VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Noch im November greifen Sanktionen gegen wichtige russische Ölkonzerne in Kraft. Die wiederum suchen Auswege. Der Konflikt erreicht Russlands Elite.
Moskau – Das Öl-Imperium des Kremls hat Risse. Einerseits liegt das an einer tendenziell immer höheren Ölfördermenge des Ölkartells Opec+, andererseits an einer ukrainischen Drohnenkampagne, die wieder und wieder russische Raffinerien lahmlegt. Neue Sanktionen von US-Präsident Donald Trump haben die Situation weiter verschärft. Die wichtigen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft, die zusammen rund die Hälfte der russischen Kapazität ausmachen, stecken in größeren Schwierigkeiten – was sich direkt auf einen der reichsten Oligarchen Russlands auswirken könnte.
Nach Investment in Öl-Riese – Russland-Oligarch verdient trotz Sanktionen Milliarden
Konkret geht es um den Öl-Milliardär Vagit Alekperow, der lange Jahre Vorstand des Öl-Titanen Lukoil war. Nachdem ihn Großbritannien und Australien im Jahr 2022 als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine mit Sanktionen belegt hatten, hat der Milliardär den Rückzug angetreten. Am 21. April desselben Jahres gab Lukoil den Rücktritt Alekperows als Präsident und Vorstandsmitglied bekannt.
Trotz Rücktritt und Sanktionen gehört Alekperow zu den reichsten Bürgern des Landes. Forbes schreibt ihm ein Vermögen über 28,7 Milliarden US-Dollar zu (Stand 11. November 2025), wobei sich ein Teil aus seinem Investment in Lukoil ergibt. Lukoil selbst teilte mit, dass Alekperow kurz vor seinem Rücktritt noch 3,12 Prozent aller Anteile in PJSC Lukoil gehört hatten.
Hier wird es ein wenig seltsam, denn die britische Regierung gab vor der Sanktionierung an, sein Anteil habe über acht Prozent gelegen. Business Insider berichtete wiederum, dass Alekperow noch 2024 für einen Anteil von 28 Prozent an Lukoils Aktien eine Dividendenauszahlung von rund 2,4 Milliarden US-Dollar von Lukoil erhalten hätte – eine Zahl, die Forbes ebenfalls nannte.
US-Sanktionen treffen Lukoil – Situation „schlimmer als für Rosneft“
Egal, wie dieser Anteil in der Größenordnung aussieht: Sollten die neuen Sanktionen schwerere Auswirkungen auf die beiden Ölkonzerne haben, würde Alekperow aus einem Verfall von Lukoil durch die Aktienentwicklung einen größeren Schaden haben als bei Rosneft. Problematisch daran ist, dass Ökonomen schon jetzt davon ausgehen, dass Lukoil heftiger getroffen wird. „Für Lukoil ist die Situation schlimmer als für Rosneft“, zitierte Business Insider dazu Michail Krutichin von Rus Energy, einer Moskauer Energieberatungsfirma.
Rosneft könne viel mehr Öl über Pipelines und mit Langfristverträgen nach China liefern, wohingegen Lukoil überwiegend per Schiff sein Öl verschickt. Darüber hinaus habe Lukoil eine massiv größere geschäftliche Präsenz im Ausland. Lukoil besitzt sowohl eine Vielzahl von Raffinerien innerhalb Europas, beispielsweise in Bulgarien oder den Niederlanden, als auch tausende Tankstellen. In Zentralasien stehen wichtige Produktionsanlagen, in Kasachstan hält Lukoil fünf Prozent am riesigen Tengiz-Ölfeld.
Besonders ergiebig ist die Beteiligung am Ölprojekt West Qurna 2 in südlichen Irak. Hier hält Lukoil 75 Prozent – pro Tag fördert das Öprojekt fast eine halbe Million Barrel (ein Barrel sind 159 Liter).
Lukoil ringt um Verkäufe – Putins Öl-Titan steckt in Schwächephase
Stand 11. November 2025 bröckelt das Lukoil-Imperium rund um den Globus. In Bulgarien hat die Regierung ein Gesetz auf den Weg gebracht, das im Grunde eine russische Lukoil-Raffinerie enteignet. Im Irak hat sich die Regierung zu Wort gemeldet und klargemacht, dass sie wegen der Sanktionen nicht länger mit dem russischen Mega-Konzern zusammenarbeiten könne. Unter Berufung auf höhere Gewalt habe Lukoil dem irakischen Staatskonzern SOMO mitgeteilt, sie könne die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht mehr erbringen.
Insgesamt sollen sich die Lukoil-Assets überall auf der Welt auf einen Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar belaufen. Das berichtete CNN. Der Ölkonzern soll bereits versucht haben, seine internationalen Assets an den Ölhändler Gunvor mit Sitz in der Schweiz zu verkaufen, aber hier hatte sich das US-Finanzministerium eingemischt und die Vergabe einer notwendigen Lizenz verweigert.
„Solange (der russische Präsident Wladimir) Putin das sinnlose Töten fortsetzt, wird die russische Marionette Gunvor niemals eine Lizenz zur Arbeitsaufnahme und Profitgenerierung erhalten“, schrieb das US-Finanzministerium im sozialen Netzwerk X. Sowohl Lukoil als auch Rosneft hatten schon im Spätsommer drastische Gewinneinbrüche berichtet, die sich angeblich aus einem generell niedrigen Ölpreis ergeben hatten. Eine ukrainische Drohnenkampagne zerstört derzeit gezielt russische Öl-Infrastruktur und hat eine beispiellose Treibstoff-Krise ausgelöst.
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