Projekt pausiert

Russlands Wirtschaft von Krise erschüttert - Branche spart bei Mitteln: „Große Herausforderungen“

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Mehrere Zweige der russischen Wirtschaft stehen unter Druck. Ein bedeutender Metallproduzent sieht sich durch die prekäre Lage zu Kürzungen gezwungen.

Moskau – Die russische Wirtschaftslage trifft einen Branchenführer hart: Die Vereinigte Metallurgische Gesellschaft (OMK) will laut Medienberichten Investitionsprojekte einstellen, bis sich die Situation stabilisiert hat. Das teilte die Pressestelle von OMK der russischen Nachrichtenagentur Interfax mit. Betroffen ist ein Projekt für den Bau einer Produktionslage für nahtlose Rohre in Almetjewsk.

Russlands Wirtschaftsbranchen müssen einsparen – und pausieren Projekte

„Die russische Metallindustrie steht aufgrund von Exportbeschränkungen, des hohen Leitzinses und der damit einhergehenden wirtschaftlichen Abkühlung vor großen Herausforderungen“, erklärte das Unternehmen. Der Druck chinesischer Produzenten verschärfe diese Situation zusätzlich, so die Pressestelle. „OMK muss daher die Erfüllung seiner Verpflichtungen, insbesondere der sozialen, sicherstellen und seine Ressourcen auf die Instandhaltung und den Ausbau der bestehenden Produktionsanlagen konzentrieren.“

Diverse Branchen der russischen Wirtschaft sind am Kämpfen.

Russische Wirtschaft kämpft ums Überleben – Unternehmen schlagen Alarm

Das Werk in Almetjewsk gehört seit 2002 zu OMK. Es produziert laut Interfax elektrisch geschweißte Rohre mit kleinem und mittlerem Durchmesser. Im Sommer 2024 gab OMK Pläne für neue Produktionsanlagen für nahtlose Stahlrohre in Tatarstan bekannt. Im selben Jahr übernahm das Unternehmen eine weitere Produktionslage von rund 50.000 Tonnen Kapazität in Betrieb.

OMK rechnet langfristig mit besseren Aussichten. Sollte es zur Entspannung in den entsprechenden Märkten, vor allem in der Öl- und Gasindustrie sowie im Baugewerbe, kommen, könnte die Nachfrage nach Rohrprodukten wieder steigen. Zudem hofft das Unternehmen auf eine Senkung der Zinssätze. Diese liegen derzeit sehr hoch und belasten etliche Firmen finanziell, weil die russische Zentralbank im Kampf gegen die Inflation die Leitzinsen wiederholt anheben musste. Inzwischen liegen sie bei 16,5 Prozent. Die hohen Leitzinsen erschweren es russischen Firmen, in Projekte zu investieren und für neue Vorhaben Kredite aufzunehmen.

Signal aus Russlands Wirtschaft? Etliche Firmen und Branchen schrauben Investitionen zurück

Unter den wirtschaftlichen Bedingungen leidet nicht nur die Metallbranche. Sberbank-Präsident Herman Gref sprach von einem branchenübergreifenden Problem, weil alle Firmen ihre Investitionen zurückfahren. „Die Unternehmen haben den Investitionszyklus gestoppt“, wird Gref im Sommer 2025 von der Moscow Times zitiert. Die Sberbank habe seit Januar 2025 erstmals seit Langem kein einziges neues Investitionsprojekt finanziert.

Diese Entwicklung belegen laut der Zeitung Vedemosti auch Zahlen aus der Wirtschaft. Wie das Stolypin-Institut für Wachstumsökonomie in einem Bericht (September 2025) schreibt, rechnen Experten mit einem Rückgang der Investitionen um 733 Milliarden Rubel für das Jahr 2025 im Vergleich zu 2024. Gründe seien neben dem hohen Leitzins und steigenden Kreditkosten der Fachkräftemangel, die hohe Inflation und eine strategische Neuausrichtung der russischen Firmen. Top-Manager der Firmen hätten Investitionskürzungen angekündigt, darunter die Russische Eisenbahn, Gazprom, Norilsk Nickel, MTS, T-Plus, Cherkizovo, Rusal und Severstal.

Russische Firmen ächzen unter der Wirtschaftskrise – und kürzen Arbeitszeiten

Hinzu kommt, dass immer mehr Firmen ihrer Belegschaft die Arbeitsstunden kürzen wollen. Die russische Eisenbahn mit 700.000 Mitarbeitern hat Beschäftigte dazu aufgefordert, zusätzlich zu den normalen Feiertagen und arbeitsfreien Tagen drei weitere Tage pro Monat auf eigene Kosten freizunehmen. Das teilten zwei Quellen gegenüber Reuters mit.

Das Gorki-Automobilwerk (GAZ), ein führender Hersteller von Transportern mit mindestens 20.000 Mitarbeitern, führte im August die 4-Tage-Woche ein, ebenso wie der Lkw-Hersteller Kamaz mit rund 30.000 Mitarbeitern. (Quellen: Reuters, Moscow Times, Interfax, Vedemosti (bohy))

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