Tarifkonflikt

Bahn rollt Notfahrplan für Bahnstreik aus – Kommunen werfen GDL „Egoismus“ vor

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Ab Donnerstagabend wird es bis Freitagabend zu massiven Zugausfällen kommen. Die Gewerkschaft GDL hat kurzfristig einen Bahnstreik angekündigt. 

Update vom 8. Dezember,14.30 Uhr: Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat am Freitag bundesweit zu massiven Beeinträchtigungen im Zugverkehr geführt. Im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr gab es zahlreiche Verspätungen und Zugausfälle – der Notfahrplan der Deutschen Bahn sicherte nur ein „sehr begrenztes Zugangebot“, wie das Unternehmen mitteilte. Die Bahn warnte zudem, dass es nach Streikende am Samstag voraussichtlich zu sehr hohen Auslastungen kommen werde.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warf der GDL deshalb Egoismus zu Lasten des Landes vor. „Die Interessen dieser kleinen Gewerkschaft sind offenbar wichtiger als Funktionsfähigkeit des ganzen Landes“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Bild. Der Warnstreik sei „viel zu kurzfristig angesetzt worden“, Bürger und Kommunen hätten praktisch keine Zeit gehabt, „sich umzustellen“.

Der Warnstreik auf der Schiene hat am Donnerstagabend bundesweit begonnen.

GDL-Chef Claus Weselsky verteidigte den Streik. „So leid mir das für die Kunden tut, aber wir haben derzeit keine andere Wahl“, sagte er der Düsseldorfer Rheinischen Post. Der Gewerkschafter sieht die Absenkung der Arbeitszeit als Maßnahme zur Personalgewinnung. Zudem seien das Deutsche-Bahn-Management und Personalvorstand Martin Seiler nicht bereit, über die Tarifverträge für Fahrdienstleiter zu verhandeln.

Mehrheit in Deutschland hat kein Verständnis für Bahnstreik der GDL

Update vom 8. Dezember,11.20 Uhr: Ein Großteil der Menschen in Deutschland hat einer Umfrage zufolge kein Verständnis für den Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). 59 Prozent von insgesamt rund 3700 Befragten antworteten entsprechend in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die am Freitag veröffentlicht wurde. 30 Prozent hingegen äußerten Verständnis für den Arbeitskampf.

Der Schriftzug „GDL-Streik: Bahnverkehr bis zum Tagesende des 08.12. massiv beeinträchtigt“ ist an einem Bahnsteig am S-Bahnhof Hackerbrücke zu sehen.

Jüngere Menschen zeigten sich demnach nachsichtiger als ältere. Der Anteil der Verständnisvollen lag bei den 25- bis 34-Jährigen in der Umfrage bei rund 38 Prozent. Bei Befragten ab 55 Jahren war es lediglich jeder Vierte. Die GDL hatte von Donnerstag- bis Freitagabend zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen, in dessen Folge der Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn aktuell stark beeinträchtigt ist.

Bahn-Streik der GDL: Starke Einschränkungen in Bayern – Nur Notfallplan

Update vom 8. Dezember, 9.40 Uhr: Der Warnstreik bei der Deutschen Bahn hat am Freitagmorgen auch in Bayern im Fern- und Regionalverkehr zu starken Einschränkungen geführt. Bis zum Tagesende komme es bundesweit zu Verspätungen und Zugausfällen, teilte die Deutsche Bahn am Morgen mit. Demnach werde lediglich ein Notfahrplan mit einem stark reduzierten Angebot an Fahrten angeboten. Insbesondere in Bayern, wo die Bahn weiter mit den Auswirkungen des Schneechaos zu tun hat, dürften weniger Züge unterwegs sein, hieß es.

Der Warnstreik bei der Deutschen Bahn hat am Freitagmorgen auch in Bayern im Fern- und Regionalverkehr zu starken Einschränkungen geführt (Symbolbild).

Die Münchner S-Bahn fuhr am Freitagmorgen nach Angaben der Bahn auf den meisten Linien wegen des Warnstreiks nur im Stundentakt. Die S2 war alle 40 Minuten unterwegs, die S8 zum Flughafen alle 20 Minuten. Bei den Regionalzügen der Bahn fielen die meisten Verbindungen dagegen aus. Bei privaten Bahnunternehmen wie Go-Ahead und Agilis waren am Morgen die meisten Züge unterwegs. Einschränkungen gab es nur auf den Strecken, an denen auch die Fahrdienstleiter der Bahn streikten.

