Nächster Schlag für die Industrie: Wie Trumps China-Handelskrieg Deutschland schadet
VonSven Hauberg
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Der Handelskonflikt zwischen China und den USA eskaliert weiter. Mit möglicherweise weitreichenden Folgen für die deutsche Industrie, so ein Ökonom. Eine Analyse.
Knapp drei Wochen haben China und die USA noch Zeit, eine Lösung zu finden in der neuesten Runde ihres Handelsstreits. Sollte das nicht gelingen, dann treten wohl spätestens am 1. November US-Zölle auf chinesische Waren in Höhe von 100 Prozent in Kraft – zusätzlich zu bereits bestehenden Zöllen, wohlgemerkt. Das hat Präsident Donald Trump vergangene Woche angekündigt. Es wäre eine massive Belastung für die Weltwirtschaft – und womöglich auch für die gebeutelte deutsche Industrie, wie ein Experte dem Münchner Merkur von Ippen.Media sagt.
Hintergrund ist die Entscheidung der chinesischen Regierung, den Export einiger wichtiger Rohstoffe sowie Verarbeitungstechnologien strenger zu kontrollieren. Peking hat am Donnerstag Ausfuhrkontrollen für fünf weitere Seltene Erden erlassen, betroffen sind damit zwölf der weltweit insgesamt 17 Seltenerdmetalle. China kontrolliert fast den gesamten Weltmarkt dieser Rohstoffe, die für Hightech-Technologie wie Elektromotoren oder Windräder sowie im militärischen Bereich unverzichtbar sind.
Zeitpunkt für neue Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA überrascht
Der Handelsstreit zwischen Peking und Washington schwelt seit Jahren. So beschränken die USA beispielsweise den Export von leistungsfähigen Halbleitern nach China. Peking wiederum hat bereits mehrfach seine Dominanz bei Seltenen Erden als politisches Druckmittel eingesetzt. Der Zeitpunkt für die nun verkündeten Exportkontrollen ist dennoch überraschend, weil Peking und Washington in ihrem Handelsstreit zuletzt wieder aufeinander zugegangen waren und gegenseitige Zölle weitgehend ausgesetzt hatten. Zudem wollte Trump Ende Oktober den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) in Südkorea treffen. Zuletzt wurde zudem im Dauerstreit um die chinesische App TikTok offenbar eine Lösung gefunden.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Statt Entspannung nun also doch neuer Streit und eine eindeutige Machtdemonstration aus Peking – mit potenziell negativen Auswirkungen auch auf Deutschland. Denn sollten die neuen Trump-Zölle wirklich in Kraft treten, würden sich die chinesischen Exporteure wohl andere Märkte für ihre Produkte suchen, die sie in den USA nicht loswerden, prognostiziert Jürgen Matthes vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Er rechne für diesen Fall mit „weiteren erheblichen Umlenkungseffekten“, sagte Matthes unserer Redaktion. „Das wäre eine weitere Belastung für die ohnehin von vielen Seiten unter Druck stehende deutsche Industrie.“
China hat in den vergangenen Jahren seine Produktionskapazitäten in vielen Bereichen massiv ausgebaut, zum Beispiel bei Elektroautos und Solarzellen. Mit hohen staatlichen Subventionen sind teilweise große Überkapazitäten entstanden. Die haben einen Preiskrieg innerhalb Chinas ausgelöst haben – mit teils derart hohen Rabatten, dass Unternehmen kaum noch wirtschaftlich arbeiten können. Gleichzeitig drängen diese Unternehmen auf ausländische Märkte, um ihre Produkte dort loszuwerden.
Tatsächlich sind die chinesischen Exporte zuletzt stark gestiegen. Im September legten die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,3 Prozent zu, wie der chinesische Zoll am Montag mitteilte. Ausfuhren in die USA stiegen sogar um 8,6 Prozent, obwohl die USA aktuell Einfuhrzölle auf chinesische Produkte in Höhe von 30 Prozent erheben. Insgesamt wuchs der chinesische Außenhandel, also die Summe der Exporte und Importe, in den ersten neun Monaten 2025 um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das starke Wachstum im September zeige die Fähigkeit der chinesischen Exporteure, mit den US-Zöllen fertigzuwerden, sagte die Analystin Zichun Huang von Capital Economics der Nachrichtenagentur AFP.
Handelsstreit zwischen China und den USA: „Das Risiko einer weiteren Eskalation ist gestiegen“
China erklärte zwar, Ausfuhrkontrollen seien nicht gleichbedeutend mit Ausfuhrverboten. Allerdings würden Anträge für die Nutzung Seltener Erden für militärische Zwecke künftig automatisch abgelehnt. So sollen „der Weltfrieden und die regionale Stabilität“ besser gewahrt werden, hieß es aus dem Handelsministerium in Peking. Vor allem dieser Punkt erzürnt die USA. Trump kündigte deshalb Einschränkungen beim Export „kritischer Software“ sowie von Flugzeugteilen nach China an. Der US-Präsident gab sich allerdings auch versöhnlich – auf seine sehr eigene Art. „Keine Sorge, China. Alles wird gut“, schrieb Trump am Sonntag in seinem Online-Sprachrohr Truth Social. „Die USA wollen China helfen, nicht wehtun.“
„Es ist zu hoffen, dass der verbale Schlagabtausch mit Drohungen zwischen den USA und China nur das dramatische Vorgeplänkel vor einem Treffen zwischen Trump und Xi ist“, sagt IW-Experte Matthes unter Bezug auf die mögliche Begegnung der beiden Präsidenten in Südkorea, die bislang weder abgesagt noch bestätigt wurde. „Aber das Risiko einer weiteren Eskalation ist zweifellos gestiegen.“ (Quellen: Eigene Recherche, Einschätzung Jürgen Matthes, chinesisches Handelsministerium, AFP, Truth Social)