Tesla scheitert bei Test spektakulär - Potentiell tödliche Folgen beim autonomen Fahren
VonChristoph Elzer
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Teslas Cybercab soll Taxi-Welt zu transformieren. Jedoch haben Fachleute massive Sicherheits-Bedenken. Ein YouTuber verdeutlicht die Gefahren auf eindrucksvolle Weise.
Austin – Die Vorstellung, dass jemand eine Straße auf eine Wand malt und ein anderer dagegenfährt, klingt wie ein Witz aus einer Comic-Serie. Doch im Gegensatz zu den Abenteuern von Roadrunner und Kojote hätte dies im echten Leben ernsthafte Konsequenzen. Ein Experiment verdeutlicht an diesem Beispiel, wie gefährlich Teslas Technik sein könnte.
Bereits 2016 wurde das Problem mit Teslas Autopilot deutlich
Im Mai 2016 ereignete sich in den USA ein schwerer Unfall, bei dem ein Tesla Model S ungebremst unter einen LKW-Aufleger fuhr. Der Fahrer kam ums Leben, als das Fahrzeug völlig zerstört wurde. Ermittlungen ergaben, dass der Tesla zum Unfallzeitpunkt autonom fuhr und die Bremsen nicht ausgelöst wurden.
Die Untersuchung zeigte, dass die Technik des Fahrzeugs eine entscheidende Schwäche aufwies: Teslas Autopilot verlässt sich auf Bildmaterial von mehreren Kameras, die die Umgebung des Autos erfassen. Anhand dieser Bilder berechnet die Software den Fahrweg, erkennt Verkehrszeichen und Hindernisse.
Warum bremste das Auto dann nicht, als der LKW plötzlich vor ihm auftauchte? Die Antwort ist einfach und beunruhigend: Die hochstehende Sonne blendete die Kameras des Tesla, sodass sie den weißen Aufleger nicht erkannten. Die Kameras übersahen das große Fahrzeug schlichtweg.
Tesla setzt auf Kameras – Musk zieht Vergleich zu Menschen
In den letzten neun Jahren hat Tesla die Software des Autopiloten natürlich kontinuierlich verbessert. So scheint Gegenlicht inzwischen deutlich besser verarbeitet zu werden. Doch das grundlegende Problem bleibt: Teslas verlassen sich ausschließlich auf optische Erfassung. 2021 twitterte Elon Musk, dass dies ausreichend sei, da Menschen ebenfalls nur mit Augen und Gehirn ihre Umgebung wahrnehmen. Die Kombination aus Kameras und Software sei dem gleichwertig.
Dabei übersieht Musk den eigentlichen Zweck von Assistenzsystemen: Sie sollen menschliche Schwächen ausgleichen und das Fahren sicherer machen. Dies gilt für einfache Systeme wie Spurhalte- oder Notbremsassistenten ebenso wie für autonomes Fahren.
Andere Autohersteller kombinieren Kameras daher mit Lidar, einem speziellen Radar, der die Umgebung „abtastet“. Lidar misst die Lichtreflexion von Hindernissen und erkennt sie unabhängig von ihrem Aussehen. Im Gegensatz zu Kameras oder Menschen unterliegt Lidar nicht optischen Täuschungen.
Gefährliche Täuschung der Kameras mit potenziell tödlichen Folgen
Der YouTuber Mark Rober hat nun eindrucksvoll gezeigt, wie riskant Teslas Fokus auf Kamerabilder sein kann. Er testete die Hinderniserkennung eines Teslas und eines Lidar-Autos. Beide Fahrzeuge stoppten unter idealen Wetterbedingungen rechtzeitig vor einer Puppe eines „Kindes“. Doch schon bei simuliertem Nebel oder starkem Regen erkannte der Tesla das Hindernis nicht mehr und fuhr das „Kind“ einfach um. Der Lidar hingegen machte keinen Fehler.
Die Schwächen der Tesla-Kameras wurden besonders beim letzten Versuch deutlich. Rober platzierte eine Styropor-Mauer quer über die Straße und druckte auf diese ein Foto der Straße. Auf den ersten Blick sah es also so aus, als würde die Straße einfach weitergehen. Dass dem in Wirklichkeit nicht so ist, erkannte das Lidar-Auto problemlos und bremste rechtzeitig vor dem Hindernis. Der Tesla hingegen ließ sich von der Optik täuschen und fuhr ungebremst gegen die Mauer, da die Kameras die aufgemalte Straße für echt hielten. Erst im Moment der Kollision, also viel zu spät, griff das Notbremssystem ein, da es durch die Aufprall-Sensoren des Fahrzeugs ausgelöst worden war..
Selbstfahrendes Tesla Cybercab soll die Taxi-Branche verändern
Ein solcher Versuch ist zwar nicht direkt mit der Realität vergleichbar, zeigt aber die grundsätzlichen Gefahren, die von Fahrzeugen ausgehen, die nur mit Kameras arbeiten. Besonders kritisch ist dies bei Teslas Plänen für vollständig autonome Taxis. Das im Oktober 2024 vorgestellte „Cybercab” soll ab 2027 in amerikanischen Städten eingesetzt werden und das Transportwesen revolutionieren.
Branchenexperten bezweifeln jedoch, dass das Cybercab diese Innovation sein wird. John Colantuoni vom Branchen-Analysten Jefferies bezeichnete das Robotaxi als „zahnlos“ und glaubt nicht, dass Uber oder Lyft es fürchten müssen.
Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?
Besonders die Sicherheit beim autonomen Fahren bereitet Sorgen. Paul Miller von Forrester meint, dass der Verzicht auf Lenkrad und Pedale die Zulassung erschweren könnte. Sicherheits-Experte Dan O’Dowd sagt: „Elon Musk hat jedes Jahr seit 2014 versprochen, dass Tesla FSD [full self-driving] ‚dieses Jahr’ realisiert. Jetzt hat er gesagt, dass FSD bis Ende 2025 verschoben wurde. Dieses Datum wird wieder verschoben werden, wie die letzten zehn Jahre auch schon.“
Mark Robers Experiment demonstriert eindrucksvoll, warum Experten solche Zweifel an der Sicherheit des Cybercab haben.