Europäische Sanktionen

Nach Billionen Verlusten: Russischer Staatskonzern will Ölkomplex verkaufen

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Gazprom verkauft den größten Petrochemie-Komplex Russlands. Der Verkauf soll Milliardenverluste ausgleichen. Der Verkauf soll noch 2025 abgeschlossen werden.

St. Petersburg – Der russische Energiekonzern Gazprom will seinen größten petrochemischen Komplex verkaufen. Der Verkauf soll helfen, die enormen Verluste durch wegbrechende Gasexporte nach Europa auszugleichen. Die Transaktion zeigt, wie stark die westlichen Sanktionen Russlands Energiesektor treffen.

Laut der russischen Zeitung Izvestia plant Gazprom den Verkauf des petrochemischen Komplexes Gazprom Neftekhim Salavat in der Republik Baschkirien. Quellen aus beiden Unternehmen bestätigten der Zeitung, dass die Transaktion bis Ende 2025 abgeschlossen werden soll. Die Kaufsumme liegt zwischen 250 und 270 Milliarden Rubel – umgerechnet etwa 2,5 bis 2,7 Milliarden Euro.

Milliardenschwere Transaktion bis Jahresende geplant: Gasexporte nach Europa brechen massiv ein

Käufer soll die Roskhim-Holding sein. Doch weder Gazprom noch Roskhim kommentierten die Berichte. Der Verkauf steht im direkten Zusammenhang mit Gazproms schwieriger Finanzlage. Gazproms Nettoverlust überstieg Ende 2024 eine Billion Rubel – das schlechteste Ergebnis seit 25 Jahren. In den ersten neun Monaten 2025 summierte sich der Verlust bereits auf 170,3 Milliarden Rubel. Wie The Moscow Times berichtete, verlor der Konzern nach dem russischen Angriff auf die Ukraine seine wichtigsten europäischen Kunden. Von Januar bis Oktober 2025 lieferte Gazprom nur noch 14,7 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa – 45 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 26,6 Milliarden Kubikmetern.

Der petrochemische Komplex Gazprom Neftekhim Salavat gilt dabei als einer der wichtigsten Industriestandorte Russlands. 2024 stieg der Umsatz noch auf 302,8 Milliarden Rubel – 14 Prozent mehr als 2023. Gleichzeitig sank der Gewinn aber um das Siebenfache auf nur noch 4,4 Milliarden Rubel. Der Komplex erwirtschaftete etwa fünf Prozent von Gazproms Gesamtumsatz.

Während Gazprom als Staatskonzern unter den Sanktionen leidet, nutzen private Unternehmen wie Roskhim die Gelegenheit für günstige Übernahmen.

Gazprom Neftekhim Salavat: Wichtiger Industriestandort steht zum Verkauf

Das 1948 gegründete Unternehmen produziert über 150 verschiedene Produkte aus Erdöl und Erdgas. Dazu gehören Kraftstoffe wie Benzin und Diesel, aber auch Kunststoffe, Düngemittel und andere Chemikalien. Die Roskhim-Holding wurde erst 2021 gegründet und hieß ursprünglich „Russian Hydrogen“. Das Unternehmen stellt verschiedene Chemikalien her, darunter Titandioxid, Eisensulfat und Schwefelsäure.

Roskhim gehört vollständig dem Investmentfonds „Kvinta“, dessen Eigentümer nicht bekannt sind. Branchenkenner bringen das Unternehmen mit dem Milliardär Arkady Rotenberg in Verbindung, einem engen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin. Ein Roskhim nahestehender Informant sagte gegenüber Izvestia, die Gruppe wolle „Branchenführer in Schlüsselbereichen“ werden. Für Roskhim biete der Kauf die Chance, deutlich zu wachsen und neue Märkte zu erschließen. (ls)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS

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