Wohin mit dem Geld?

So sparen Sie richtig – ob für die eigene Rente, für die Kinder oder gar die Enkelkinder

Fachleute erklären, worauf unsere Leserinnen und Leser beim Sparen besonders achten sollten.

Die privaten Haushalte in Deutschland verfügen über ein Geldvermögen von rund neun Billionen Euro, mehr als je zuvor. Viele Menschen fragen sich: Wie lege ich mein Geld in Zeiten sinkender Zinsen und schwankender Finanzmärkte sinnvoll an? Tipps rund um Fonds und die Geldanlage geben Christoph Hommel von der Verbraucherzentrale NRW und Armin Schmitz vom deutschen Fondsverband BVI. Eine Auswahl der häufigsten Fragen im Überblick:

Mein Fondssparplan investiert nach nachhaltigen Kriterien. Ich habe gelesen, dass manche dieser Fonds nun auch in Rüstungsunternehmen investieren dürfen, solange diese keine geächteten Waffen produzieren. Das möchte ich nicht unterstützen – wie finde ich heraus, ob mein Fonds nun auch in Rüstungsunternehmen anlegt?
Viele Fondsgesellschaften, die Fonds mit dem Zusatz ESG im Namen nach nachhaltigen Kriterien auflegen, schließen Investitionen in Rüstungsunternehmen weiterhin aus. Ob Ihr Fonds die Kriterien geändert hat, sehen Sie meist direkt auf der Webseite der Fondsgesellschaft; dort werden Änderungen der Anlagepolitik angekündigt.
Ich bin 75 Jahre alt, habe eine kleine Rente und kürzlich meine Immobilie verkauft. Die Hausbank rät mir, das Geld in sieben verschiedene Fonds zu investieren. Was meinen Sie?
Da das Geld zur Aufstockung der Rente gedacht ist, sollten Sicherheit und Verfügbarkeit im Vordergrund stehen. Fonds unterliegen Kursschwankungen und sind daher mit einem gewissen Risiko verbunden. Insofern halte ich sie in Ihrem Fall eher unpassend. Sieben Fonds klingen zwar nach breiter Streuung, könnten aber auch komplex und kostenintensiv sein. Zudem ist bei bankgestützter Beratung zu bedenken: Provisionen und Produktinteressen können eine Rolle spielen. Holen Sie sich eine unabhängige Zweitmeinung ein und informieren Sie sich unbedingt selbst.
Seit rund zehn Jahren spare ich monatlich in einen weltweit anlegenden Aktienfonds. Der Fonds hat deutlich an Wert zugelegt. Die Risiken an der Börse haben zuletzt stark zugenommen, daher möchte ich einen Teil der Gewinne mitnehmen. Ist das ohne Weiteres möglich?
Mit Fondssparplänen haben Sie grundsätzlich die Möglichkeit, jederzeit Anteile zu kaufen oder zu verkaufen. Ihre Gewinne könnten Sie sich also durch einen entsprechend hohen Teilverkauf Ihrer Fondsanteile auf Ihr Konto auszahlen lassen. Behalten Sie bei einem Verkauf die steuerlichen Aspekte im Blick. Sofern der Sparerpauschbetrag von 1000 Euro noch nicht ausgeschöpft ist, richten Sie einen Freistellungsauftrag bei der Bank oder Fondsgesellschaft ein.
In den Medien habe ich in den letzten Wochen häufiger über aktiv gemanagte ETFs gelesen. Worin unterscheiden sie sich von den traditionellen ETFs?
Aktive ETFs sind börsengehandelte Fonds, die nicht einfach einem Index folgen, sondern von einem Manager aktiv gesteuert werden. Dadurch unterscheiden sie sich von den passiven ETFs, die einen Index direkt nachbilden, ohne dass das Management eingreift. Die Kosten für aktiv gemanagte ETFs sind in der Regel etwas höher. In Europa ist dieses Marktsegment noch relativ neu, weshalb es schwierig ist, die Leistung dieser ETFs umfassend zu beurteilen.
