Steuer-Hammer gegen Spitzenverdiener: Klingbeil macht deutliche Ansage – „Wird keine Option vom Tisch genommen“
VonBjarne Kommnick
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Finanzminister Lars Klingbeil erwägt höhere Steuern für Spitzenverdiener – trotz Protesten aus der Union. Millionen Bürger wären davon betroffen.
München – Angesichts der angespannten Haushaltslage des Bundes verschärft sich der Streit innerhalb der Koalition über den künftigen Finanzierungskurs. Während die Regierung vor der Herausforderung steht, Milliardenlücken in den kommenden Jahren zu schließen, prallen unterschiedliche Vorstellungen über Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen aufeinander. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bringt nun eine stärkere Beteiligung wohlhabender Bürger ins Spiel – ein Vorstoß, der auf entschiedenen Widerstand des Koalitionspartners CSU stößt.
Um die Milliardenlücken in den künftigen Haushalten zu schließen, hält Bundesfinanzminister Lars Klingbeil Steuererhöhungen für Spitzenverdiener und Vermögende für möglich – obwohl der Koalitionspartner CSU dies zurückweist. „Da wird keine Option vom Tisch genommen“, erklärte der SPD-Vorsitzende im „ZDF Berlin direkt Sommerinterview“. Besonders Menschen mit hohen Einkommen und hohen Vermögen müssten sich die Frage stellen: „Welchen Teil tragen wir dazu bei, dass dieses Land gerechter wird?“
Klingbeil will Spitzenverdiener in die Pflicht nehmen – diese Gruppe wäre von einer Steuererhöhung betroffen
Erforderlich sei ein umfassendes Maßnahmenpaket, um die Haushaltslücke von 30 Milliarden Euro für das Jahr 2027 zu schließen. Die SPD habe stets die Position vertreten, dass Menschen mit außergewöhnlich hohen Vermögen und Einkommen ihren Beitrag für eine gerechtere Gesellschaft leisten müssten, betonte Klingbeil. „Diese Grundüberzeugung gebe ich ja nicht auf mit Eintritt in eine Koalition. Und deswegen werden wir in der Koalition über alle Fragen reden: Wo können wir Subventionen abbauen? Wo können wir diese sozialen Sicherungssysteme reformieren? Wo kann in den Ministerien eingespart werden?“
Eine Steuererhöhung für Spitzenverdiener würde wohl eine relativ kleine, aber einkommensstarke Gruppe der deutschen Bevölkerung treffen. Laut Datensammlung zur Steuerpolitik des Bundesfinanzministeriums gab es 2020 rund 2,8 Millionen einkommensteuerpflichtige Menschen, die mit dem Einkommensteuer-Höchstsatz von 42 Prozent besteuert wurden. Sie trugen mit rund 47 Prozent zum gesamten Einkommensteueraufkommen bei.
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Diese Gruppe umfasst alle Steuerpflichtigen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen ab 68.481 Euro (Ledige) beziehungsweise 136.962 Euro (Ehepaare). Wohl auch betroffen wären die Topverdiener mit der sogenannten „Reichensteuer“: Hier handelt es sich um nur etwa 68.000 Einzelpersonen und 65.000 Paare, die mehr als 277.826 Euro jährlich beziehungsweise 555.652 Euro verdienen und bereits 45 Prozent Steuern zahlen. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 45 Prozent würde dem Staat Mehreinnahmen von 14 Milliarden Euro pro Jahr bringen, wie finanztip.de berichtet.
Klingbeil plant Steuererhöhung für Spitzenverdiener – und schießt gegen Koalitionspartner
Bezüglich der Ankündigung von CSU-Chef Markus Söder, höhere Steuern zu verhindern, äußerte sich der Finanzminister folgendermaßen: „Auch Herr Söder hat ja nun mit einigen Vorhaben, die ihm wichtig sind, dazu beigetragen, dass eine Lücke im Haushalt größer wird.“ Nun gelte es, sich konstruktiv zusammenzusetzen und die verschiedenen Vorschläge miteinander abzustimmen, um diese Lücke zu reduzieren
Söder hatte innerhalb der Koalition durchgesetzt, dass die Mütterrente erneut erweitert, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder reduziert und die Subventionierung von Agrardiesel wiedereingeführt wird. Diese drei Maßnahmen allein führen jeweils zu Mehrausgaben oder Steuerausfällen in Milliardenhöhe.
Klingbeil richtete auch kritische Worte an seine Kabinettskollegin Katherina Reiche (CDU). Die Bundeswirtschaftsministerin hatte kürzlich angesichts der Finanzierungsprobleme bei der Rente gefordert, die Deutschen müssten mehr und länger arbeiten. Hierzu äußerte sich der SPD-Chef: „Meistens erlebe ich, dass Menschen mit sehr hohen Einkommen, mit sehr hohen Vermögen einen kräftigen Appell an das ganze Land richten, dass doch jetzt alle mal mehr arbeiten und länger arbeiten sollen. Aber ich finde, das wird einer Rentendebatte, wie wir sie in Deutschland eigentlich führen müssten, nicht gerecht.“ Auch die Bundesarbeitsministerin sprach sich gegen eine spätere Rente aus.
Bundesfinanzhaushalt: Regierung plant 81,8 Milliarden Euro Neuverschuldung
Die Haushaltslage des Bundes ist von erheblichen strukturellen Herausforderungen geprägt. Nach dem vorläufigen Abschluss für 2024 verzeichnete der Bundeshaushalt ein Finanzierungsdefizit von 25,0 Milliarden Euro bei Gesamtausgaben von 465,7 Milliarden Euro, wie das Bundesfinanzministerium in einer Mitteilung berichtete. Für das laufende Jahr 2025 sieht der Regierungsentwurf Ausgaben von etwa 503 Milliarden Euro vor, wobei die Neuverschuldung auf 81,8 Milliarden Euro ansteigt. (bjko)