansion verliert Russlands Wirtschaft an Schwung. Das Ende des kriegsbedingten Wachstums, sinkende Ölpreise und anhaltende westliche Sanktionen lassen für 2026 eine Phase der Stagnation erwarten. Die Jahre 2023 und 2024 waren von außergewöhnlich hohem Wachstum geprägt, unterstützt durch starke Staatsausgaben und eine kriegsbedingte Produktionsverlagerung. 2025 markierte laut der Moscow Times das Ende dieser Phase: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte nur noch um rund 1 Prozent wachsen, für 2026 werden ähnliche Werte prognostiziert.
Putins Wirtschaft schwankt – Russlands Kriegsboom lässt nach
Die staatlichen Ausgaben nehmen demnach nur leicht zu: von rund 42 Billionen Rubel im Jahr 2025 auf etwa 44 Billionen Rubel 2026. Das entspricht einem Anstieg von ungefähr 440 auf 470 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt bleibt die Wirkung auf die Wirtschaft begrenzt. Mit Zinsen von rund 16 Prozent zur Inflationsbekämpfung verharrt die Wirtschaft nahe der Stagnation. Das Institut für Wirtschaftsvorhersagen der Russischen Akademie der Wissenschaften prognostiziert 0,7 Prozent Wachstum für 2025 und 1,4 Prozent für 2026, der Internationale Währungsfonds 0,6 Prozent und 1 Prozent.
Putin erhöht Mehrwertsteuer im Ukraine-Krieg
Erstmals seit der Pandemie liegen die Staatseinnahmen 2025 unter dem ursprünglichen Plan: Statt 40,3 Billionen Rubel werden nur etwa 36,6 Billionen Rubel erwartet. Schuld daran sind laut des Berichts ein schwächeres Wachstum, fallende Ölpreise und die anhaltenden westlichen Sanktionen. Die Einnahmen aus Öl und Gas sinken von geplanten 10,9 Billionen Rubel auf 8,7 Billionen Rubel. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang erwartet: Ein globales Überangebot könnte den Brentpreis von durchschnittlich 68 Dollar (2025) auf rund 60 Dollar je Barrel drücken.
Zur Kompensation erhöht die Regierung ab Januar 2026 die Mehrwertsteuer von 20 Prozent auf 22 Prozent und senkt die Umsatzgrenze für Unternehmen, die Mehrwertsteuer zahlen müssen, von 60 Millionen auf 10 Millionen Rubel. Außerdem ist eine Abgabe auf Elektronikprodukte geplant. Im Jahr 2026 sollen mit dieser Maßnahme rund 1,187 Billionen Rubel (rund 13 Milliarden Euro) in die Staatskasse fließen.
Russische Kriegsausgaben bleiben hoch
Die militärischen Anforderungen bleiben unverändert hoch. Offiziell waren 13,5 Billionen Rubel für 2025 und 12,93 Billionen Rubel für 2026 eingeplant. Verteidigungsausgaben könnten 7,3 Prozent des BIP erreichen, was 15,86 Billionen Rubel entspricht.
Die anhaltend hohen Ausgaben für den Ukraine-Krieg wirken zunehmend als Bremse für die Wirtschaft. Mittel, die in den militärischen Bereich fließen, fehlen im zivilen Sektor, wo sowohl Produktion als auch Investitionen nur schwach vorankommen und die Inflation ein Risiko bleibt. (Verwendete Quellen: The Moscow Times, dpa)
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