Streik sorgt für massive Beeinträchtigungen bei der Bahn

Update vom 8. Dezember, 6.40 Uhr: Seit Donnerstagabend läuft der Streik der GDL bei der Bahn. Mit Betriebsbeginn am frühen Freitagmorgen sind seine Auswirkungen besonders spürbar. „Im gesamten Fern- und Regionalverkehr kommt es zu massiven Beeinträchtigungen durch den GDL-Streik“, teilte die Bahn am Morgen mit. „Der Notfahrplan für den DB-Personenverkehr ist angelaufen.“ Im Fernverkehr sei wie angekündigt rund jeder fünfte Zug unterwegs.

„Viele Fahrgäste haben ihre Reise vorgezogen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben können“, hieß es. Die Bahnhöfe seien am frühen Morgen weitgehend leer. Eine Spitze gegen die GDL konnte sich die Bahn nicht verkneifen: „Dieser Streik wurde äußerst kurzfristig angekündigt, und trotzdem konnten wir rechtzeitig unseren Notfahrplan aufstellen.“

Update vom 7. Dezember, 20:11 Uhr: Streik-Beginn, Teil eins: Arbeitsniederlegung im Güterzugverkehr seit 18 Uhr. Der von Privatpersonen zunächst weniger beachtete Teil des GDL-Streiks könnte dabei noch länger zu spüren sein: Während der um 22 Uhr stoppende Personenverkehr aller Voraussicht nach am Samstag (9. Dezember) wieder weitestgehend normal ablaufen wird, dürften sich die Auswirkungen im Güterverkehr noch über das Wochenende hinaus strecken. Schon in den Tagen vor dem Warnstreik stauten sich aufgrund des heftigen Schneefalls in Bayern Hunderte Güterzüge, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte. Der Arbeitskampf dürfte das Chaos vergrößern.

Bahn-Streik: Zugverkehr in Bayern massiv beeinträchtigt

Update vom 7. Dezember, 15.03 Uhr: Der neuerliche Warnstreik der Lokführergewerkschaft GDL wird den regionalen Zugverkehr der Deutschen Bahn in Bayern stark beeinträchtigen. Die DB Regio geht davon aus, dass die 24-stündige Arbeitsniederlegung der Lokführer ab Donnerstagabend um 22.00 Uhr sich massiv auf den gesamten deutschen Bahnbetrieb auswirken wird. Das teilte ein Sprecher der DB in München mit.

Im Fernverkehr gibt es einen Notfahrplan. Doch werden auch viele Regionalzüge ausfallen: „Im Regionalverkehr ist es das Ziel, ein stark reduziertes Angebot zu fahren“, erklärte der Sprecher. „In welchem Umfang dies möglich ist, unterscheidet sich regional stark.“ Die Münchner S-Bahn will stündlich fahren, auf der S8 zwischen Pasing und Flughafen alle 20 Minuten. Die DB hat eine Telefonhotline eingerichtet, erreichbar unter der Nummer 08000 99 66 33.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) stellen während des Warnstreiks ihre Verbindungen von und nach Bayern ein, wollen jedoch wie gewohnt ihre innerösterreichischen Züge aus Tirol Richtung Salzburg und umgekehrt über Rosenheim fahren lassen. Diese Verbindung liegt zwar auf bayerischem Territorium, wird aber seit jeher auch von der ÖBB genutzt.

Nicht gestreikt wird bei den privaten Eisenbahngesellschaften, die auf mehreren wichtigen Strecken fahren. Die Unternehmen wollen ihren Zugverkehr so weit möglich in vollem Umfang aufrecht erhalten, könnten aber indirekt getroffen werden, falls auch Stellwerker oder Fahrdienstleiter der DB Netz nicht arbeiten.