Der Dax hat sich nach dem Rücksetzer im April gut erholt, aber ich bin trotzdem verunsichert. Lohnt sich der Einstieg in Aktien jetzt noch?
Wenn Sie langfristig anlegen, müssen Sie den perfekten Einstiegszeitpunkt nicht treffen. Das schaffen meist nicht einmal die Profis. Viel wichtiger ist, langfristig durchzuhalten. Kursschwankungen gehören an der Börse nun mal dazu. Aber auf lange Sicht lassen sich Rückschläge aussitzen. Wer beispielsweise im Jahr 2000 kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase in den Dax investierte, erzielte bis 2023 im Schnitt 3,7 Prozent Rendite pro Jahr. Auch ein Investment kurz vor der Finanzkrise 2007 brachte bis Ende 2023 durchschnittlich 4,7 Prozent jährlich. Bei größeren Summen könnten Sie über einen schrittweisen Einstieg nachdenken.
Ich möchte hundert Euro im Monat für meine Enkelin sparen, die zwei Jahre alt ist. Was tun?
Da es sich um einen Anlagezeitraum von über 15 Jahren handelt, würde ich eine renditeorientierte Anlageform wählen. Konkret eignen sich da beispielsweise Aktien in Form von ETFs. Als Basis kann ein ETF auf den MSCI World dienen. Hiermit investieren Sie in circa 1400 Unternehmen aus 23 Industriestaaten. Eine Beimischung eines ETFs auf Schwellenländer kann die Streuung erweitern. Was Sie dafür brauchen, ist ein Depot, das viele Banken inzwischen mit kostenlosen ETF-Sparplänen anbieten.
Armin Schmitz ist seit neun Jahren beim deutschen Fondsverband BVI beschäftigt. Zuvor hat er als Redakteur für verschiedene Börsen- und Wirtschaftszeitungen berichtet.
In meinen neuen Job verdiene ich weniger als früher, weshalb ich die bisherigen Beiträge für meinen Fondssparplan nicht mehr zahlen kann. Was soll ich tun?
Fondssparpläne sind äußerst anpassungsfähig. Sie haben die Option, die monatlichen Einzahlungen zu verringern oder den Sparplan zeitweise auszusetzen. Wenn es Ihre finanzielle Lage wieder erlaubt, können Sie die Sparrate problemlos erhöhen und zusätzliche Einzahlungen tätigen. Auch die Laufzeit des Sparplans kann flexibel angepasst werden. Im Notfall können Sie Anteile börsentäglich verkaufen und so schnell auf Ihr Geld zugreifen.
Ich gehe auf die Rente zu und bekomme aus meinem Riestervertrag eine deutlich geringere Rente, als bei Vertragsabschluss prognostiziert. Was kann ich tun?
Mit der Enttäuschung über die Riesterrente sind Sie leider nicht allein. Hauptursachen sind hohe Kosten in der Ansparphase und die konservative Kalkulation der Versicherer. Sie rechnen mit einer langen Lebenserwartung und zahlen entsprechend vorsichtig aus. Die Rente muss zudem voll versteuert werden. Trotzdem gibt es Alternativen zur klassischen Rentenzahlung: So lässt sich das angesparte Kapital etwa zur Entschuldung einer selbst genutzten Immobilie einsetzen (Wohn-Riester). Auch für altersgerechte Umbauten oder energetische Sanierungen bei der selbst genutzten Immobilie kann das Guthaben verwendet werden. Eine weitere Option ist die förder-schädliche Verwendung, also die Kündigung des Vertrags. Dabei müssen die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. Für manche kann das dennoch die sinnvollere Option sein.
Mein neuer Arbeitgeber bietet vermögenswirksame Leistungen (VL) an. Ist es möglich, auch in Fonds oder ETFs zu investieren?
