Stolpersteine für E-Mobilität

Wallbox in der Tiefgarage – Münchens langwieriger Weg zur E-Mobilität

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Viele Münchner möchten ihr Elektroauto in der Tiefgarage laden, doch die Umsetzung dauert oft ewig. Die Stadtwerke München nennen Gründe für den Wallbox-Ärger.

München – Elektromobilität wird langsam aber sicher massentauglich, doch für viele Interessenten bleibt eine große Hürde: die fehlende Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern.

Die Stadtwerke München (SWM) bieten mit ihrer „M-Ladelösung“ ein Konzept zur Elektrifizierung gemeinschaftlicher Stellplätze an. Doch die Umsetzung und Errichtung einer Wallbox dauert häufig länger als erhofft. Viele Interessierte äußern Unmut über Verzögerungen – die SWM erklären, warum es oft nicht schneller geht.

Wallbox in der Tiefgarage: SWM über „komplexe Gebäuden“ und weitere Hürden

Die Stadtwerke betonen, dass jedes Objekt individuell betrachtet werden muss. „Grundsätzlich ist vor Beginn jedes Projekts eine ausführliche Prüfung der jeweiligen Liegenschaft notwendig“, erklärt ein Sprecher der SWM gegenüber IPPEN.MEDIA. Gerade in älteren Gebäuden fehlen oft detaillierte Unterlagen zu Leitungswegen oder Netzanschlüssen, was eine gründlichere Analyse erfordert. Es handelt sich um „komplexe Gebäude“ und die Vielfältigkeit der Bauarten bringe eine Vielzahl von Hürden mit sich.

Ein weiteres Problem: Der Platz für die Basisinstallation einer Ladeinfrastruktur ist nicht immer einfach zu finden: Manchmal müssen Wanddurchbrüche geschaffen oder neue Kabelwege verlegt werden. Besonders herausfordernd wird es, wenn der vorhandene Netzanschluss nicht genügend Leistung bietet. „In solchen Fällen ist eine Entscheidung seitens der Hausverwaltung bzw. Gebäudeeigentümerversammlung erforderlich“, so die SWM weiter. Da diese Versammlungen oft nur einmal jährlich stattfinden, kann es bis zu einer Lösung also lange dauern.

Ladestation in einer Tiefgarage – für Elektroauto-Anhänger im Jahr 2025 keine Selbstverständlichkeit.

Stadtwerke München und die Wallbox-Installation – „wenn mal der Wurm drin ist...“

Telefonisch erklärt uns ein SWM-Sprecher, dass die Projekte oft komplizierter sind als zunächst angenommen. „Wenn mal der Wurm drin ist, geht er so schnell nicht mehr weg“, sagt er mit einem Augenzwinkern: Mal seien es statische Herausforderungen, mal fehle die notwendige Netzkapazität, mal verzögerten Abstimmungen mit Eigentümern den Prozess. Die Stadtwerke München verstehen den Frust vieler Kunden, bitten aber um Geduld – schließlich soll jede Lösung nachhaltig und zukunftssicher sein.

Ob die Immobilie in München oder im ländlichen Raum liegt, spielt laut den SWM für die grundsätzlichen Herausforderungen keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr die Komplexität des jeweiligen Gebäudes, wo die Wallbox installiert werden soll. Dennoch könnte die dichte Bebauung in städtischen Gebieten zusätzliche Hürden mit sich bringen, insbesondere bei der Planung von Netzanschlüssen oder Platzverhältnissen.

Ladestellen der Stadtwerke München: Ausbau schreitet voran, Geduld ist gefragt

Trotz aller Herausforderungen wächst das Ladeangebot in München kontinuierlich. Laut der Münchner Stadtwerke gibt es bereits rund 3600 Ladepunkte im gewerblichen und privaten Bereich sowie etwa 1400 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Der Ausbau geht weiter – doch bis jede Tiefgarage in München mit einer Wallbox ausgestattet ist, wird es noch eine ganze Weile dauern.

