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Rekordmengen an Diesel und Kerosin fließen nach Europa. Treiber sind Bedenken wegen des Winters und die Auswirkungen der Strafmaßnahmen gegen Russland.
Moskau – Die EU hat fast 1,9 Millionen Barrel Diesel und Kerosin von Indien, Saudi-Arabien und den USA zwischen dem 1. und 20. Oktober 2025 bezogen. Das geht aus Daten des Analyseunternehmens Kpler hervor. Mit Blick auf Folgen der jüngst verhängten Sanktionen, die das Ölangebot verknappen könnten und auf den kalten Winter, könnten die Importe künftig neue Rekorde erreichen. Experten deuten die Zunahme der EU-Kraftstoffimporte als Vorbereitung auf die anstehenden Einschränkungen für russische Ölausfuhren.
EU schließt mit Putins Öl ab – Importe aus anderen Ländern auf Rekordhöhe
Indische Lieferungen machten vom 1. bis 20. Oktober etwa 362.000 Barrel pro Tag bzw. 20 Prozent der gesamten Rohölimporte in die Europäische Union aus. Setzt sich diese Rate fort, wäre dies das höchste monatliche Volumen aus dem Land seit 2017. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs sind die meisten EU-Mitgliedstaaten auf andere Energiequellen umgestiegen, um die russischen Energieimporte zu ersetzen.
Noch bis August gab es entgegen der Bemühungen mit Russlands Energie abzuschließen eine deutliche Importerhöhung. Sieben EU-Staaten haben laut Reuters ihre Importe russischer Energie im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Bis einschließlich August importierte die EU insgesamt russische Energie im Wert von über elf Milliarden Euro. Die Abhängigkeit von russischen Lieferungen sei aber ingesamt seit 2022 um 90 Prozent gesunken.
Aus für Putins Gas und Öl: Trump legt mit weiteren Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil nach
Der Druck, die Bandbreite an Alternativquellen zu erweitern, wächst nach Verhängung der US-Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft. Präsident Donald Trump hat jeglichen Handel mit den russischen Raffinerien Lukoil und Rosneft untersagt. Die deutsche Rosneft Tochtergesellschaft ist von den Sanktionen laut jüngsten Berichten ausgenommen.
Trumps Sanktionen sind nicht nur ein Einschnitt für Wladimir Putins Kriegseinnahmen. Der Kremlchef stockt seine Kriegskasse mit Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft auf, Rosneft und Lukoil haben mit ihren Ölverkäufen massiv zu dem Energiehandel beigetragen. Rosneft und Lukoil haben bislang besonders treue Ölabnehmer wie Indien und China versorgt.
EU kann nach Trumps Sanktionen weiterhin Öl aus Indien rechnen
Wenn für diese Länder nach den Sanktionen das Energieangebot aus Russland wegfällt, dann wird es auf dem Energiemarkt erneut zu Angebotsänderungen oder möglicherweise zu einem geringeren Angebot kommen, da sich Indien und China auch nach anderen Bezugsquellen umschauen müssen. Möglich wäre es auch, dass Indien und China weniger exportieren könnten, wenn sie eine wichtige Bezugsquelle, wie Russland, verlieren.
Damit könnte die Sorge vor der Versorgungssicherheit wachsen, wenn in den kalten Monaten die Nachfrage nach Diesel und Kerosin steigt. Zudem will die EU ab dem 21. Januar 2026 ein Einfuhrverbot für aus russischem Rohöl gewonnene Raffinerieprodukte geltend machen.
Die EU kann jedoch zumindest bei den indischen Importen vorerst aufatmen. Auch nach den jüngsten US-Sanktionen haben indische Raffinerien laut Fernando Ferreira, Direktor der Rapidan Energy Group, weiterhin Interesse, Europa mit raffinierten Produkten zu beliefern. Einen vollständigen Lieferstopp aus Indien schloss er aus. Trumps Sanktionen würden aber zur Umstrukturierung und „Reduzierung oder Neuordnung der Handelsströme führen.“
Chancen für Ölhändler nach Sanktionen gegen Russland
Für Händler ergeben sich zudem Chancen, umso mehr Öl zu exportieren und auch die Verkaufspreise zu erhöhen. „Wenn sich vor dem Winter Arbitragemöglichkeiten bieten, wird man diese Gelegenheit nutzen und kaufen“, sagte Eugene Lindell , Leiter des Bereichs Raffinerieprodukte beim Beratungsunternehmen FGE NexantECA zu Bloomberg. (Quellen: Bloomberg, Reuters (bohy))
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