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Wegen der schwachen Nachfrage in China kappt Mercedes-Benz die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Müssen nun auch die Schwaben anfangen zu sparen?
Stuttgart - Als Volkswagen vor einigen Tagen harte Sparmaßnahmen angekündigt hatte, reagierten die Sportwagen-Tochter Porsche und der Konkurrent Mercedes-Benz mit Verweisen auf die Beschäftigungssicherung. „Auch in einer Zeit der größten Transformation der Automobilbranche bietet Mercedes-Benz sichere Beschäftigung: Für die Mitarbeitenden der Mercedes-Benz Group AG, der Mercedes-Benz AG sowie der Mercedes-Benz Intellectual Property GmbH & Co. KG gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029“, hieß es konkret in einer Stellungnahme des schwäbischen Weltkonzerns.
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Am Donnerstag, dem 19. September, gab Mercedes-Benz jedoch eine Ad-hoc-Meldung heraus, in der eine deutliche Senkung der Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2024 bekannt gegeben wurde. Dies ist eine Reaktion auf die sinkende Nachfrage auf dem global wichtigsten Markt in China. „Ich weiß nicht, wie lang die Situation in China so bleibt“, äußerte sich Konzernchef Ola Källenius dazu. Sollte der Gewinn am Jahresende tatsächlich deutlich geringer ausfallen, müssten auch die Stuttgarter Sparmaßnahmen ergreifen.
Mercedes-Benz rechnet mit deutlich niedrigerem Ebit als im Vorjahr - China-Geschäft macht Probleme
Seit der Vorstellung der erweiterten Luxusstrategie im Jahr 2022 konnte Mercedes-Benz seine Umsätze durch den Fokus auf hochpreisige Modelle deutlich steigern. Auch im Jahr 2023 konnte der Autokonzern seinen Umsatz erneut erhöhen und zahlte den Mitarbeitern einen Rekordbonus von bis zu 7.300 Euro. Aufgrund der aktuellen Situation in China und den schwächelnden Absatzzahlen bei Elektroautos erwartet der Vorstand für 2024 jedoch ein deutlich niedrigeres Ebit, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, als im vorherigen Geschäftsjahr. Dieses betrug im letzten Jahr 19,7 Milliarden Euro.
| Name | Mercedes-Benz Group AG |
|---|---|
| Gründung | 17. November 1998 (Vorgängerunternehmen gehen bis ins Jahr 1883 zurück) |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilindustrie, Finanzdienstleistungen |
| Produkte | Premium-Automodelle, Vans, Finanzdienstleistungen |
| Leitung | Ola Källenius (Vorstandsvorsitzender) |
| Mitarbeiter | 166.000 (2023) |
| Umsatz | 153,2 Milliarden Euro (2023) |
Der chinesische Automarkt stellt seit langem eine Herausforderung für die europäischen Hersteller dar, da die einheimischen Autobauer immer mehr an Dominanz gewinnen. Schon im Jahr 2022 musste Mercedes die Preise für seine E-Auto-Flaggschiffe EQS und EQE in China aufgrund einer nachlassenden Nachfrage erheblich senken. Der Konzern geht derzeit davon aus, dass insbesondere die Verkäufe im Top-End-Segment weiter zurückgehen werden. Es bleibt abzuwarten, ob Mercedes-Benz nach einem deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr auf Kostensenkungen setzt oder andere Lösungen findet.
Kündigungen sind bei Mercedes bis Ende 2029 ausgeschlossen - Konzern könnte aber anderweitig sparen
Wie bereits erwähnt, besteht bei Mercedes-Benz in Deutschland eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember 2029 ausschließt. Betriebsratschef Ergün Lümali forderte bereits eine Verlängerung bis 2035. Um Kosten zu senken, könnte der Konzern jedoch befristete Verträge nicht verlängern oder, wie es derzeit auch bei VW der Fall ist, ganze Standorte auf den Prüfstand stellen. Bislang ist die stark reduzierte Gewinnprognose für 2024 aber eben nur eine Prognose und die direkten Auswirkungen sind noch nicht absehbar.
Mercedes-Benz ist mit den Problemen in China nicht allein, auch der ewige Konkurrent BMW musste kürzlich seine Prognosen anpassen. Laut dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer wird China für die deutschen Autobauer immer mehr zur Belastungsprobe, da die Hälfte der dort verkauften Fahrzeuge inzwischen E-Autos sind. „Für die deutschen Autobauer kann daher nur die Devise lauten, noch stärker mit Direktinvestitionen in China die Entwicklungszentren und Produktion für Elektroautos in China auf- und auszubauen“, erklärte er laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
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