Ordnungswidrigkeiten

Verkehrssünder an Ladestationen: Überraschende E-Auto-Statistik in deutscher Großstadt

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Wenn man vermutet, dass Ladepunkte für Elektroautos blockiert werden, denkt man an Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Düsseldorf kommt zu einer anderen Erkenntnis.

Düsseldorf/München – Wenn Stellplätze mit Ladesäulen fremdgenutzt werden ohne Strom zu tanken, ist das ärgerlich. Denn diese Flächen sind ausschließlich Elektroautos vorbehalten.

Allerdings stellen öffentliche Ladestationen auch für die Infrastruktur eine große Herausforderung dar, besonders in urbanen Gegenden sind Parkplätze oft heiß begehrt. Für Verbrennermodelle herrscht dahingehend auf E-Auto-Ladeflächen ein Parkverbot.

Ladeplätze für Elektroautos: Erstaunliche Bilanz in Düsseldorf

Das Ordnungsamt Düsseldorf kam diesbezüglich kürzlich zu einer erstaunlichen Erkenntnis, nachdem etliche Verstöße festgestellt wurden. Mehrheitlich wurden Stellplätze für E-Autos nämlich nicht von Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor belegt, sondern von Stromern und das zu Unrecht:

Wie die Stadt mitteilt, wurden seitens Ordnungsamt bei einer Verkehrsüberwachung kürzlich 194 Verstöße festgestellt, wovon jedoch lediglich 50 durch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor begangen wurden.

Parkvergehen an Ladesäulen: Mehr Elektroautos als Verbrenner

Drei Viertel der Parkvergehen an den Ladesäulen entfielen dagegen auf Stromer. „Überwiegend wurde die notwendige Parkscheibe nicht ausgelegt. Der geringere Anteil erhielt eine Verwarnung wegen fehlender Ladetätigkeit“, schreibt die Düsseldorfer Verwaltung in einer Mitteilung.

Elektroauto-Tankstelle in Düsseldorf: Das Ordnungsamt erwischt unentwegt Fahrzeuge, die gesetzeswidrig an den Ladesäulen parken.

Für einige davon wird es teuer: Von den 14 Autos, die aufgrund des Blockierens von Ladesäulen abgeschleppt wurden, seien sechs Verbrennermodelle und acht Elektroautos gewesen. Im November werden laut der NRW-Metropole weiter Kontrollen stattfinden, um die „ordnungsgemäße Nutzung von Ladesäulen“ zu gewährleisten.

Parken an Ladestationen für E-Autos: Das bedeuten die Schilder

Außerdem verweist die Stadt Düsseldorf auf die bestehende Regelung und was die entsprechenden Hinweisschilder an den Ladestationen für Elektroautos bedeuten:

Die meisten Stellflächen an Ladesäulen seien mit dem Verkehrszeichen 314 (blaues „P“) ausgeschildert und erlaubten das Parken für E-Fahrzeuge nur während des Ladevorgangs für maximal eine bzw. vier Stunden, so das Ordnungsamt.

Nur noch wenige Ladeeinrichtungen für E-Autos seien mit dem Verkehrszeichen 283 (absolutes Halteverbot) beschildert, was das Parken nur für Stromer bei Ladevorgängen erlaubt. In beiden Fällen ist das Parken jedoch nur zum Laden erlaubt, lautet der weitere Hinweis und dass dies lediglich auf Modelle mit dem „E“ im Kennzeichen zutrifft.

Wesentlich mehr Ladepunkte als Elektroautos

Vor wenigen Wochen erklärte der Stromlobbyverband BDEW, dass der Ausbau der E-Ladestationen in Deutschland deutlich vorankommt, jedoch auf eine schwache Belegung trifft. In den ersten sechs Monaten 2024 seien 16.063 öffentliche Ladepunkte hinzugekommen, auf insgesamt 134.226 Ladepunkte, so der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft.

Die Infrastruktur für E-Autos wird ausgebaut - ein Großteil der Lademöglichkeiten kommt jedoch auf eine schwache Belegung

Problematisch ist dem Verband zufolge die niedrige Belegung der Ladesäulen: Im bundesweiten Durchschnitt seien nur 14,5 Prozent zeitgleich belegt, mit sinkender Tendenz. „Die Branche baut trotz der geringen Belegung ambitioniert weiter aus“, betonte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, Kerstin Andreae.

Die Unternehmen investierten in den Ausbau von Ladesäulen im Vertrauen auf das Ziel der Bundesregierung, im Jahr 2030 bereits 15 Millionen BEV-Modelle im Markt zu haben und die vorhandenen regulatorischen Rahmenbedingungen, die für eine Umsetzung dieses Ziels sorgen.

Laut Bundeskartellamt besteht kaum Wettbewerb bei Ladesäulen in Deutschland

Im Oktober hatte das Bundeskartellamt mehr Wettbewerb bei öffentlich zugänglichen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge gefordert. Dieser „funktioniert bei der Versorgung mit Ladestrom vielerorts nicht richtig“, erklärte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt. Zahlreiche Städte und Kommunen hätten geeignete öffentliche Flächen für Ladesäulen überwiegend oder sogar ausschließlich an das eigene kommunale Stadtwerk oder einzelne Anbieter vergeben.

Dadurch gebe es in vielen lokalen Märkten nur sehr wenige Anbieter von Ladesäulen und Strom, wodurch Kunden kaum Auswahl hätten. Die Gefahr höherer Preise steige, weil marktmächtige Anbieter keine Konkurrenz befürchten müssten. (PF mit Material von Reuters)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Gstettenbauer

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