Trump eskaliert seinen Handelskrieg: 25 Prozent Strafzölle ab August treffen wichtige Verbündete. EU und USA verhandeln.
Update, 8. Juli 2025, 21.18 Uhr: Im Zollkonflikt mit Europa hat US-Präsident Donald Trump einen Brief an die EU sowie Sonderzölle für bestimmte Branchen angekündigt. Auf die Frage eines Journalisten, ob er optimistisch auf einen Deal mit der Europäischen Union blicke, sagte er: „Wir sind wahrscheinlich zwei Tage davon entfernt, ihnen einen Brief zu schicken. Wir sind im Gespräch mit ihnen. Ich möchte nur, dass Sie wissen, dass ein Brief ein Deal bedeutet.“
Trump betonte, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und „die gesamte Gruppe“ die USA mittlerweile gut behandeln würden. „Es ist wie eine neue Welt. (...) Sie gehörten zu den härtesten, mit denen wir zu tun hatten. In vielerlei Hinsicht waren sie sogar noch schlimmer als China“, sagte er.
Update, 21.48 Uhr: Nach Informationen der Bild-Zeitung äußerte Merz im CDU-Bundesvorstand am Montag seine Sorge um die Folgen eines möglichen Scheiterns der Verhandlungen mit US-Präsident Donald Trump. Ein Regierungssprecher bestätigte zudem dem Deutschlandfunk, dass Merz etliche Telefonate geführt habe – unter anderem mit EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, mit dem französischen Präsidenten Macron und mit der italienischen Ministerpräsidentin Meloni. Nach Informationen der Bild-Zeitung sagte Merz im Bundesvorstand am Montag: „Wir stehen in Gesprächen mit den USA.“ Er glaubt demnach aber nicht, dass Trump auf Zölle verzichten werde.
Trump macht ernst: Neue Zölle treffen mehrere Länder mit bis zu 40 Prozent
Update, 19.54 Uhr: Donald Trump verkündet per Brief seit Montag neue Zollsätze für Importe in die USA zum 1. August. Diese Länder sind bislang bekannt:
Japan: 25 Prozent
Südkorea: 25 Prozent
Malaysia: 25 Prozent
Kasachstan: 25 Prozent
Südafrika: 30 Prozent
Laos: 40 Prozent
Myanmar: 40 Prozent
Update, 19.54 Uhr: Nun ist es auch offiziell: Die USA verschieben die Einführung ihrer geplanten neuen Strafzölle auf den 1. August. Das Weiße Haus teilte am Montagabend deutscher Zeit mit, dass US-Präsident Donald Trump schon in Kürze einen entsprechenden Erlass unterzeichnen werde.
Erstmeldung: Der amerikanische Präsident Donald Trump verschärft seinen globalen Handelskrieg dramatisch. Trump hat am Montag über seine Truth Social-Plattform die Einführung von 25-prozentigen Zöllen auf alle Importe aus Japan und Südkorea angekündigt. Die neuen Handelsmaßnahmen sollen ab dem 1. August in Kraft treten und markieren eine beispiellose Eskalation gegenüber wichtigen Verbündeten in Asien. Doch beide Länder haben noch die Möglichkeit, der teuren Maßnahme zu entgehen.
Neue Zölle: Trump-Ultimatum setzt Verbündete unter massiven Druck
Die Ankündigung erfolgte durch formelle Briefe an die Staats- und Regierungschefs beider Länder, die auf offiziellem Briefpapier des Weißen Hauses verfasst wurden. Trump schrieb in charakteristischer Manier mit fettgedruckten Großbuchstaben und emphatischen Formulierungen: „Wir laden Sie ein, an der außergewöhnlichen Wirtschaft der Vereinigten Staaten teilzunehmen, dem Markt Nummer eins der Welt, bei weitem.“
Donald Trumps Orbit: Einflüsterer, Berater und Vertraute des Präsidenten
Trump begründet seine aggressive Zollpolitik mit bestehenden Handelsdefiziten. Laut Newsweek verzeichneten die USA 2024 ein Handelsdefizit von 69,4 Milliarden Dollar mit Japan und 66 Milliarden Dollar mit Südkorea. In seinen Briefen an beide Länder schrieb Trump: „Diese Zölle können nach oben oder unten modifiziert werden, abhängig von unserer Beziehung zu Ihrem Land.“
Trump kündigt Phase „möglicherweise stürmischer Gespräche“ an
Bereits zuvor ließ Trump verlauten, die USA stünden kurz vor dem Abschluss mehrerer Handelsabkommen in den kommenden Tagen. Handelsminister Lutnick erklärte gegenüber Journalisten, dass die Zölle zwar erst am 1. August in Kraft treten würden, Trump diese aber bereits jetzt festlegen werde. Das neue Datum war zuvor von Finanzminister Bessent angekündigt worden – ursprünglich sollten Trumps Zölle bereits ab dem 9. Juli gelten.
Die dreiwöchige Frist bis zur Implementierung setzt Trump zufolge eine Phase „möglicherweise stürmischer Gespräche“ zwischen den USA und ihren Handelspartnern in Gang, um neue Rahmenabkommen zu erreichen. Trump verlässt sich auf Zolleinnahmen, um die Steuersenkungen zu finanzieren, die er am 4. Juli unterzeichnet hatte – eine Maßnahme, die einen größeren Anteil der Steuerlast auf die Mittelschicht und Arme verlagern könnte, da Importeure die Zollkosten weitergeben würden.
Deutschland im Fokus von Trumps Zöllen: Drei Bundesländer leiden am stärksten
Während Trump seine Drohungen gegen Japan und Südkorea konkretisiert, gerät auch Deutschland massiv unter Druck. Laut einer aktuellen Studie des Ifo-Instituts sind Niedersachsen, Baden-Württemberg und das Saarland am stärksten von Trumps Zollpolitik betroffen. Diese Bundesländer verlieren je nach Szenario zwischen 1,7 und 3 Prozent ihrer industriellen Wertschöpfung.
„Entscheidend sind strukturelle Unterschiede zwischen den Bundesländern wie eine starke Präsenz der Automobilindustrie“, erklärte Ifo-Konjunkturexperte Robert Lehmann. Dementsprechend sind auch Bremen und Bayern, die ebenfalls eine starke Automobilindustrie aufweisen, nur minimal schwächer betroffen als die drei Spitzenreiter. Auch das deutsche Gesundheitssystem gerät derzeit unter Druck durch Trumps Zölle.
Hamburg als Ausnahme: Schiffbau könnte Verluste durch Trump-Zölle kompensieren
Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet Hamburg: In einem der drei untersuchten Szenarien profitiert die Hansestadt sogar, in einem anderen leidet sie zumindest nicht. „Der industrielle Fokus Hamburgs auf den sonstigen Fahrzeugbau, unter den auch der Schiffbau fällt, könnte die negativen Zolleffekte der anderen Industrien kompensieren“, erklärte Marcel Thum, Geschäftsführer der Dresdener Ifo-Niederlassung.