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Putin brockt wichtiger Branche Verluste ein: Russlands Wirtschaft in der „Sackgasse“

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Die russischen Autobauer leiden unter der kriselnden Wirtschaftslage. Nach einer kurzen Erholung befindet sich die Autobranche im freien Fall. Prognosen fallen pessimistischer aus, als zuvor.

Moskau – Die Zukunft der russischen Autoindustrie sieht aus mehreren Gründen düster aus. Sanktionen, Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und die russische Kriegswirtschaft brocken der Branche massive Verluste ein. Ein Abwärtstrend könnte sich fortsetzen – die Firmen bangen um die sinkende Nachfrage und um weitere Produktionseinbrüche.

Krise in Russlands Wirtschaft: Autoindustrie fährt Verluste ein

Die Autoverkäufe hatten sich seit Ende 2022 stetig erholt, doch der Markt rutschte in diesem Jahr aufgrund hoher Inflation, steigender Zinsen und Abwrackprämien in eine starke Krise. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht das Ausmaß. Von Januar bis Juli 2025 gingen die Verkäufe laut Daten von Autostat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23,9 Prozent auf 651.029 Einheiten zurück. Im Juli 2025 verlangsamte sich der Rückgang der Autoverkäufe in Russland und die Verkäufe sanken um 11,4 Prozent.

Daten des russischen Föderalen staatlichen Statistikdienstes (Rosstat) legen zudem nahe, dass die russische Automobilproduktion in den ersten neun Monaten 2025 um 20 Prozent gesunken ist. Damit fiel das Produktionsniveau auf den Stand von 2022. Der Abwärtstrend beschleunigte sich im Jahr 2025 zunehmend, die Produktion sank im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent, im zweiten um 23 Prozent und im dritten um 26,7 Prozent.

Russlands Autobranche verkauft weniger – große Firma muss auf Vier-Tage-Woche umstellen und drosselt Produktion

Der größte Automobilhersteller Russlands, Avtovaz, schlug zuletzt mehrfach Alarm, weil Umsatz und die Produktion deutlich eingebrochen waren. So hatte Avtovaz laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax in den ersten acht Monaten des Jahres 2025 Verkaufseinbußen um 24,9 Prozent hinnehmen müssen. Im April 2025 teilte der Vorstandsvorsitzende Maxim Sokolov mit, dass der Automobilhersteller für den Monat einen Rückgang der russischen Lada-Wagen um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwarte. Es drohe sogar auf dem Gesamtmarkt ein Nachfragerückgang von 50 Prozent.

EU erhöht Druck auf Putin – und greift erstmals bei russischen Milliarden zu

Mitte September schraubte Sokolov die Lada-Produktionspläne für das Jahr 2025 auf 300.000 Einheiten runter. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch geplant, bis 2025 500.000 Fahrzeuge zu produzieren, passte seine Pläne jedoch aufgrund der Marktschwäche an. Das Unternehmen kündigte als Maßnahme zudem eine Vier-Tage-Woche an, voraussichtlich für die nächsten sechs Monate ab Ende September. Sollte sich die Lage des Automobilmarktes wieder verbessern, werde man dieses Modell wieder abschaffen.

Geldpolitik von Putin heizt Inflation an – Branchen der russischen Wirtschaft leiden

Avtovaz und der Lkw-Hersteller Kamaz machen die für Verbraucher und Hersteller unerschwinglich hohen Kreditkosten sowie eine kurzsichtige Importpolitik für die rückläufigen Verkaufszahlen verantwortlich. Die hohen Kreditkosten sind auf die höheren Leitzinsen der russischen Zentralbank zurückzuführen. Die Zentralbank musste wiederholt den Leitzins anheben, um die hartnäckige Inflation zu bekämpfen und befeuerte dadurch die Kreditsätze.

Hohe Zinssätze bedeuten höhere Kredite, die viele Firmen und Verbraucher nicht tilgen können. Der Gesamtwert der vergebenen Autokredite zwischen Januar und September 2025 erreichte laut dem Nationalen Kredithistorienbüro (NBKI) nur 1,03 Billionen Rubel (12,8 Milliarden US-Dollar) – ein Rückgang um 45,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Hohe Produktionskosten belasten die Autoindustrie zunehmend – Forderung nach Staatshilfen

Ende Juli senkte die russische Zentralbank den Zinssatz auf 18 Prozent (Stand Oktober 2025 liegt er bei 16,5 Prozent), also seit langem wieder unter 20 Prozent. Dieser Schritt kommt der Autoindustrie zugute, doch das reicht aus Sicht der Unternehmen nicht. Der Avtovaz-CEO Sokolov forderte den Staat laut Kyivindependent auf, seine Förderprogramme für die Automobilindustrie auszuweiten, insbesondere durch die Wiedereinführung von Subventionen für Familien, die Autos auf Kredit kaufen. Subventionen sind laut russischen Verkäufern entscheidend für den Großteil der Autoverkäufe, da sich sonst die russischen Automarken schwieriger vermarkten lassen.

Auch die teuren Produktionskosten bleiben weiterhin ein Problem. „Es ist eine Sackgasse“, zitiert die Moscow Times einen Unternehmensanalysten. Die Produktion von Autos komplett in Russland sei nach wie vor „unerschwinglich teuer und technisch nicht realisierbar.“

China könnte russischen Automarkt unter Druck setzen – und Russlands Wirtschaft unter Druck setzen

Vor dem Hintergrund einer verhaltenden Nachfrage dämpfen Experten Hoffnung auf eine Erholung in der Autobranche. „Es gibt keine klaren Anzeichen dafür, dass die Kaufkraft der Verbraucher in den nächsten ein bis zwei Jahren steigen wird. Dieses Jahr hat eine nahezu perfekte Sturmkonstellation erlebt“, sagten Marktteilnehmer der Moscow Times.

Da Russland aufgrund der Sanktionen weiterhin abhängig von der Lieferung chinesischer Fahrzeug- und Ersatzteile ist, stellt sich auch die Frage, ob Peking ausnutzen könnte, am längeren Hebel zu sitzen. Russische Händler weigerten sich laut The Insider zunehmend, Autos bestimmter chinesischer Marken zu verkaufen. Im Jahr 2024 entfielen rund 60 Prozent der Neuwagenverkäufe auf chinesische Marken, ihr Importanteil erreichte 77 Prozent. Allerdings sanken die Gesamtverkäufe zwischen Januar und Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent. (Quellen: Mosow Times, Kyivindependent, Interfax, The Insider, Reuters (bohy))

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