VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Offenbar plant Thyssenkrupp einen tiefgreifenden Umbau. Dies soll einen Stellenabbau zur Folge haben. Zuletzt brach der Gewinn erheblich ein.
Essen – Die Stahlindustrie in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. Während weltweit Überkapazitäten bestehen, hat die Nachfrage innerhalb der EU stark abgenommen. Dennoch strömen große Mengen an Importen auf den Markt. Die aggressive Zollpolitik der USA und Chinas verschärft die Krise in der Branche weiter, warnte die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Auch das Branchen-Schwergewicht Thyssenkrupp spürt diese Entwicklungen und ergreift neue Maßnahmen.
Weitreichende Umstrukturierung bei Thyssenkrupp – wegen neuer Verkäufe?
Der Industrie- und Technologiekonzern Thyssenkrupp steht offenbar vor einem tiefgreifenden Umbau. Berichten zufolge plant der Vorstand, das Unternehmen in eine Finanzholding zu transformieren, was den Verkauf weiterer Unternehmensbereiche vorbereiten könnte. Die Bild am Sonntag berichtete unter Berufung auf interne Quellen, dass die Zentrale von derzeit 500 auf 100 Mitarbeiter reduziert werden soll. Auch in der Verwaltung, die derzeit etwa 1.000 Beschäftigte umfasst, sind Kürzungen vorgesehen.
Neben dem Verkauf der Stahlsparte plant Thyssenkrupp angeblich auch Veränderungen beim Stahlhandel. Diese Sparte, die zuletzt einen Jahresumsatz von 12,1 Milliarden Euro erzielte und rund 16.000 Mitarbeiter beschäftigt, soll an die Börse gebracht werden.
„Widerstände nicht zu erwarten“ – Entscheidungen bei Thyssenkrupp stehen noch aus
Die Umstrukturierungen könnten auch die Autozulieferer-Sparte betreffen. Ein Manager sagte der Bild am Sonntag, im besten Fall bleibe „nur ein Rumpf“. Der Aufsichtsrat muss die Pläne jedoch noch genehmigen, bevor sie umgesetzt werden können. Dennoch seien „größere Widerstände nicht zu erwarten“, so Unternehmenskreise gegenüber der Bild. „Es sollte also so durchgehen.“ Ein Konzernsprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass eine Veränderung der Handelstochter „nicht ausgeschlossen“ sei und es regelmäßig Anpassungen gebe.
Die möglichen Veränderungen könnten erhebliche Auswirkungen auf den Konzern haben. Laut Bild stehen 70 Prozent des aktuellen Jahresumsatzes auf dem Spiel, und mehr als die Hälfte der derzeit 98.000 Mitarbeiter könnten betroffen sein. Ein Insider soll der Bild-Zeitung gesagt haben: „Am Ende wird Thyssenkrupp praktisch aufgelöst.“
Gewinnrückgang in einem „anhaltend schwierigen“ Marktumfeld
Bereits Mitte Mai meldete Thyssenkrupp einen deutlichen Rückgang der Gewinne. Der Konzern bezeichnete diese Entwicklung als „erwartungsgemäß“. Sein Auftragseingang fiel von 8,6 Milliarden Euro auf 8,1 Milliarden Euro. Der Umsatz sank „aufgrund rückläufiger Preis- und Nachfrageeffekte“ auf 8,6 Milliarden Euro, verglichen mit 9,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBIT brach um etwa 90 Prozent ein, von 184 Millionen Euro auf 19 Millionen Euro.
Miguel López, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG, erklärte: „Das Geschäftsjahr 2024/2025 entwickelt sich für thyssenkrupp so, wie wir es prognostiziert haben: strategisch als ein Jahr der Entscheidungen, finanziell als Übergangsjahr.“ Der Konzern mache beim Portfolio Fortschritte, und die „Vorbereitungen für die Verselbstständigung“ des Marine-Geschäfts liefen auf Hochtouren.
Thyssenkrupp betonte in derselben Mitteilung, dass „entschlossen“ an der Neuausrichtung von Steel Europe gearbeitet werde. Das Unternehmen nannte ein „anhaltend schwieriges“ Marktumfeld als Herausforderung, erwartet jedoch im zweiten Halbjahr ein stabileres Umfeld und positive Effekte aus den eingeleiteten Maßnahmen. (Laernie mit Material von AFP)
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