Negative Strompreise

Solar-Strom wird zum Problem: Ein altes Gesetz erschwert die Lage zusätzlich

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Noch nie wurde so viel Solarstrom ins Netz eingespeist. Um mehr Menschen zum Eigenverbrauch zu bewegen, müsste ein altes Gesetz geändert werden.

Berlin – Die gute Nachricht ist: In Deutschland wird aktuell so viel Solarstrom eingespeist, wie noch nie zuvor. Laut der Bundesnetzagentur beträgt die installierte Erzeugungsleistung von Photovoltaik bisher 86.408 Megawatt (MW). 2024 waren es 76.601 MW. Das ist gut fürs Klima, gut für die Unabhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland und gut für die Strompreise, denn Solarstrom ist billig. Der Zubau muss auch weitergehen, damit Deutschland von fossilen Energien wie Kohle unabhängig werden kann.

Mehr Strom aus Erneuerbaren Energien als je zuvor: Ungeregelte Einspeisung sorgt für Probleme

Doch an ein paar Stellen hakt es langsam. Das Problem aktuell: Der Solarstrom wird zu großen Teilen ungeregelt ins Netz eingespeist, durch kleine Privatanlagen, wie man sie auf den Dächern der Gebäude überall im Land sehen kann. Seit Februar 2025 ist geregelt, dass neue PV-Anlagen zu Zeiten, in denen sehr viel Ökostrom erzeugt wird, keine Einspeisevergütung mehr erhalten – stattdessen sollen Privaterzeuger ihre Anlagen abregeln und den Strom selbst verbrauchen und/oder speichern.

Dieses Gesetz gilt aber nur für neue Anlagen. Für größere Anlagen und Solarparks wurden ebenfalls schon vor mehr als einem Jahrzehnt ähnliche Regeln geschaffen, sodass sie vom Markt ein Preissignal bekommen, wenn es sich nicht mehr lohnt, einzuspeisen.

Es bleibt aber eine Lücke an Privatverbrauchern, die ältere Anlagen auf den Dächern haben und noch von einer hohen Einspeisevergütung profitieren. Wie viele Anlagen das betrifft, ist schwer zu sagen. Insbesondere zwischen 2007 und 2011 hat es aber massive Sprünge im Zubau gegeben: 2007 betrug die PV-Leistung in Deutschland 4,1 Gigawatt Peak, 2011 waren es 26,1 GW Peak (2024: 99,1 GW Peak). Bis 2013 war die Vergütung zum Einspeisen auch sehr hoch, was diese Sprünge zum Teil auch erklärt. Doch jetzt sind es gerade diese Anlagen, die das Netz destabilisieren.

Wer vor 2009 eine Solar-Anlage installiert hat, ist gezwungen, den Solarstrom ins Netz zu speisen

Bis 2009 waren private Erzeuger dazu verpflichtet, ihren Strom ins Netz einzuspeisen. Erst nach 20 Jahren können diese Anlagen auf Eigenstrom umgerüstet werden. Für diese Volleinspeisung bekommen sie auch eine stattliche Einspeisevergütung: Pro Kilowattstunde Strom erhalten Betreiber für eine Anlage aus 2009 zum Beispiel 57,4 Cent. Die vereinbarte Einspeisevergütung ist für 20 Jahre garantiert. (Heute bekommt man fürs Einspeisen nicht einmal 8 Cent/kWh.)

Für diese Gruppe mit älteren Anlagen ist es also lukrativ, weiterhin zu jeder möglichen Stunde ihren Solarstrom zu 100 Prozent einzuspeisen – auch zu Zeiten, an denen das Netz bereits überlastet ist. Wer vor 2009 seine Anlage geholt hat, muss sogar bis zum Ablauf der 20-Jahresfrist voll einspeisen. Das erklärt Peter Knuth, Gründer und Geschäftsführer des Solaranbieter enerix im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Das sollte rückwirkend geändert werden, um den Eigenverbrauch zu erhöhen und das Netz zu entlasten – Anlagen sollten nicht erst aus der Vergütung auslaufen, bevor sie umgerüstet werden können“, so sein Appell an die Bundesregierung.

Wechsel von Einspeisung zu Eigenstrom: Bürokratisch und teuer

Aber auch wenn diese Menschen sich dafür entscheiden wollen würden, den Solarstrom nicht mehr voll ins Netz einzuspeisen und stattdessen mehr selbst zu nutzen, gibt es Hürden. Seit 2009 dürfen private Solarbesitzer von der Volleinspeisung in die Teileinspeisung wechseln. Seitdem ist es also grundsätzlich rechtlich und technisch möglich, mehr auf Eigenstrom zu setzen.

