- VonMax Schäferschließen
Trotz Russland-Sanktionen und dem Ziel, Putins Kriegswirtschaft zu schaden, importieren EU-Staaten weiterhin Öl und Gas aus Russland. Ein Experte kritisiert die „Selbstsabotage“.
Brüssel – Die Europäische Union arbeitet eigentlich mit allen Mitteln daran, den Handel mit Russland zu begrenzen und dem Regime von Präsident Wladimir Putin damit die Mittel für den Krieg in der Ukraine zu entziehen. Doch gerade im Energiesektor sind die EU-Staaten von Russland abhängig – und sorgen dafür weiterhin für kontinuierliche Einnahmen. Diese tragen laut Fachleuten einen wichtigen Teil zur Finanzierung des Militärs bei.
Trotz der Bemühungen, sich von russischem Öl und Gas unabhängig zu machen und Putin durch Sanktionen zu treffen, zeigt sich nun sogar eine gegenteilige Entwicklung. Sieben EU-Staaten haben ihre Importe russischer Energie im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr sogar noch einmal erhöht. Bis einschließlich August importierte die EU insgesamt russische Energie im Wert von über elf Milliarden Euro, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Immerhin: Seit 2022 sei die Abhängigkeit von russischen Lieferungen um 90 Prozent gesunken.
Russlands Wirtschaft profitiert von Gas-Käufen aus der EU – Experte sieht „Selbstsabotage“
Die zunehmenden Energie-Importe seien „eine Form der Selbstsabotage“ einiger Länder, erklärte Vaibhav Raghunandan, Russland-Experte am Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA), der Nachrichtenagentur. Nach wie vor sei der Verkauf von fossilen Energien die größte Einnahmequelle in Putins Krieg gegen die von der EU unterstützte Ukraine.
Ungarn und die Slowakei sind dabei die europäischen Hauptempfänger von Öl und Gas aus Russland. Gemeinsam geben sie dem Bericht zufolge rund fünf Milliarden Euro für die fossilen Energien aus – und machen damit fast die Hälfte der elf Milliarden Euro aus. Wobei dem Reuters-Bericht zufolge von diesen beiden Spitzenreitern nur Ungarn mehr Öl und Gas gekauft hat. Zudem hätten Frankreich, die Niederlande, Belgien, Kroatien, Rumänien und Portugal ihre Käufe ausgeweitet.
Ungarns Präsident Viktor Orbán hatte Forderungen nach einem Importstopp Anfang Oktober entschieden zurückgewiesen. „Wir entscheiden selbst über unseren Energiemix“, so Orban beim Treffen der EU-Staats- und Regierungsspitzen. Er räumte dabei offen die Abhängigkeit von Russlands Gas ein: „Wir haben keinerlei Alternativen.“ Das Land brauche eine „Hauptpipeline, und die einzige Hauptpipeline kommt aus Russland“, so die Begründung für das Beharren auf die russischen Öllieferungen. „Die Geografie lässt sich nicht ändern, egal welche politischen Forderungen gestellt werden.“
Deutschland kauft Gas aus Russland – und könnte Anteil an Frankreichs Milliarden-Zahlung an Putin haben
Frankreich importierte Energie im Wert von 2,2 Milliarden Euro. Das dortige Energieministerium begründete den Anstieg auf Reuters-Anfrage mit der Rolle des Landes als Transitknotenpunkt. Dieser beliefere andere europäische Länder – auch nach Deutschland. Marktdaten von Kpler deuteten darauf hin, dass auch ein Teil des Gases hierhin weitergeleitet werde.
Dabei hat Deutschland selbst LNG-Terminals an Nord- und Ostsee aufgebaut, um unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. „Wir werden eben nicht mehr fast ausschließlich durch Pipelines versorgt“, sagte Sebastian Gulbis vom Beratungsunternehmen Enervis. Zuvor hatte die Bundesnetzagentur für das dritte Quartal von der größten Einspeisung von Flüssigerdgas berichtet. Demnach seien von Januar bis einschließlich September rund 74 Terawattstunden importiert worden – allein 35 Terawattstunden entfielen auf das dritte Quartal.
Energie-Experte: Unwahrscheinlich, dass russisches LNG über deutsche Terminals importiert wird
Der Experte für Gas-Importe geht dabei jedoch nicht davon aus, dass russisches LNG über die deutschen Terminals kommt. „Es gibt in der EU kein Embargo auf russisches Gas“, sagte Gulbis der Deutschen Presse-Agentur. „Da die Lieferverträge für die deutschen Terminals jedoch erst in den letzten Jahren und Monaten geschlossen wurden und auch Tankerbewegungen darauf keinen Hinweis geben, halte ich es jedoch für unwahrscheinlich.“ (ms/reuters/dpa)
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