- VonNicola de Paolischließen
Die Zahl der Brauereien in Deutschland sinkt - erstmals seit Jahrzehnten. Steigende Kosten und Konsumflaute setzen Traditionshäusern und Craft-Bier-Pionieren zu.
München – Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist weiter rückläufig. In den vergangenen fünf Jahren ist ihre Zahl um fast einhundert Betriebe auf 1.459 gesunken, teilte der Deutsche Brauer-Bund (DBB) unter Berufung auf vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamts mit. Damit geht ein Trend zu Ende, der vor allem von Craft-Bier und der damit verbundenen Gründerwelle geprägt war.
Rückgang trifft viele Traditionshäuser
Der Rückgang trifft viele Traditionshäuser: „Bei den Betriebsaufgaben sehen wir etwa gleich viele Gründer wie alte Familienbetriebe“, sagt DBB-Präsident Christian Weber. Zudem seien Gründungen, die die Lücken füllen könnten, inzwischen sehr viel seltener geworden. „Existenzgründern fehlt – wie der ganzen Wirtschaft – die Planungssicherheit.“
Besonders stark ist der Rückgang in Bayern, wo 50 Braustätten weniger existieren. Dennoch hat Bayern mit 598 Brauereien weiterhin die meisten im Land. Der Rückgang von acht Prozent ist jedoch höher als der bundesweite Durchschnitt von sechs Prozent. Nordrhein-Westfalen verzeichnet 24 Brauereien weniger, während Hessen einen Rückgang von 14 Brauereien aufweist. Aufgrund der geringeren Gesamtzahl an Brauereien sind die prozentualen Rückgänge in diesen Bundesländern mit 15 und 16 Prozent jedoch deutlich höher.
Zahlreiche Ursachen tragen zum Negativ-Trend bei
Weber zählt eine ganze Liste von Ursachen für die negative Entwicklung auf: „Erst kam die Corona-, dann die Energiepreiskrise. Da ist gerade bei kleineren Betrieben oft viel Kapital abgeflossen. Jetzt kommt noch die allgemeine Konsumzurückhaltung hinzu. Gegenüber den großen Lebensmittelkonzernen können Brauereien die Preise, die sie eigentlich bräuchten, kaum durchsetzen. Das ergibt für manche Betriebe dann eine Falle, aus der sie nicht mehr herauskommen“, sagt er. „Irgendwann ist die Kapitaldecke so dünn geworden und die Reserven aufgebraucht, dass eine Entscheidung fallen muss. Auch wenn das bedeutet, nach drei, vier oder sogar sieben Generationen aufzugeben, was natürlich besonders weh tut.“
Branche steht vor hohen Investitionskosten in Sachen Klima und Energie
Dazu kommt, dass bei vielen Brauereien in den kommenden Jahren und Jahrzehnten große Investitionen anstehen, um bis spätestens 2045 klimaneutral zu werden. „Wer eine Brauerei von Gas auf Strom umstellt, muss die Anlagen zu 80 Prozent neu bauen, wobei manche der benötigten neuen Technologien noch gar nicht entwickelt sind“, sagt Weber. „Dieser Aspekt spielt für viele Betriebe schon jetzt eine große Rolle bei der Frage, wie sie weitermachen. Ob die Stromkosten planbar sind und wie sie sich entwickeln, wird in den kommenden Jahren zur Schicksalsfrage für die ganze deutsche Brauereilandschaft“, betont er.
Energiekosten schlagen zu Buche
Die Energiekosten sind ein bedeutender Faktor für Brauereien. Bei modernen Großbrauereien machen sie laut DBB 10 bis 15 Prozent der Produktionskosten aus. Bei kleineren und mittelständischen Betrieben liegt dieser Anteil eher bei 20 Prozent, bei sehr traditionellen Betrieben sogar noch höher. Besonders das Brauen, das Abkühlen und die Reinigung der Mehrwegflaschen sind hier kostenintensiv.
„Deshalb unser Appell an die künftige Koalition: Wir brauchen dringend bezahlbare Energie und Planungssicherheit“, fordert Weber. Dies wäre seiner Meinung nach auch eine wichtige Voraussetzung für mehr Neugründungen. In den letzten fünf Jahren gab es dennoch einige Gründungen. Fünf Bundesländer verzeichnen derzeit leichte Zuwächse bei der Anzahl der Brauereien. An der Spitze steht Sachsen, wo die Zahl um sieben auf 84 gestiegen ist. In Thüringen erhöhte sich die Zahl um vier auf 47.
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