Dafür muss der Anlagenbetreiber jedoch folgende Dinge tun:

  • Es müssen neue Stromzähler installiert werden; bei älteren Anlagen ist häufig auch ein technisches Upgrade des Wechselrichters nötig, manchmal müssen einzelne Module getauscht werden
  • Der Betreiber muss den Wechsel beim Netzbetreiber melden
  • Der Betreiber muss eine Änderung im Marktstammdatenregister beantragen

Je nach Alter der PV-Anlage und den technischen Voraussetzungen kann der Wechsel mehrere tausend Euro kosten. Das schreckt viele Menschen ab – sie warten lieber, bis die Förderung nach 20 Jahren ausläuft und beschäftigen sich dann mit der Thematik.

Mehr Solar-Besitzer zum Eigenverbrauch animieren: Förderung und Ausgleichszahlungen als Anreiz

Um die Anreize hier anders zu setzen, schlägt Peter Knuth von enerix vor, den Umbau der alten Anlage zu fördern: „So könnte es zinsgünstige Kredite für den Einbau eines Batteriespeichers geben“, findet der Experte. Zudem könnte die Bundesregierung besonders für Betreiber mit Anlagen mit hoher Vergütung (über 50 Cent/kWh) eine Ausgleichszahlung vereinbaren, wenn sie von Voll- auf Teileinspeisung wechseln. So könnte man den Solar-Besitzern in Aussicht stellen, dass sie eine Vergütung für den selbstgenutzten Solarstrom erhalten, wenn sie auf Eigenverbrauch umstellen – es gäbe also keine finanziellen Nachteile.

