Zoll-Konflikt

„BuyFromEU“: Trump-Gegner boykottieren US-Marken in deutschen Supermärkten

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Mit seiner Zollpolitik sorgt Trump bei vielen Europäern für Ärger. Ist ein Boykott von amerikanischen Produkten eine Lösung? Das sagt die Expertin.

Brüssel – In Dänemark markiert eine der größten Supermarktketten in Zukunft europäische Produkte. In deutsche Supermärkte sind manchmal Artikel auf den Kopf gestellt. Nicht vom Supermarktbetreibern selbst, sondern von Menschen, die ein Zeichen gegen die us-amerikanischen Zölle setzen und auf die Herkunft der Produkte aufmerksam machen wollen. Ein Protest, der auf die US-Unternehmen kaum eine Auswirkung habe, sagt Wirtschaftswissenschaftlerin Samina Sultan.

Aufgrund von Trump und seiner Politik will eine Internetbewegung ausschließlich EU-Marken kaufen

Im Internetforum Reddit haben sich unter dem Namen „BuyFromEU“ über 200.000 Nutzer zusammengefunden. „Eine Gemeinschaft, die sich der Unterstützung von in Europa hergestellten Produkten und Dienstleistungen widmet!“, steht in der Beschreibung. Es geht nicht mehr nur darum, bestimmte Marken zu boykottieren, wie es etwa bei Tesla seit Trumps Amtseinführung der Fall ist. Gepostet werden sowohl Aktionen aus lokalen Supermärkten, Tipps zu Alternativen als auch Anfragen, ob andere Nutzer gute Ersatzprodukte aus europäischer Produktion kennen.

The people in my part of town got the message...
by u/amethystextravaganza in BuyFromEU

Ob die Aktion wirklich den europäischen Markt unterstützt, bezweifeln einige Nutzer und externe Kritiker. Eine amerikanische Marke kann in einem europäischen Land produzieren und sichert Arbeitsplätze. Das sagt auch Ökonomin Samina Sultan, die am Institut der deutschen Wirtschaft für europäische Wirtschafts- und Fiskalpolitik sowie Außenhandel zuständig ist.

Produktionshintergrund von Artikeln und Produkten oft nicht transparent genug

„Ich kann verstehen, dass die aktuelle Situation vielen Menschen Angst macht und dass man etwas tun möchte“, so Sultan. Im Privaten seien gerade Marken wie Coca-Cola oder McDonalds, die für den amerikanischen „Way of Life“ stehen, ein logisches Ziel für einen Marken-Streik. „Natürlich schmälert so eine Aktion den Gewinn des Konzerns in den USA, aber die lokalen Auswirkungen – wie etwa Stellenstreichungen – sollten nicht außer Acht gelassen werden“, sagt die Wirtschaftsexpertin.

Samina Sultan sieht in den Trump-Zöllen die Chance, dass der europäische Binnenmarkt gestärkt wird. Das müsse aber eine politisch passieren und nicht durch privaten Boykott von US-Marken.

Und wer die USA boykottieren möchte, muss mehr tun, als nur auf Marken zu verzichten. Deutschland importiert zum Beispiel Sojabohnen oder Getreide aus den Staaten, um daraus Lebensmittel zu verarbeiten. Das Prinzip lässt sich auch in anderen Bereichen anwenden. „Ich wüsste nicht, wo die Vorleistungen und Rohstoffe für meinen Fernseher alle herkommen“, sagt Sultan. Wer wirklich auf jegliche us-amerikanischen Produkte verzichten wolle, müsse oft intensive Recherche betreiben.

Gegen die US-Zölle könne nur die Antwort aus der EU-Politik helfen, sagt die Expertin

Was die Situation für die Verbraucherinnen und Verbraucher betrifft: „Wir konsumieren aktuell weniger und haben im Land einen Handelsüberschuss. Die Unsicherheit auf Verbraucherebene ist da – gerade wegen der Zölle.“ Die Antwort sei aus Sultans Sicht daher nicht auf individueller Ebene zu finden, sondern in einem starken europäischen Zusammenhalt auf politischer Ebene. Bei der Verteidigung gäbe es diese Entwicklung ja bereits. „Es wäre zu wünschen, dass es für die Handelspolitik das Gleiche bedeutet“, sagt die Ökonomin.

Helfen würde es, erklärt sie weiter, wenn der EU-Binnenmarkt gestärkt und dort Hindernisse abgebaut werden. „Ich würde aber nicht dafür plädieren, dass wir uns im Umkehrschluss abschotten, sondern, dass wir durchaus den Handel zu Drittstaaten, wie etwa südamerikanischen Staatenbund, Kanada oder etwa Mexiko führen.“

Eine Einigung auf eine Antwort der EU zu den Trump-Zöllen gab es zuletzt: Ab dem 15. April treten erste Strafzölle auf US-Waren in Kraft. Dass bei den Gegenmaßnahmen US-Digitalkonzerne ins Visier genommen werden, befürwortet Sultan. Die EU könne etwa verschärft Sanktionen bei Datenschutz-Verstößen von Konzernen wie Meta, Google oder Amazon nutzen.

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