Studie warnt vor Krebsgefahr

Heizen mit Holz wohl gefährlicher als bislang angenommen: Neues Gesetz gefordert

  • schließen

Holzheizungen sind gemütlich, aber sind sie auch sicher? Eine neue Studie zeigt alarmierende Ergebnisse. Die Feinstaubbelastung könnte in Deutschland höher sein, als bisher gedacht.

Berlin – Viele Menschen genießen die Wärme und Gemütlichkeit, die ein Holzofen in ihrem Zuhause bietet. Holz war traditionell eine der wichtigsten Wärmequellen und wird in einigen Gegenden immer noch zum Kochen genutzt. Allerdings mehren sich seit einiger Zeit Berichte über die gesundheitlichen Risiken, die von den Partikeln ausgehen, die bei der Verbrennung von Holz freigesetzt werden. Daher gelten in Deutschland strenge Grenzwerte für Holzöfen. Eine aktuelle Studie hat nun erneut Aufmerksamkeit erregt: Sie zeigt, dass in Gebieten, in denen viel Holz verbrannt wird, das Krebsrisiko deutlich steigt.

Höhere Feinstaubbelastung durch das Verbrennen von Holz

In Deutschland sind elf Millionen Kamin- und Kachelöfen sowie eine Million Pelletheizungen in Betrieb. Das Umweltbundesamt klärt auf seiner Webseite ausführlich über das richtige Verbrennen von Holz auf, um die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen zu minimieren. „Bei der Verbrennung von Holz entstehen neben Treibhausgasen auch gesundheitsgefährdende Luftschadstoffe wie Staub, organische Kohlenwasserstoffe wie Polyzyklisch Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), Stickoxide, Kohlenstoffmonoxid und Ruß“, erklärt das UBA. Weiterhin wird erläutert, dass PAKs „geruchstragende Schadstoffe, die durch unsere Nase wahrgenommen werden können. Einige dieser PAKs sind krebserregende, erbgutverändernde und/oder fortpflanzungsgefährdende Schadstoffe.“

Forscher des Leibniz Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) haben in einer aktuellen Untersuchung in Sachsen genau diese PAKs nachgewiesen. Sie analysierten ein Jahr lang die Luftqualität in dem Dorf Melpitz an zwei verschiedenen Standorten: im Dorfzentrum und außerhalb des Ortes auf den umliegenden Feldern. In dem Dorf mit 63 Haushalten gaben 33 Prozent der Befragten* an, dauerhaft mit Holz zu heizen. (*46 Prozent der Haushalte haben auf die Umfrage der Forschenden geantwortet. Für die restlichen 54 Prozent gab es also keine Daten.)

Ein Kamin sorgt für eine kuschelige Atmosphäre. Doch Forscher warnen vor gesundheitlichen Risiken. 

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die Auswirkungen von Emissionen durch Holzverbrennung bisher unterschätzt wurden. Sie stellten einen „erheblichen Überschuss“ an Feinstaubpartikeln in der Luft im Dorfzentrum im Vergleich zum Umland fest. Sie äußern die Befürchtung, dass die zunehmende Beliebtheit von Holzheizungen, insbesondere als klimafreundliche Alternative zu Öl und Gas, zu einem bedenklichen Anstieg der gesundheitsschädlichen Partikel im ganzen Land führen könnte. Die Gefahr durch die PAKs in der Luft sei „ungefähr halb so hoch wie durch Verkehrsunfälle“. Die Autoren der Studie fordern weitere, langfristig angelegte Studien, um das Risiko genauer einschätzen zu können.

Neue Regeln für das Heizen mit Holz gefordert

Dominik van Pinxteren von TROPOS, einer der Autoren der Studie, betonte gegenüber der britischen Zeitung The Guardian: „Das Heizen mit Holz in Privathaushalten kann zu erheblicher Luftverschmutzung führen, selbst in kleinen Dörfern. Die Emissionen finden dort statt, wo Menschen leben. Jeder – von jung bis alt – ist zwangsläufig betroffen, denn wir alle atmen die gleiche Luft.“ Er fügte hinzu, dass diese Emissionen derzeit nicht ausreichend überwacht würden.

Die Autoren der TROPOS-Studie fordern Maßnahmen zur weiteren Reduzierung der Emissionen durch Holzheizungen. Dies sollte sowohl durch gesetzliche Vorschriften als auch durch technische Weiterentwicklungen, wie verbesserte Feinstaubfilter, erreicht werden.

Seit Anfang 2023 gibt es eine weltweite Kampagne, die das Bewusstsein für die Schäden, die durch Holzheizungen verursacht werden können, schärfen soll. „Je mehr schädliche Feinstaubverschmutzung Sie ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie an Herz- oder Lungenerkrankungen oder Lungenkrebs sterben. Es kann auch Diabetes verursachen, Ihre Gehirngesundheit beeinträchtigen und zu Demenz führen sowie ungeborene Kinder beeinflussen“, warnt der Clean Air Hub auf seiner Webseite.

In Deutschland sind die gesetzlichen Bestimmungen für Holzöfen bereits streng und werden in diesem Jahr noch weiter verschärft. Bis Ende 2024 besteht insbesondere für ältere Holzheizungen eine Nachrüstpflicht, um die Feinstaubbelastung weiter zu reduzieren. Diese Pflicht zur Nachrüstung oder Stilllegung gilt für Öfen, die zwischen Januar 1995 und 21. März 2010 in Betrieb genommen wurden.

Rubriklistenbild: © imago

Kommentare