Wallbox-Ärger

Elektroauto-Fahrer von SWM-Verhalten frustriert – nun gibt es eine positive Wendung

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Die SWM locken mit „zukunftssicheren Ladestationen“ für München, doch die Realität ist nicht ganz so einfach: über die Wallbox-Strapazen eines Elektroauto-Nutzers.

Update vom 11. Februar: Nach unserer Berichterstattung gibt es eine positive Wende. Bereits im Frühjahr sollen nach Angaben der Stadtwerke die passenden Stromleitungen verlegt werden, so dass einer Wallbox-Integration in der Tiefgarage der besagten Wohnanlage in München-Oberföhring nichts mehr im Wege steht.

Laut Christian S. bahnt sich also ein „Happy-End“ an, so dass bald Elektroautos mit Strom versorgt werden können. Eine eigene Eigentümerversammlung ist für diesen Vorgang offenbar nicht mehr nötig. Zudem sei auch seitens der zuständigen Hausverwaltung mittlerweile mehr Tempo festzustellen, führt S. aus. Über die Herausforderungen bei Ladestationen für die private Nutzung klärten uns kürzlich auch die SWM auf.

Wallbox-Installation in Tiefgaragen kann ein schwieriges Unterfangen werden

Ursprungsartikel vom 2. Januar 2025: München - Infrastruktur, Sicherheit, Genehmigungen und nicht zuletzt die Kosten: Die Bereitstellung einer Wallbox zum Laden von Elektroautos ist mit mehreren Herausforderungen verbunden.

Ein Fall aus München zeigt, welche Hürden einem Umstieg von Verbrenner- auf Elektromobilität im Wege stehen – und das vermutlich auch häufig tun. Christian S. kämpft bereits seit mehreren Jahren um die Möglichkeit, in einer Münchner Tiefgarage Strom laden zu können. Die Zögerlichkeit der Stadtwerke München (SWM) machen dieses Vorhaben jedoch zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit.

Elektroauto laden: SWM-Angebot für Wallboxen mutiert zur Hängepartie

„Wir fahren seit einiger Zeit ein E-Auto in München und wollten uns eine Wallbox in die Tiefgarage installieren“, erläutert uns der Betroffene. Zunächst wurde das Unterfangen über mehrere Jahre abgelehnt, dann jedoch im Juli 2022 bei einer Eigentümerversammlung der Wohngemeinschaft im Nordosten der Stadt an die Tagesordnung gesetzt. Für dieses Ziel hatte sich eine Interessengemeinschaft aus mehreren (potenziellen) Elektroauto-Fahrern gefunden.

Infrastrukturielle Probleme bremsen vielerorts die E-Mobilität aus - so auch in München.

Schließlich wurde beschlossen, ein vermeintlich attraktives Angebot der SWM zu nutzen: Es beinhaltet die Vermarktung und Errichtung von Wallboxen in einer Sammeltiefgarage mit über 100 Stellplätzen. Ein Vertragsabschluss zwischen der Eigentümergemeinschaft und der SWM Versorgungs-GmbH war die Folge (liegt unserer Redaktion vor). „Deren Mietmodell erschien uns, auch hinsichtlich der so wenig bzw. im Alltag dann aktiv werden müssenden Hausverwaltung, sinnvoll“, erläutert der 57-Jährige.

Wallboxen für Münchner Tiefgaragen: Droht Vereinbarung mit SWM zu platzen?

Das Problem: Die Vereinbarung will die SWM mangels Wirtschaftlichkeit offenbar nicht mehr einhalten. „Als wir im Herbst 2023 endlich die Möglichkeit hatten, basierend auf dem bestehenden Rahmenvertrag Einzel-Endkunden-Mietverträge abzuschließen, waren von den elf Interessenten nur noch zwei übriggeblieben“, erinnert sich S.

Manche hätten sich entgegen ursprünglicher Pläne für ein Verbrenner-Modell entschieden, andere einen Ladeplatz in der Nähe gefunden. Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen und die Stadtwerke München sind ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen. Als „Schlag ins Gesicht für alle E-Auto-Fahrer“ bezeichnet uns S. seine Erfahrung.

Müssen sich die SWM als kommunaler Träger nicht an Verträge halten? Für die Elektromobilität ergibt sich so eine weitere Hürde, nachdem die Antriebsgattung in Deutschland ohnehin stagniert.

Zu wenig Ladepunkte für E-Autos: SWM passen Vertragsklausel an

Zwei Endkunden-Verträge waren die Bedingung – so steht es im Rahmenvertrag unter 4.1, den die Eigentümergemeinschaft mit der SWM abgeschlossen hatte. Im Herbst 2023 bestätigte ein Projektleiter der SWM dies laut Christian S. nochmals schriftlich. „Als Eigentümer einer Wohnung versuche ich seit mehr als sieben (!) Jahren, eine Lademöglichkeit in unserer Tiefgarage zu bekommen. Bisher vergeblich“, schildert der Medienmanager angesichts der zähen Hängepartie.

