Weltkonzern im Umbruch

Bei Mercedes-Benz könnten mehr als 15.000 Stellen gestrichen werden – laut Bericht

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Autokonzern Mercedes-Benz hat wie die gesamte Branche Probleme und drückt auf die Kostenbremse. Laut einem Bericht stehen tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Stuttgart - Nachdem Ola Källenius im Mai 2019 die Position als Vorstandschef beim Automobilkonzern Mercedes-Benz übernommen hatte, richtete der Schwede den schwäbischen Weltkonzern neu aus. Der Fokus liegt auf Luxus und Elektrifizierung, aber auch die Kostenpolitik war dem CEO von Anfang an ein wichtiges Anliegen. Seitdem hat sich die Lage der Autoindustrie massiv verschlechtert; Volkswagen muss beispielsweise tausende Stellen abbauen und möglicherweise ganze Standorte schließen. Mercedes-Benz hat die Jahresprognose bereits nach unten korrigiert und kündigt nun umfangreiche Sparmaßnahmen an.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Wie das Manager Magazin berichtet, hatten Mercedes-Boss Ola Källenius und Finanzchef Harald Wilhelm Mitte November den Topmanagern des Konzerns das Programm „Next Level Performance“ vorgestellt. Bei diesem handelt es sich offenbar um ein Sanierungskonzept, dass den ältesten Autobauer der Welt vor einem Totalschaden bewahren soll. Konkret sollen bis 2027 rund fünf Milliarden Euro an Kosten eingespart werden; dem Bericht zufolge steht aber auch eine fünfstellige Anzahl an Arbeitsplätzen vor dem Aus. Bereits vor zwei Jahren hatte der Autobauer den Abbau von 20.000 Stellen angekündigt.

Mercedes-Benz könnte laut Bericht zehn Prozent der weltweiten Stellen streichen

Als der VW-Konzern seinen radikalen Stellenabbau verkündete, reagierte Mercedes-Benz mit dem Verweis auf die Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten bis Ende 2029 ausschließt. Bei den angekündigten Sparmaßnahmen wird der Stuttgarter Weltkonzern aber wohl nicht darum herumkommen, auch beim Personal auf die Kostenbremse zu treten. Nach der Ankündigung des Programms „Next Level Performance“ gehen Beteiligte von einer Ausweitung des Personalabbaus aus, wie sie dem Manager Magazin erklärten. Demnach könnten rund zehn Prozent der weltweiten Arbeitsplätze wegfallen.

Mercedes-Benz hat Sparmaßnahmen angekündigt. Einem Bericht zufolge könnten davon tausende Stellen betroffen sein.
Name Mercedes-Benz Group AG
Gründung 17. November 1998 (Vorgängerunternehmen gehen bis ins Jahr 1883 zurück)
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilindustrie, Finanzdienstleistungen
Produkte Premium-Automodelle, Vans, Finanzdienstleistungen
Leitung Ola Källenius (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 166.000 (2023)
Umsatz 153,2 Milliarden Euro (2023)

Da die Mercedes-Benz Group weltweit rund 166.000 Menschen beschäftigt, würde das einen Abbau von etwa 16.600 Arbeitsplätzen bis 2027 bedeuten. Dem Bericht zufolge kursieren in bestimmten Bereichen sogar noch deutlich höhere Zahlen; im indirekten Bereich – also dem Bereich außerhalb der Produktion – soll es sogar um bis zu 25 Prozent der Stellen gehen. Damit würden die Stuttgarter beinahe mit dem VW-Konzern gleichziehen. Mercedes selbst hat die Kostenziele zwar bestätigt, kommentiert aktuell aber, dass keine konkreten Abbauziele geplant seien.

Änderungen im Vorstand: Auf höchster Ebene hat Mercedes bereits das Personal angepasst

Obwohl Mercedes-Benz gerade auf dem wichtigen Markt in China zunehmend an Anschluss verliert und auch bei dem selbst erklärten Ziel „Electric only“ zurückrudern musste, stehen die Stuttgarter im Vergleich zu anderen Branchengrößen im In- und Ausland noch vergleichsweise gut dar. Die viel kritisierte Luxusausrichtung beschert dem Konzern weiterhin profitable Gewinnmargen, auf denen sich Källenius und Co. aber nicht mehr ausruhen können, wie es beispielsweise noch in der Chipkrise der Fall war. Deshalb muss nach VW, Audi, Ford und Co. nun Mercedes reagieren.

Mercedes-Chef Ola Källenius hat den Autokonzern massiv umgekrempelt. Jetzt muss er beweisen, dass er ihn durch die Krise führen kann.

Es ist zwar kein wirklicher Stellenabbau, aber an höchster Stelle hat Mercedes-Benz bereits deutliche personelle Änderungen vorgenommen. Am 11. Dezember erklärte der Konzern in einer Pressemitteilung, dass die drei Vorstandsmitglieder Sabine Kohleisen (Personal), Renata Jungo Brüngger (Integrität und Recht) und Hubertus Troska (Greater China) im kommenden Jahr in den Ruhestand verabschiedet werden. Die Rolle der Personalchefin bei Mercedes-Benz soll die bisherige Vertriebsvorständin Britta Seeger übernehmen. Vorstandschef Källenius muss dagegen beweisen, dass er den Weltkonzern durch eine handfeste Krise führen kann.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG – Communications

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