Abseits vom Standard: Diese Wärmepumpen-Marken kennen Sie noch nicht

Eine Wärmepumpe der Firma Aira steht vor einem Haus.
Sie gehört zu den neueren Unternehmen in Deutschland: Die Firma Aira wurde erst 2022 in Schweden gegründet. Seitdem ist sie aber auf Expansionskurs und baut ihre Wärmepumpen in Deutschland, Italien und Großbritannien ein. Die Firma verkauft Luft-Wasser-Wärmepumpen, die in Polen hergestellt werden. Auf Trustpilot bekommt die Marke Aira 4,2 von 5 Sternen.  © Aira
Eine Wärmepumpe von Stiebel Eltron steht vor einem Wohngebäude.
Stiebel Eltron gehört eigentlich zu den großen Marken in Deutschland – wird aber oft in der Öffentlichkeit vergessen. Die Firma hat dabei 2024 hohen Besuch empfangen: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die Firma auf seiner Sommerreise besucht. Die Luft-Wasser-Wärmpumpen von Stiebel Eltron können nicht nur in Wohngebäude installiert werden, sondern stellt auch größere Wärmepumpen, die im Gewerbe dienen können. Die Firma stellt sowohl Monoblöcke als auch Splitgeräte her. Bei Stiftung Warentest ist Stiebel Eltron mit eines ihrer Geräte als Testsieger hervorgegangen.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe der Firma Brötje vor einem Mehrfamilienhaus.
Die Firma Brötje stellt schon seit über 100 Jahren Heizungen her – und seit einiger Zeit hat sie auch Wärmepumpen im Repertoire. Die Firma mit niederländischem Hauptsitz hat für den deutschen Markt sieben verschiedene Wärmepumpen im Angebot, darunter Luft-Wasser-, Sole-Wasser- und Trinkwasser-Wärmepumpen. Hier im Foto: Die Luft-Wasser-Wärmpumpe NEO, die mit einer höheren Leistung auch für Mehrfamilienhäuser geeignet ist.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe von LG mit Katze.
Nein, LG stellt nicht nur Fernseher her: Die südkoreanische Marke ist in zahlreichen Märkten aktiv - eben auch bei Wärmepumpen. LG profitiert dabei von ihrer Expertise in schwülwarmen asiatischen Ländern, die einen hohen Bedarf an Klimaanlagen haben. Eine Wärmepumpe funktioniert sehr ähnlich. Fünf verschiedene Produkte gibt es von LG in Deutschland zu kaufen, ganz neu ist auch ein Produkt mit natürlichem Kältemittel.  © IMAGO
Panasonic stellt eine ihrer Wärmepumpen auf einer Messe aus.
Bleiben wir bei den asiatischen Herstellern: Auch Panasonic tummelt sich längst im Wärmepumpenmarkt. Auch der japanische Hersteller profitiert von einer Expertise bei Klimaanlagen, und bringt Wärmepumpen nach Deutschland. Stiftung Warentest hat 2024 für die Panasonic-Modelle einen Preistipp gegeben, da sie zu den günstigsten Modellen mit einem Qualitätssiegel „gut“ gehören.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Eine Wärmepumpe von Alpha Innotec vor einem Neubau.
Hinter den Wärmepumpen der Marke Alpha Innotec steckt die ait Deutschland GmbH mit Sitz in Oberfranken. Der deutsche Anbieter stellt ausschließlich Wärmepumpen her und wirbt damit, dass ihre Wärmepumpen schon seit über zehn Jahren natürliche Kältemittel nutzen und daher besonders nachhaltig seien. ait stellt sowohl Luft-Wasser- als auch Sole-Wasser-Wärmepumpen her – und zwar in Deutschland am Standort Kasendorf.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Die Wärmepumpe der Marke Zewotherm steht vor einem Haus.
Die Firma Zewotherm ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen aus Remang am Rhein, das sich auf klimafreundliches Heizen und Kühlen spezialisiert hat. Die Firma stellt Wärmepumpen her, aber auch Flächenheizungen, Lüftungssysteme und Photovoltaik-Anlagen. Zewotherm bietet mittlerweile als Allrounder auch Stromtarife an, mit denen man seine Wärmepumpe günstig betreiben kann. Zwei Modelle hat Zewotherm aktuell auf dem Markt: Der Lambda sowie der Eco. Auf dem Foto ist der Lambda zu sehen.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Eine Wärmepumpe der Marke Tecalor steht auf einer Messe aus.
Die Firma Tecalor aus Niedersachsen punktet mit einem breiten Angebot an verschiedenen Wärmepumpen. Neben den typischen Außenblöcken wie hier auf dem Foto gibt es auch Geräte, die im Innenraum stehen sowie solche, die nebenbei auch noch die Luft filtern können. Auch Großwärmepumpen für Mehrfamilienhäuser hat Tecalor im Angebot. Online gibt es auch ein Ersatzteilshop, für all jene, die diese Sicherheit dazu noch haben wollen.  © IMAGO/Alexander Pohl
Eine Wärmepumpe von Buderus vor einem Haus.
Die Marke Buderus kennen viele Menschen wohl zumindest vom Sehen: Die Wärmepumpen gehören zu den markantesten auf dem Feld. 2024 waren die Wärmepumpen auch Testsieger von Stiftung Warentest. Buderus war einst ein Familienunternehmen, wurde aber 2003 von Bosch übernommen. Neben Wärmepumpen stellt die Wetzlarer Firma auch Solaranlagen her. © IMAGO
Eine Wärmepumpe von SenerTec zusammen mit Vertriebsleiter Hagen Fuhl.
Ein weiteres deutsches Unternehmen macht die Liste komplett: SenerTec aus Schweinfurt stellt nicht nur Wärmepumpen her, sondern kombiniert sie mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Diese eignen sich insbesondere für Mehrfamilienhäuser und größere Immobilien. Die Kombination kann außerdem noch mit einer PV-Anlage ausgefertigt werden.  © SenerTec

Weiter kritisiert Knuth die oftmals langen An- und Ummeldezeiten bei den Netzbetreibern: „Eine konkrete Fristsetzung, wie das bei neuen PV-Anlagen üblich ist, innerhalb derer der Netzbetreiber die Anlage abnehmen muss, würde der Gesamtsituation sicherlich helfen. Alternativ ist hier auch eine Ausgleichszahlung für die sonst verlorene Vergütung eine Lösung“.

Um die Probleme mit der Netzstabilität zu lösen, müssen dringend mehr Menschen auf Eigenverbrauch umstellen. Der Staat hat hier auch ein anderes Interesse daran: Das aktuelle System kommt den Steuerzahler nämlich teuer zu stehen. Die Einspeisevergütung, die auch zu Zeiten, in denen der Strom quasi wertlos ist, voll gezahlt werden muss, zahlt nämlich der Staat. 2024 hat das 17 Milliarden Euro gekostet.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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