Neun Mikro-Elektroautos, die perfekt für die Stadt sind

Opel Rocks-e
Opel Rocks-e: Mancher dürfte sich fragen, ob das überhaupt noch ein vollwertiges Auto ist. Gesetzlich ist er es wie alle Kleinstwagen nicht. Wer ihn fahren will, benötigt lediglich die Führerscheinklasse AM. Somit kann er schon ab 15 Jahren bewegt werden. Der Elektromotor leistet 8 PS und beschleunigt den Mini-Stromer auf 45 km/h. Mehr geht nicht. Die 5,5-kWh-Batterie reicht für eine Reichweite von 75 Kilometern. Danach muss der 2,41 Meter lange Opel Rocks-e für rund vier Stunden an die Steckdose. Kostenpunkt: rund 8.000 Euro © Opel
Renault Twizzy
Renault Twizy: Der kleine Franzose ist so etwas wie der Opa unter den Mikro-Elektroautos. Schon seit 2012 ist der Twizy in der Modellpalette von Renault zu finden. Mit 2,34 ist er etwas größer als Rocks-e und Ami. Statt nebeneinander nehmen die zwei Insassen hintereinander Platz. Seitenscheiben gibt es nur als Zubehör. Preislich geht es ab 11.450 Euro los. Wie die größere Version fahren will, benötigt jedoch einen richtigen Führerschein. Die Reichweite gibt Renault mit 90-100 Kilometern an. © Renault
City Transformer CT1
City Transformer CT1: Auch in Israel hat man die Mikro-Elektroautos für sich entdeckt. Der CT1 vom Start-up City Transformer macht seinem Namen dabei alle Ehre. Denn die Spurweite des Mini-Stromers lässt sich anpassen. Angetrieben wird er von zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Das Start-up verspricht bis zu 180 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Wer den CT1 vorbestellt, zahlt 13.000 Euro, später soll er dann 16.000 Euro kosten. © City Transformer
Das Elektroauto e.GO Life
e.Go Life: Mit seinen 3,3 Metern ist der e.Go Life im Vergleich zu den andren Mini-Stromern fast schon ein Riese. Der 77 PS starke Elektromotor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. In der Stadt soll er bis zu 206 km weit kommen. Kombiniert liegt die Reichweite bei 139 Kilometern. Wegen der Insolvenz von e.Go im Sommer 2020 wurde der Life zeitweise nicht gebaut. Dasd Geschäft wurde aber von der Next.E.Go Mobile SE übernommen. Mit dem e.wave X steht auch schon ein Life-Nachfolger bereit. © Marius Becker/dpa
Microlino 2.0.
Microlino 2.0: Von 1955 bis 1962 baute BMW das Leichtfahrzeug Isetta. Bis heute ist der Kleinstwagen Kult und feiert nun sein Comeback. Zumindest ähnelt der Microlino 2.0 der Isetta sehr. Angeboten wird der Mikro-Stromer in drei Batterieversionen mit 95, 175 und 230 km Reichweite. Der 20 PS starke Elektromotor beschleunigt das nur 450 Kilogramm schwere Mobil auf 90n km/h. Mit 14.990 Euro ist der Microlino jedoch nicht grade billig. © Arnulf Hettrich/Imago
Elaris Pio
Elaris Pio: Mit 2,81 Meter Länge bleibt dieser Elektro-Zwerg noch unter der Drei-Meter-Marke. In diesem Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Mikro-Auto und Pkw. In Sachen Antrieb befindet sich der Pio jedoch bei den Mikro-Stromern. Grade einmal 49 PS leistet der Elektromotor. Der Akku kommt auf 27 kWh und reicht für 225 Kilometer. Preislich liegt der Pio bei 21.900 Euro. © Elaris
FreZE Nikob EV
FreZE Nikob EV: In China ist der Elektro-Zwerg unter dem Namen Wuling Hongguang Mini EV bereits sehr erfolgreich. Damit das auch in Europa der Fall ist, brauchte es neben einem neuen Namen auch mehr Sicherheit und Energieeffizienz. Heißt: ESP, Airbags, neue Räder und eine LED-Beleuchtung. Angeboten wird das Nikob EV mit einer 13,8-kWh-LFP-Zelle mit 200 km Reichweite. Kosten soll das kleine Elektroauto 16.000 Euro. © Wulling
Elektrofrosch Bob Four
Elektrofrosch Bob Four: So ganz weiß man ja nicht, was dieses Gefährt sein möchte. Offiziell handelt es sich bei dem Elektrofrosch Bob Four um einen Kabinenroller. Entsprechend ist bei 45 km/h Schluss. Rund 100 Kilometer soll der Elektrofrosch kommen und das für grade einmal 8.990 Euro. Neben dem Bob Four hat Elektrofrosch noch weitere Mikromobile im Angebot.  © Elektrofrosch
Ari 802
ARI 802: Mit 2,22 fällt der Ari 802 sehr klein aus. Mit 643 Kilogram ist er zudem auch noch sehr leicht. Daher reichen 10 PS auch um den Kleinstwagen auf Tempo 80 zu bringen. In den Versionen 252 und 452 sind nur 25 beziehungsweise 45 km/h drin. Die Reichweite gibt Ari mit 120 bis 250 Kilometern an. Preislich schlägt der Ari 802 mit 10.990 Euro zu Buche.  © Ari

Private Wallboxen sind ein wichtiger Faktor für die E-Mobilität: Studien zeigen, dass ein Großteil der Ladevorgänge zuhause oder am Arbeitsplatz erfolgt. Der Ausbau der Infrastruktur ist daher essenziell, um die Energiewende voranzutreiben. Wer über eine Wallbox in der eigenen Tiefgarage nachdenkt, sollte frühzeitig mit der Hausverwaltung und den Stadtwerken in Kontakt treten – und Geduld mitbringen. (PF)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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