Kürzlich informierte die SWM nämlich, dass im Nachhinein einseitig die Vertragskonditionen geändert wurden und man erst ab fünf Endkunden-Verträgen tätig wird. Die gibt es jedoch in der Wohnanlage in München-Oberföhring bislang offenbar nicht (mehr).

Der mit den SWM geschlossene Vertrag beinhaltet die Klausel, dass mindestens zwei Ladepunkte für die Bereitstellung von Strom in Betrieb gehen.

Ladepunkte in Tiefgaragen: „Falsche Signale beim Kampf für E-Mobilität“

Dabei ergab ein Ortstermin mit mehreren Experten – darunter der SWM – im Sommer 2024, dass die Rahmenbedingungen für die Installation einer Wallbox in der Tiefgarage günstig sind: Nichtduplex-Stellplätze, eine nahe Lage zu den Elektroräumen mit freien Zählerplätzen und eine realistische Umsetzbarkeit innerhalb von drei Monaten könnten den Plan vorantreiben.

Christian S. will den Stadtwerken nicht die alleinige Schuld zuschieben, jedoch ist er frustriert über deren Verhalten: „Es ist völlig inakzeptabel, dass sich ein kommunaler Energieversorger nicht an bestehende Verträge hält. (...) Solch eine neue Firmenpolitik selbst in wirtschaftlich engen Zeiten setzt genau die falschen Signale bei unserem täglichen Kampf für die E-Mobilität und verhindert so deren Akzeptanz.“

E-Auto-Fahrer wartet vergeblich auf Wallbox – Stadtwerke erklären Verzögerung

S. wendete sich in seiner Verzweiflung mit einem Brief an das Referat für Klimaschutz und Umwelt der Stadt München (Leiterin Christine Kugler sitzt im SWM-Aufsichtsrat) und die Münchner Grünen-Fraktion. Von dort habe es bislang jedoch keine Antwort gegeben, erklärt S. Auch einen Anwalt hat der Elektroauto-Fahrer mittlerweile eingeschaltet.

Wir haben die SWM um Stellungnahme gebeten. Was sagt der städtische Energieversorger zu seiner Verteidigung? Die Stadtwerke bestätigen, dass in dem geschlossenen Gestattungsvertrag Ladepunkte errichtet werden, sobald gültige Mietverträge für mindestens zwei Ladepunkte existieren. „Von einer Nichteinhaltung kann keine Rede sein. Da von ursprünglich elf Interessenten nur zwei einen Mietvertrag abgeschlossen haben, musste das Projekt zwischenzeitlich umpriorisiert werden, was die Realisierung verzögert, aber nicht verhindert hat.“ Zwar wurde die Klausel mittlerweile auf fünf Endkunden angepasst, das betreffe jedoch nicht die Liegenschaft von Christian S.

