Energiewende

Niedrige Strompreise: Solaranlagen führen zu „Kannibalisierung der Erneuerbaren“

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Sinkende Stromkosten im Mai brachten manchen Verbrauchern Vorteile. Für den Ausbau der Solarenergie bedeutet dieser Preisverfall jedoch einen Rückschlag.

Berlin – Extreme Ramschpreise für Strom an der Börse haben jüngst einige Stromkunden frohlocken lassen: Statt zahlen zu müssen, haben sie für jede verbrauchte Kilowattstunde Geld erhalten. Beim ostdeutschen Energieversorger EnviaM lag der Endkundenpreis Mitte Mai im dynamischen Tarif bei bis zu minus 11,4 Cent je Kilowattstunde inklusive aller gesetzlicher Umlagen, Netzentgelte und Vertriebskosten. Ein ähnliches Bild gab es auch bei anderen Stromanbietern.

Strompreise fallen im Mai deutlich

Installation einer Solaranlage: Die Preise für Solarstrom fallen.

Negative Börsenpreise sind keine Seltenheit. Zum Beispiel, wenn viel Strom aus Solar- und Windanlagen auf eine geringe Nachfrage trifft. Laut europäischer Strombörse Epex Spot gab es voriges Jahr 459 Stunden mit negativem Preis am sogenannten Day-Ahead Markt. Dort wird im Großhandel der Strom für den nächsten Tag gehandelt. Am Spotmarkt war der Strompreis Mitte Mai auf bis zu minus 25 Cent je Kilowattstunde abgerutscht. 

Niedriger Strompreis: Bestimmte Konsumenten profitieren

Mit einem „intelligenten Energiemanagementsystem“, könne man dann „den Stromverbrauch automatisiert und gezielt auf Zeiten mit negativen oder günstigen Börsenstrompreisen“ verlagern, erklärt 1Komma5Grad gegenüber der taz. 1Komma5Grad ist ein weiterer Anbieter von dynamischen Stromtarifen. Das lohne sich „insbesondere für Haushalte mit hohem Verbrauch, etwa durch ein E-Auto oder eine Wärmepumpe“.

Strom aus Photovoltaik-Anlagen ist besonders stark vom Preisverfall betroffen. Zum einen wird stark ausgebaut, zum anderen fehlen Speicher. Im April war die Kilowattstunde nur drei Cent wert, weil Solarenergie meistens dann anfiel, wenn sie nicht gebraucht wurde. In der Branche spreche man bereits von der „Kannibalisierung der Erneuerbaren“, berichtet die taz: Die Photovoltaik-Anlagen würden sich aufgrund fehlender Speicher gegenseitig zunehmend unrentabel machen.

Dynamische Stromtarife: Für diese Verbraucher lohnen sie sich

Seit Jahresbeginn müssen Stromversorger dynamische Tarife anbieten, die an den kurzfristigen Börsenstrompreis gekoppelt sind. Voraussetzung sind intelligente Stromzähler, die aktuelle Verbrauchsdaten übermitteln. Verbraucherschützer sehen solche Tarife kritisch, denn die Preise können etwa bei einer Dunkelflaute auch stark in die Höhe schießen. Das Risiko trägt der Stromkunde.

Mehrwert böten sie vor allem für Haushalte mit hohen und zeitlich flexiblen Verbräuchen, etwa durch Elektroautos, Wärmepumpen oder Batteriespeicher, heißt es auf der Internetseite des Verbraucherzentrale Bundesverbands: „Für ‚normale‘ Haushaltskunden überwiegt das Risiko steigender Preise die Vorteile bei weitem.“ (mit Material der dpa)

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