Weselsky: Warnstreiks im Januar werden intensiver und länger

Update vom 7. Dezember, 14.25 Uhr: Bahnfahrer brauchen derzeit ohnehin gute Nerven angesichts von Wetterchaos und Warnstreiks - und es wird vermutlich so schnell nicht besser werden, wenn man GDL-Gewerkschaftschef Claus Weselsky Glauben schenkt. Für die Zeit nach den Weihnachtsferien kündigte er im Bayerischen Rundfunk (BR) am Donnerstag längere und intensivere Streiks an. Der Vorstand der Deutschen Bahn sei „mindestens zu 50 Prozent verantwortlich und heizt den Konflikt an“, sagte Weselsky.

Weselsky betonte die Notwendigkeit des neuen Warnstreiks, der von Donnerstagabend bis Freitagabend dauern soll: Die Bahn mit Personalvorstand Martin Seiler lehne „die Verhandlungen über die Absenkung der Wochenarbeitszeit ab, er lehnt Verhandlungen über Tarifverträge für Fahrdienstleiter ab“. Das Argument der Bahn, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit sei wegen Personalmangels nicht möglich, lässt Weselsky nicht gelten. Man müsse über Ursache und Wirkung nachdenken: „Ursache ist, dass das Schichtsystem als solches unattraktiv ist.“ Heute legten die Menschen Wert auf Lebensqualität, auf die berühmte Work-Life-Balance.

Der GDL-Vorsitzende versicherte im Radiosender Bayern2, dass der aktuelle Warnstreik in diesem Jahr der letzte sein wird: „Wir werden am 19. Dezember die Urabstimmung auszählen und in der ersten Januarwoche auch nicht streiken, aber danach werden die Streiks länger und intensiver.“ Das wünsche er allerdings weder den Fahrgästen noch den Güterverkehrskunden.

Update vom 7. Dezember, 13.30 Uhr: Die Fahrgastverbände und Deutsche Bahn murren über die kurzfristige Ankündigung des Warnstreiks. Doch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verteidigt sich: Sie will mit dem Bahn-Streik unter anderem der Forderung nach einer Arbeitszeitsenkung für Schichtarbeiter Nachdruck verleihen.

Bahn-Streik der GDL: Gewerkschaftschef Weselsky mit harscher Kritik – „Arbeitgeberseite hat null Lösung“

„Seit zwei Jahren fehlt es der Bahn an neuen Auszubildenden“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky im Interview mit tagesschau24. „Das heißt, wir wissen jetzt schon, dass gar nicht mehr genügend den Beruf ergreifen wollen, aber die Arbeitgeberseite hat null Lösung“, so Weselsky. Die Bahn müsse die Wochenarbeitszeit stufenweise reduzieren, um das Schichtsystem gerade für jüngere Menschen wieder attraktiver zu machen. Doch genau dort sieht die Bahn keinen Verhandlungsspielraum und Weselsky erklärte die Tarifverhandlungen für gescheitert.

Bahn-Streik am Donnerstag und Freitag: Notfallplan online

Update vom 7. Dezember, 12:45 Uhr: Der Notfahrplan der Deutschen Bahn für den Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist inzwischen online verfügbar. „In den Auskunftsmedien auf bahn.de und in der App DB Navigator sind ab sofort alle Verbindungen des Notfahrplans abrufbar“, teilte der Konzern am Vormittag mit. Zudem habe die Bahn erneut eine Streik-Rufnummer eingerichtet. Unter 08000-996633 könnten sich betroffene Fahrgäste über ihre Verbindungen informieren.

Warnstreik der GDL: Massive Zugausfälle am Donnerstag und Freitag

Berlin – Schon wieder Warnstreik, schon wieder Tausende Zugausfälle: Der Arbeitskampf der Lokführergewerkschaft GDL wird den Bahnverkehr am Donnerstagabend und am Freitag heftig treffen. Die Deutsche Bahn rät ihren Kunden, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten oder diese zu verschieben. Für den Fernverkehr hat der Konzern einen Notfahrplan erstellt, im Regionalverkehr dürften die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein. Die wichtigsten Informationen im Detail:

Eine Zugbegleiterin geht in der Nähe des Rostocker Hauptbahnhofs zu einem abgestellten Zug. (Archivbild)

Wann genau findet der Warnstreik statt?

