VonSteffen Herrmannschließen
Bahn-Vorstand Seiler will mit einem intelligenten Vorschlag die Eskalation des Tarifkonflikts verhindern, setzt damit aber die Gewerkschaft GdL und deren Chef Weselsky unter Druck. Ein Kommentar.
Baden-Baden – Es ist ein gescheiter Vorschlag, den Bahn-Vorstand Martin Seiler der Lokführergewerkschaft GDL am Freitag gemacht hat und das in mehrfacher Hinsicht. Die Reisenden würden ebenso profitieren wie die Beschäftigten, wenn DB und GDL unter Vermittlung eines Konfliktberaters an einem guten Tarifvertrag arbeiten würden – konzentriert und ergebnisorientiert, ohne Streiks und ohne medienwirksamen Zank. Für die Weihnachtsfeiertage hieße das: Entwarnung, die Züge fahren. Oma und Opa können, wenn auch wohl mit der üblichen Verspätung, zum Kuchenessen kommen.
Wahrscheinlich wird, davon gehen viele aus, am Ende der möglicherweise monatelangen Auseinandersetzung ohnehin ein echter Schlichterspruch stehen. So war es zuletzt auch bei der GDL-Konkurrentin EVG, als DB-Vorstand Seiler sehr lange brauchte, bis er der Gewerkschaft ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegte. Nun könnte es schneller gehen.
So einfach wird es Claus Weselsky der Bahn aber nicht machen. Für den 64-jährigen GDL-Vorsitzenden ist es die letzte Tarifrunde, er will sich mit einem guten Abschluss verabschieden. Weselsky scheut Konflikte nicht und nimmt schlechte Presse in Kauf, die Streiks in der Weihnachtszeit mit sich bringen würden. Warum also sollte er auf dieses Instrument verzichten?
