Dabei kostet der Ukraine-Krieg die russischen Staatskassen eine Menge Geld, das durch den Verkauf von Erdöl, Gas und anderen Energieträgern bislang zuverlässig eingenommen werden konnte. In dieser für die russische Kriegswirtschaft prekären Zeit, stellt sich jetzt noch ein weiteres, massives Problem ein. Wie die Financial Times berichtete, verliert Russland mit Brasilien womöglich einen seiner wichtigsten Diesel-Abnehmer.
BRICS-Staat distanziert sich von Russland – Westliche Sanktionen sorgen für massiven Druck
Bislang hatte das südamerikanische Land massiv von günstigen russischen Ölprodukten und Diesel profitiert. Mit den jüngsten US-Sanktionen gegen zwei der größten russischen Ölproduzenten Lukoil und Rosneft, scheint der Druck auf Brasilien aber zu steigen. „Wenn ich ein brasilianisches Unternehmen wäre, müsste ich mir den Import von russischem Diesel sehr gut überlegen, denn Trump könnte das im Grunde nutzen, um Brasilien zu bestrafen“, wird Jeremy Paner, ehemaliger US-Sanktionsbeamter, von der FinancialTimes zitiert.
Bislang hätten westliche Sanktionen die Einsparungen, die Brasilien durch den Import von russischem Kraftstoff eingespart hatte, nicht übertroffen. Dies sei nun anders, zumal die USA durch eine weitere Kooperation Brasiliens mit Moskau einen Grund haben könnte, Maßnahmen gegen die Wirtschaft des Landes zu ergreifen.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Entsprechend seien die Käufe bereits massiv zurückgegangen. „Die Importe von russischem Dieselkraftstoff haben in den letzten Monaten bereits an Dynamik verloren und sind hauptsächlich Importen aus den USA und Indien sowie einigen Lieferungen aus Saudi-Arabien und Oman gewichen“, sagte Rodrigo Jacob, Analyst bei der Forschungs- und Beratungsgruppe Wood Mackenzie, der Financial Times. Durch die Sanktionen sei der Betrieb von Schattenflotten, die russische Produkte vorbei an westlichen Strafmaßnahmen etwa nach Brasilien liefern, deutlich teurer geworden. Auch die inländische Nachfrage habe die russischen Exporte zurückgehen lassen. Im Oktober sei der Anteil russischer Dieselimporte in Brasilien so von 60 auf 17 Prozent gesunken.
Zoff in der BRICS-Gruppe? Russlands wichtiger Handelspartner weicht zurück
Dabei wollte Brasilien noch im Sommer gemeinsam mit seinen Partnern in der sogenannten BRICS-Gruppe, Gegenmaßnahmen für die US-Zölle suchen. „Ich werde versuchen, mit den Präsidenten darüber zu diskutieren, wo jeder einzelne in dieser Situation steht und welche Auswirkungen dies auf jedes Land hat, damit wir eine Entscheidung treffen können“, zitierte das Handelsblatt den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva im August. Zur BRICS-Gruppe gehören neben Russland auch Indien und China.
Trump habe dies bereits als Provokation und „Angriff auf den Dollar“ gewertet. „Im Grunde ist das eine Gruppe von Ländern, die gegen die USA sind“, so Trump. Das war noch vor den verschärften US-Sanktionen gegen Russland im Ukraine-Krieg. Womöglich könnte die neuste Eskalationsstufe dafür gesorgt haben, dass die BRICS-Staaten vorsichtiger geworden sind und Russland mehr und mehr den Rücken kehren.
Putins Kriegswirtschaft gerät ins Stocken – Schienenverkehr zeigt verheerenden Abschwung
Wie dramatisch es mittlerweile um Russlands Wirtschaft steht, will das russische Exilmedium The Insider mit einem Blick auf die Eisenbahnstatistik des Landes beweisen. So sei das Transportvolumen um beinahe sieben Prozent eingebrochen. Das entspreche einem Transportgewicht von rund 60 Millionen Tonnen – oder 600.000 leere Wagons. Sollte der Trend, der sich seit Beginn des Jahres bis September gezeigt habe, anhalten, drohe das niedrigste Transportvolumen seit 22 Jahren. Den Tiefstwert, der 2009 während der Finanzkrise erreicht wurde, habe Russland durch den anhaltenden Ukraine-Krieg bereits erreicht.
Die Transporte mit der Eisenbahn stammen laut The Insider meist aus den Bereichen Kohle, Öl und Erdölprodukte, verschiedene Erze, Baustoffe, Düngemittel und Metalle. Das Medium zitiert dazu den russischen Ökonomen Sergej Aleksashenko: „Wirtschaftlich gesehen spricht man bei dem, was in der russischen Industrie geschieht, von einem ‚Frontalzusammenbruch‘.“ (Quellen: Financial Times, Handelsblatt, The Insider) (nhi)