„Hat mich um den Finger gewickelt“

Signa-Konkurs hat weitreichende Auswirkungen: Diese Großindustriellen könnten durch René Benko finanziell leiden

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Im Zuge des Zusammenbruchs von Signa-Gründer René Benko scheinen einige Firmen immer noch die Konsequenzen zu tragen. Wer die Hauptverlierer sind.

Wien – Der Absturz des österreichischen Investors René Benko zog auch andere Unternehmen in den Abgrund. Der Ex-Milliardär, der nach einem Haftbefehl der italienischen Justiz auf freiem Fuß ist, kommt die Tage nicht aus den Schlagzeilen. In den Fokus rückt neuerdings auch Benkos Insolvenzverwalter Norbert Abel, der offenbar Zahlungen an Unternehmen und Stiftungen anfechten will.

Verlierer der Benko-Pleite: Wer jetzt laut Medienbericht finanziell bluten soll

So soll Abel unter anderem Zahlungen an die Kühne Immobilia Austria GmbH, eine Gesellschaft des deutschen Milliardärs Klaus-Michael Kühne angefochten haben. Diese soll 16,5 Millionen Euro zurückzahlen, was die Gesellschaft zurückweist, berichtet das Manager Magazin.

Kühne hatte erstmals im November 2024 konkrete Angaben zu seinem Engagement bei René Benkos Luxusimmobiliensparte Signa Prime gemacht und seine Verluste infolgedessen beziffert. „Insgesamt haben wir bei Signa Prime eine halbe Milliarde Euro und damit fast unseren gesamten Einsatz verloren“, sagte Kühne im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für die Aktionäre der Signa Prime bleibe von der vorhandenen Masse kaum etwas übrig. Kühne sagte, er frage sich, wie er auf Benko habe hereinfallen können. „Er hat mich um den Finger gewickelt.“

Rene Benko bei Eröffnung neugestalteter Modeabteilung im Oberpollinger in München im jahr 2022

Nach Signa-Pleite: Insolvenzverwalter will offenbar Zahlungen an Unternehmen anfechten

Auch die RAG-Stiftung, die bereits zwischen 180 und 350 Millionen Euro wegen ihres Investments in der Signa-Gruppe verloren hat, soll laut Angaben des Manager Magazins nun 8,2 Millionen Euro zurückzahlen. Sie soll die Rückzahlung jedoch abgelehnt haben. Bei den Zahlungen an Kühne und die RAG-Stiftung handelt es sich offenbar um Dividenden für 2022, die 2023 flossen.

2017 noch, als die RAG-Stiftung bei Signa Prime eingestiegen war, seien die Zeichen gut gewesen. An Signa habe kein Weg vorbeigeführt, wenn Unternehmen in „hochkarätige europäische Immobilien“ investieren wollten, so der Vorsitzende Bernd Tönjes. Es seien 60 Millionen Euro an Dividenden zurückgeflossen, später noch einmal 20 Millionen Euro durch einen Teilverkauf. Allerdings teilte die RAG-Stiftung mit, dass sich die Stimmung ab 2022 „stark eingetrübt“ hätte. Im Zuge der Signa-Insolvenz schrieb die RAG-Stiftung zwischen 180 und 350 Millionen Euro ab. „Stand heute haben wir kein Risiko mehr in Signa“, zitierte die dpa den Vorsitzenden Tönjes im Februar 2024.

An wen zahlte Benko große Summen? Dividende an RAG-Stiftung und Kühne wirft Fragen auf

Im Februar 2024 erschien bei Business Insider ein Bericht, worin es heißt, dass Benko im Jahr 2023 über die Signa Prime eine Dividende an den Milliardär Klaus Michael Kühne und die RAG-Stiftung ausgeschüttet haben soll für das Jahr 2022. Bei der Ausschüttung soll es sich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag handeln. Laut Informationen des Online-Mediums floss die Dividende nur an diese beiden Adressen. Weder die Kühne AG noch die RAG-Stiftung hatten auf Anfragen von Business Insider zu dem Thema reagiert.

Rückzahlungen gefordert: Auch wichtige Top-Manager von Benko offenbar im Fokus

Neben der RAG-Stiftung und der Kühne Immobilia Austria GmbH soll Insolvenzverwalter Abel auch noch andere Zahlungen angefochten haben. So wurde der frühere Chef der Signa Prime, Timo Herzberg (48) vor dem Handelsgericht Wien zu einer Rückzahlung von 6,65 Millionen Euro verklagt. Über Jahre galt Herzberg nicht nur als wichtigster Vertrauensmann von Benko, sondern auch als besonders erfolgreich. Im Jahr 2023 wurde Herzberg fristlos entlassen. Der ehemalige Finanzchef Manuel Pirolt (40) soll 3,9 Millionen Euro zurückzahlen. Auf Anfrage des Manager Magazins wollten sich beide Personen nicht zu dem Sachverhalt äußern.

 

Rubriklistenbild: © Robert Haas

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