Neun Mikro-Elektroautos, die perfekt für die Stadt sind

Opel Rocks-e
Opel Rocks-e: Mancher dürfte sich fragen, ob das überhaupt noch ein vollwertiges Auto ist. Gesetzlich ist er es wie alle Kleinstwagen nicht. Wer ihn fahren will, benötigt lediglich die Führerscheinklasse AM. Somit kann er schon ab 15 Jahren bewegt werden. Der Elektromotor leistet 8 PS und beschleunigt den Mini-Stromer auf 45 km/h. Mehr geht nicht. Die 5,5-kWh-Batterie reicht für eine Reichweite von 75 Kilometern. Danach muss der 2,41 Meter lange Opel Rocks-e für rund vier Stunden an die Steckdose. Kostenpunkt: rund 8.000 Euro © Opel
Renault Twizzy
Renault Twizy: Der kleine Franzose ist so etwas wie der Opa unter den Mikro-Elektroautos. Schon seit 2012 ist der Twizy in der Modellpalette von Renault zu finden. Mit 2,34 ist er etwas größer als Rocks-e und Ami. Statt nebeneinander nehmen die zwei Insassen hintereinander Platz. Seitenscheiben gibt es nur als Zubehör. Preislich geht es ab 11.450 Euro los. Wie die größere Version fahren will, benötigt jedoch einen richtigen Führerschein. Die Reichweite gibt Renault mit 90-100 Kilometern an. © Renault
City Transformer CT1
City Transformer CT1: Auch in Israel hat man die Mikro-Elektroautos für sich entdeckt. Der CT1 vom Start-up City Transformer macht seinem Namen dabei alle Ehre. Denn die Spurweite des Mini-Stromers lässt sich anpassen. Angetrieben wird er von zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Das Start-up verspricht bis zu 180 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Wer den CT1 vorbestellt, zahlt 13.000 Euro, später soll er dann 16.000 Euro kosten. © City Transformer
Das Elektroauto e.GO Life
e.Go Life: Mit seinen 3,3 Metern ist der e.Go Life im Vergleich zu den andren Mini-Stromern fast schon ein Riese. Der 77 PS starke Elektromotor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. In der Stadt soll er bis zu 206 km weit kommen. Kombiniert liegt die Reichweite bei 139 Kilometern. Wegen der Insolvenz von e.Go im Sommer 2020 wurde der Life zeitweise nicht gebaut. Dasd Geschäft wurde aber von der Next.E.Go Mobile SE übernommen. Mit dem e.wave X steht auch schon ein Life-Nachfolger bereit. © Marius Becker/dpa
Microlino 2.0.
Microlino 2.0: Von 1955 bis 1962 baute BMW das Leichtfahrzeug Isetta. Bis heute ist der Kleinstwagen Kult und feiert nun sein Comeback. Zumindest ähnelt der Microlino 2.0 der Isetta sehr. Angeboten wird der Mikro-Stromer in drei Batterieversionen mit 95, 175 und 230 km Reichweite. Der 20 PS starke Elektromotor beschleunigt das nur 450 Kilogramm schwere Mobil auf 90n km/h. Mit 14.990 Euro ist der Microlino jedoch nicht grade billig. © Arnulf Hettrich/Imago
Elaris Pio
Elaris Pio: Mit 2,81 Meter Länge bleibt dieser Elektro-Zwerg noch unter der Drei-Meter-Marke. In diesem Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Mikro-Auto und Pkw. In Sachen Antrieb befindet sich der Pio jedoch bei den Mikro-Stromern. Grade einmal 49 PS leistet der Elektromotor. Der Akku kommt auf 27 kWh und reicht für 225 Kilometer. Preislich liegt der Pio bei 21.900 Euro. © Elaris
FreZE Nikob EV
FreZE Nikob EV: In China ist der Elektro-Zwerg unter dem Namen Wuling Hongguang Mini EV bereits sehr erfolgreich. Damit das auch in Europa der Fall ist, brauchte es neben einem neuen Namen auch mehr Sicherheit und Energieeffizienz. Heißt: ESP, Airbags, neue Räder und eine LED-Beleuchtung. Angeboten wird das Nikob EV mit einer 13,8-kWh-LFP-Zelle mit 200 km Reichweite. Kosten soll das kleine Elektroauto 16.000 Euro. © Wulling
Elektrofrosch Bob Four
Elektrofrosch Bob Four: So ganz weiß man ja nicht, was dieses Gefährt sein möchte. Offiziell handelt es sich bei dem Elektrofrosch Bob Four um einen Kabinenroller. Entsprechend ist bei 45 km/h Schluss. Rund 100 Kilometer soll der Elektrofrosch kommen und das für grade einmal 8.990 Euro. Neben dem Bob Four hat Elektrofrosch noch weitere Mikromobile im Angebot.  © Elektrofrosch
Ari 802
ARI 802: Mit 2,22 fällt der Ari 802 sehr klein aus. Mit 643 Kilogram ist er zudem auch noch sehr leicht. Daher reichen 10 PS auch um den Kleinstwagen auf Tempo 80 zu bringen. In den Versionen 252 und 452 sind nur 25 beziehungsweise 45 km/h drin. Die Reichweite gibt Ari mit 120 bis 250 Kilometern an. Preislich schlägt der Ari 802 mit 10.990 Euro zu Buche.  © Ari

SWM-Angebot für Wallboxen: Die langsamen Mühlen der Bürokratie

Vielmehr liege der Ball seit geraumer Zeit bei der zuständigen Hausverwaltung: „Im Dezember 2023 haben zwei Anwohner jeweils einen Mietvertrag mit den SWM abgeschlossen, woraufhin Vor-Ort-Termine zur technischen Planung stattgefunden haben. Zusätzlich wurde die Hausverwaltung darauf hingewiesen, dass entschieden werden muss, ob für die Ladepunkte ein bestehender Netzanschluss genutzt oder ein neuer gelegt werden soll. Dazu haben die SWM – trotz mehrfacher Nachfrage des zuständigen Kundenberaters – noch keine Rückmeldung erhalten“, führen die SWM in einer Stellungnahme aus. Bevor dies geschehen ist, könne die Umsetzung nicht stattfinden.

Mittlerweile hat sich auch die zuständige Immobilienverwaltung zu dem Fall geäußert: Demnach liegt offenbar auch noch ein Kommunikationsproblem vor: „Die Beauftragung kann erst erfolgen, wenn der entsprechende Beschluss seitens der Eigentümergemeinschaft erfolgt“, lautet die Stellungnahme. Und dieser kann erst auf der für das erste Halbjahr 2025 anberaumten Versammlung vollzogen werden. Demnach wird sich Christian S. noch mehrere Monate gedulden müssen, bis die Wallboxen in der besagten Tiefgarage Einzug erhalten. (PF)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago

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