Ja, vermögenswirksame Leistungen können auch in Fonds und ETFs angelegt werden. Es ist entscheidend, dass der Fonds oder ETF „VL-fähig“ ist. Unter www.bvi.de/fondswissen/sparen-und-altersvorsorge/vermoegenswirksame-leistungen-vl/ finden Sie eine Liste solcher Fonds. Die Einkommensgrenzen für die staatliche Förderung wurden zuletzt angehoben, was diese Produkte noch attraktiver macht.
Aus einer Direktversicherung habe ich (67 Jahre) 100 000 Euro ausgezahlt bekommen. Das Geld möchte ich im Alter für Dinge nutzen, für die meine Rente nicht reicht, wie etwa Urlaube. Wie lege ich es sinnvoll an?
Zunächst sollten Sie bedenken, dass Sie auf diese Einmalzahlung die nächsten zehn Jahren noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen müssen, wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind. Für das Geld, das Sie in den nächsten Jahren benötigen, würde ich sichere Anlageformen wählen. Das können Tagesgelder oder auch Festgelder bzw. Sparbriefe sein. Diese lassen sich über Vergleichsportale sehr einfach selbst finden. Achten Sie auf die Einlagensicherung. Innerhalb der EU sind 100 000 Euro pro Einleger und Bank geschützt. Schauen Sie sich genau an, in welchem Land die Bank ihren Sitz hat – schlimmstenfalls müssen Sie sich auch dorthin wenden.
Ich möchte für mein fünf-jähriges Kind Geld zurücklegen, um es später im Studium zu unterstützen. Immer mehr Online-Banken bieten kostengünstige Kinderdepots an. Was muss ich beachten?
Ein Fondssparplan mit klassischen Fonds oder ETFs ist eine gute Möglichkeit, um mit kleinen monatlichen Beträgen für die Zukunft der Kinder vorzusorgen – als Unterstützung zum Studienbeginn oder als finanzielle Starthilfe zum 18. Geburtstag. Damit das Kind von allen steuerlichen Freibeträgen profitiert, sollten Eltern das Depot für den Fondssparplan auf den Namen des Kindes eröffnen. Wichtig: Die Eltern verwalten das Depot nur im Rahmen ihres Sorgerechts, müssen das Geld aber wie fremdes Vermögen behandeln. Nur so werden die steuerlichen Regeln eingehalten und die Verträge zwischen Eltern und Kindern als gültig angesehen.
Christoph Hommel berät seit über 10 Jahren bei der Verbraucherzentrale NRW zu Finanzthemen. Außerdem hält er Vorträge und ist als Finanzexperte in verschiedenen TV-Sendungen zu sehen.
Die Zinsen sinken und ich möchte 10 000 Euro für drei Jahre anlegen. Was lohnt sich: Festgeld oder Geldmarktfonds?
Bei Festgeld steht von Anfang an alles fest: Zinssatz, Anlagebetrag und Laufzeit. Wer auf planbare Erträge setzt, ist hier gut aufgehoben. Geldmarktfonds investieren in kurzlaufende Wertpapiere und gelten als relativ risikoarm. Die Rendite schwankt allerdings und hängt vom aktuellen Zinsniveau zwischen Banken ab – sie ist in der Regel etwas höher als beim Festgeld, aber nicht garantiert. Dafür ist das angelegte Geld in der Regel kurzfristig verfügbar.
Ich spare seit mehreren Jahren in einen ETF auf den MSCI World. Gibt es eine Möglichkeit, den hohen USA-Anteil etwas zu reduzieren?
Der MSCI World gilt als Klassiker, doch rund zwei Drittel entfallen auf US-Aktien. Wem das zu viel ist, kann gezielt gegensteuern. Eine Möglichkeit ist ein ETF auf den MSCI World ex USA, der 800 Unternehmen aus 22 Industrieländern abbildet, aber US-Werte ausschließt. Oder Sie ergänzen mit regionalen ETFs, wie etwa auf den Stoxx Europe 600 für europäische Aktien.

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