VonArmin T. Linderschließen
Ein Schuh-Riese macht nach der zweiten Insolvenz diverse Filialen dicht. Nun wurden „Wir schließen“-Schilder an weiteren entdeckt.
Update vom 19. April 2025: Schuh-Riese Görtz befindet sich in Schieflage, hat zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet (siehe Erstmeldung unten). Die Folge sind diverse Filialschließungen, sogar der sechsstöckige Flagship-Store in Hamburg macht dicht. Inzwischen wurden zwei weitere Geschäfte bekannt, in denen Schluss ist.
Wie die Leipziger Volkszeitung schreibt, blieben Anfang der Osterwoche beide Pop-up-Stores in der Peterstraße in Leipzig zu. „Wir schließen“, war demnach an der Boutique für Damenschuhe genauso zu lesen wie am Herrenladen nebenan. Dabei hatte in Leipzig zum 1. September 2024 schon das große Görtz-Haus mit seinen vier Etagen in der Peterstraße 32/34 zugemacht, die kleinen Läden waren die abgespeckten Nachfolger.
Die beiden Pop-up-Stores wurden nicht von Görtz-Retail betrieben, sondern von der Sneak Avenue GmbH. Deren Vertreter Maximilian von Forstner machte den Leipzigern via LVZ aber Hoffnung, dass es bald zu einer Rückkehr der Marke Görtz in der Stadt kommen könnte. „Wir glauben weiterhin an den Standort Leipzig und sind bereits seit einiger Zeit in Verhandlungen zu einer neuen Fläche.“ Dort sollen dann auch die Menschen aus den Popup-Stores arbeiten.
Schuh-Riese schließt Filialen nach Insolvenz, sogar Filetstück – Räumungsverkauf läuft
Erstmeldung vom 11. April 2025: Hamburg - Der Schuh-Riese Görtz befindet sich schon länger in Schieflage. Erst vor knapp zwei Jahren ist das Traditionsunternehmen vom Investor Bolko Kissling gerettet worden. Diesen Januar erfolgte die neuerliche Insolvenz: Das Amtsgericht Hamburg habe am 20. Januar für die Görtz Retail GmbH ein Insolvenzverfahren angeordnet, hieß es damals beim Portal Insolvenzbekanntmachungen.
Schuh-Kette Görtz schließt mehrere Filialen nach Insolvenz
Seitdem blieben Filialschließungen nicht aus: Die Häuser in Kassel und Kempten wurden laut Textilwirtschaft Ende Februar geschlossen und an die Vermieter übergeben. Jetzt folgt dem Bericht zufolge die nächste Welle: Das Geschäft in Darmstadt (Hessen) wird Mitte April geschlossen. Das im Hamburger Alstertal Einkaufszentrum wurde bereits zum 1. April an den Vermieter übergeben, so der Schuhkurier.
Nach Insolvenz: Görtz schließt sogar sechsstöckigen Flagship-Store in Hamburg
Besonders hart: Auch ein absolutes Filetstück von Görtz trifft es – das Hamburger Stammhaus in der Spitalerstraße. Der vorläufige Insolvenzverwalter Gideon Böhm bestätigt gegenüber Textilwirtschaft und Schuhkurier, dass sich kein Interessent im Investorenprozess gemeldet habe. Ende April ist die große Görtz-Filiale also Geschichte.
„Das Objekt ist mit mehr als 5.000 qm verteilt auf sechs Stockwerke im Vergleich zu den übrigen Görtz-Filialen rund sechsmal größer“, so Böhm zum Schuhkurier. „Wir kennen die Zukunftspläne der Vermieterin für das Objekt nicht und möchten es ihr ermöglichen, eine eigene Planung zu beginnen.“ Die Dimension habe eine Übernahme erschwert, heißt es bei shoez.biz.
Was wird aus den restlichen Görtz-Filialen? Investorenprozess läuft weiter
Betroffen sind wohl 65 Personen, die dort bisher gearbeitet haben. „Ohne diese großartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre es gar nicht möglich, den Flagship-Store zu betreiben“, wird Böhm bei Textilwirtschaft zitiert. Ob auch noch weitere Görtz-Geschäfte dichtmachen müssen? Das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Der Investorenprozess für weitere Standorte laufe weiter, so Böhms Sprecher.
Im Flagship-Store von Görtz in der Spitalerstraße läuft laut Schuhkurier und Hamburger Abendblatt der Räumungsverkauf, und zwar wohl seit längerem. Im Schaufenster sind „-50%“ und „-70%“ zu lesen. Betroffen sind nicht nur Schuhe: Laut Fashion United ist Görtz in dem Store in der Hamburger Innenstadt seit 2023 mit einem neuen Konzept unterwegs, 40 Prozent des Sortiments bestehen aus Bekleidung.
Görtz: Erstes Insolvenzverfahren im Juli 2023
Erst im Juli 2023 war das erste Insolvenzverfahren der Ludwig Görtz GmbH mit ihren beiden Tochterfirmen Görtz Retail GmbH und Görtz Logistik GmbH beendet worden. Damals war der Investor Bolko Kissling in das 1875 gegründete Hamburger Traditionsunternehmen eingestiegen.
Zu Beginn des ersten Insolvenzverfahrens im September 2022 hatten die Ludwig Görtz GmbH und ihre Töchter noch rund 1.800 Beschäftigte. Damals betrieb das Unternehmen rund 160 Filialen in Deutschland und Österreich. In der Folge musste das Unternehmen zahlreiche Standorte schließen. Auch eine Mode-Kette ist insolvent und schließt Filialen. (lin)
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