VonMarcel Reichschließen
Trotz winterlicher Temperaturen bleibt die Gasversorgung sicher. LNG-Terminals und Pipeline-Gas sichern die Versorgung. Langfristig könnten Gaspreise steigen.
Frankfurt – Die Bundesnetzagentur rechnet für das kommende Jahr mit stabilen oder sogar sinkenden Strompreisen, trotz steigender Netzentgelte durch den Netzausbau. „Mit den erneuerbaren Energien wächst das Stromangebot, das senkt die Erzeugungspreise“, begründete der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, diese Prognose gegenüber der „Rheinischen Post“ vom Samstag. Die höheren Netzentgelte würden durch staatliche Subventionen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro ausgeglichen, sodass unter dem Strich keine Verteuerung zu erwarten sei.
Müller verspricht stabile Strompreise: 6,5 Milliarden Euro gleichen Netzkosten aus
Gleichzeitig forderte Müller Maßnahmen, um den Ausbau des Stromnetzes kostengünstiger zu gestalten. Dies könne geschehen, „indem man bei Stromautobahnen auf Freileitungen statt auf teure Erdkabel setzt, Anreize für Kosteneffizienz setzt und die Netzkosten fairer verteilt“. Konkret sprach sich der Behördenchef für eine stärkere finanzielle Beteiligung von Solaranlagen-Betreibern aus. „Wer zum Beispiel ein Solardach oder einen Solarpark in Betrieb nimmt, sollte stärker an den Netzkosten beteiligt werden. Denn er profitiert von einem gut ausgebauten Netz, sowohl wenn er Strom verkauft als auch wenn die Sonne nicht scheint“, erklärte Müller. Er betonte: „Am Ende ist das auch eine soziale Frage.“
Zur aktuellen Gasversorgungslage zeigte sich der Netzagentur-Präsident trotz der winterlichen Temperaturen und nur mäßig gefüllter Speicher zuversichtlich. „Es droht aktuell kein Gasmangel“, versicherte er der Rheinischen Post. Die Versorgungssituation unterscheide sich deutlich von der Lage nach Beginn des Ukraine-Krieges: „Die Lage ist eine ganz andere als im ersten Jahr nach der russischen Invasion in der Ukraine.“
Solar-Betreiber sollen zahlen: Netzagentur-Chef fordert faire Kostenverteilung – „Auch eine soziale Frage“
Für die Versorgungssicherheit sorgen laut Müller mehrere Faktoren. „Die LNG-Terminals, große Mengen an Pipeline-Gas aus Norwegen wie Importe über Belgien, die Niederlande und zeitweise Frankreich sichern unsere Versorgung.“ Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu 60 Prozent gefüllt. Dass Europas größter Speicher im niedersächsischen Rehden nur zu 28 Prozent gefüllt ist, bewertet Müller nicht als problematisch. „Er liegt im Hinterland der LNG-Terminals und hat nicht mehr die gleiche, hohe geografische Bedeutung wie früher.“
Die aktuell sinkenden Gaspreise führt der Behördenchef auf die schwache Wirtschaftslage zurück, da Betriebe weniger Gas nachfragen. Langfristig erwartet Müller jedoch steigende Gaspreise. Gründe dafür seien die steigenden CO2-Abgaben und höhere Netzentgelte für Gas. Zudem werde die Verteilung der Netzkosten auf immer weniger Verbraucher zum Problem, wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will.
Die Kommunen planen unterschiedliche Zeitpunkte für den Gasausstieg. „Manche Kommunen wollen schon 2035 weg vom Gas, andere 2040 oder 2045“, sagte Müller. Die Konsequenz sei eindeutig: „Klar ist: Es wird teurer werden. Schon jetzt ziehen Verbraucher ihre Schlüsse und steigen auf Alternativen wie zum Beispiel die Wärmepumpe oder Fernwärme um.“ (Verwendete Quellen: Rheinische Post, AFP)
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