Offizieller Beginn des Warnstreiks im Personenverkehr ist an diesem Donnerstag um 22.00 Uhr. Fahrgäste sollten sich aber bereits in den Stunden davor auf Zugausfälle einstellen. Die Bahn hat bei den vorherigen Warnstreiks so versucht, die Züge dort abzustellen, wo sie nach dem Ausstand gebraucht werden. Der Arbeitskampf soll laut GDL bis Freitag, 22.00 Uhr, dauern. Im Güterverkehr beginnt der Arbeitskampf bereits um 18.00 Uhr am Donnerstagabend.

Streik der GDL: Ist nur die Deutsche Bahn betroffen?

Nein. Zur Arbeitsniederlegung aufgerufen sind die Beschäftigten der Deutschen Bahn, einschließlich der S-Bahn-Betriebe in Berlin und Hamburg, sowie der Eisenbahnunternehmen Transdev, AKN und City-Bahn Chemnitz sowie weiterer Unternehmen.

Sowohl im Fern-, im Regional- als auch im Güterverkehr ist daher bundesweit mit erheblichen Behinderungen zu rechnen. Die Deutsche Bahn will wie beim ersten GDL-Warnstreik wieder rund 20 Prozent des Fernverkehrs aufrechterhalten. In Bayern wird das nach Angaben des Konzerns jedoch nicht möglich sein, weil man dort noch mit den Folgen des starken Schneefalls zu tun habe.

Welche Regionen sind vom Streik besonders betroffen?

Erfahrungsgemäß sind insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern sowie im Südwesten viele Beschäftigte bei der GDL organisiert. Dort dürfte daher im Regionalverkehr vielerorts nichts mehr gehen. „Im Regionalverkehr ist es das Ziel, ein stark reduziertes Angebot zu fahren. In welchem Umfang dies möglich ist, unterscheidet sich regional stark“, teilte die DB mit.

Wo kann ich mich über meinen Zug informieren? 

Ob ein Fern- oder Regionalzug fährt oder nicht, lässt sich in der Regel über die Bahn-App oder die Internetseite der Bahn einsehen. Laut DB soll der Notfahrplan dort ab Donnerstagnachmittag hinterlegt sein. Für individuelle Auskünfte wurde eine Streikhotline eingerichtet (08000 99 66 33).

Warnstreik: Was passiert mit meinem Ticket? 

Alle Fahrgäste, die ihre für den 7. oder 8. Dezember geplante Reise aufgrund des Streiks verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. „Die Zugbindung ist aufgehoben. Die Fahrkarte gilt dabei für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort auch mit einer geänderten Streckenführung“, hieß es.

Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden. Zudem haben Fahrgäste im Rahmen einer Sonderkulanz auch die Möglichkeit, ihre Reise vorzuverlegen und bereits am Donnerstag vor Streikbeginn zu fahren. Fällt der gebuchte Zug aus, ist auch eine komplette Ticketerstattung möglich.

Warnstreik: Was passiert mit meinem Ticket? 

Die Gewerkschaft will in der aktuellen Tarifrunde vor allem eine Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden erkämpfen. Die Bahn lehnt das rigoros ab. GDL-Chef Claus Weselsky erklärte die Verhandlungen daher für gescheitert und kritisierte, dass mit dem bundeseigenen Konzern keine Kompromisse zu finden seien.

Zusätzlich zur Arbeitszeitabsenkung fordert die Gewerkschaft 555 Euro mehr pro Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie. Die Bahn hatte elf Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von 32 Monaten angeboten sowie ebenfalls die Inflationsausgleichsprämie.

Wann kommt der nächste Streik – noch vor Weihnachten?

Nein. Die GDL hat inzwischen klar gesagt, dass der Arbeitskampf in dieser Woche der letzte bis einschließlich 7. Januar 2024 sein werde.

Für die Zeit danach ist aber völlig offen, wie der Tarifkonflikt weitergeht. Die Gewerkschaft will am 19. Dezember das Ergebnis einer Urabstimmung unter den Mitgliedern verkünden. Wenn mehr als 75 Prozent der Abstimmungsteilnehmer für unbefristete Streiks stimmen, dürfte die Gewerkschaft zu deutlich längeren Arbeitskämpfen aufrufen.

Mit Material der dpa und AFP

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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