Versorgung im Alter

Top-Ökonomen fordern: Renten-Erhöhung könnte künftig ausbleiben

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Top-Ökonomen empfehlen rigorose Rentner-Maßnahmen: Die „Rente mit 63“ soll enden und Altersbezüge sinken. Einen Vorschlag betrachten die Experten jedoch skeptisch.

Berlin – Bisher können sich Rentnerinnen und Rentner darauf verlassen, dass ihre monatlichen Bezüge jährlich steigen. Grund ist, dass die Renten an die Entwicklung der Löhne und Gehälter gekoppelt sind. Damit profitieren die Menschen im Ruhestand weiterhin von der wirtschaftlichen Entwicklung. Doch wenn es nach den wichtigsten Ökonomen des Landes geht, steht bald eine Reform der Regeln an. Dann könnten Rentenerhöhungen in einzelnen Jahren ausbleiben.

Fünf führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute fordern Anpassungen bei der Rente. Einen Plan von Kanzler Friedrich Merz lehnen sie jedoch ab.

Die bereits heute gezahlten Renten sollten künftig langsamer steigen als die Löhne und Gehälter der Beschäftigten, fordern Fachleute der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer „Gemeinschaftsdiagnose“. Das sei „etwa mit der Inflationsrate“, an die die Renten gekoppelt werden könnten, möglich, zitiert das Portal Ihre-Vorsorge.de aus dem Papier.

Rente soll langsamer steigen – um Beiträge für Arbeitnehmer zu stabilisieren

Produktivitätsfortschritte könnten dann zur Stabilisierung der Rentenbeiträge genutzt werden. Denn mit der derzeit geplanten Stabilisierung des Rentenniveaus würden die Beiträge schon bald über 20 Prozent des Gehalts steigen. „Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre, den Nachhaltigkeitsfaktor wieder aufleben zu lassen“, heißt es in der Herbst-Diagnose der Institute.

Der Nachhaltigkeitsfaktor der Rentenanpassungsformel soll das Zahlenverhältnis zwischen Rentnerinnen und Rentnern sowie den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern, die das System finanzieren, berücksichtigen. Wenn es mehr Renten-Beziehende als Erwerbstätige gibt, sollen die Renten langsamer steigen.

Um jedoch die Renten wiederum zu schützen, ist durch die Rentengarantie ausgeschlossen, dass die Renten bei der jährlichen Anpassung sinken können. Dazu gibt es die sogenannte Niveauschutzklausel. Diese garantiert, dass das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent im Vergleich zum Durchschnittsgehalt der Arbeitnehmer fällt.

Keine Anreize mehr für frühere Rente – dafür aber für Arbeit im Alter

Um die Sozialversicherungsbeiträge zu stabilisieren, sollten laut den Ökonomen zudem Arbeitsanreize für Ältere gestärkt werden. Umgekehrt fordern sie, Anreize für einen früheren Ruhestand, wie etwa die umgangssprachliche „Rente mit 63“ rückgängig zu machen. Auch „Beschäftigungshemmnisse für Ältere auf dem Gebiet des Arbeitsrechts“ sollten abgebaut werden.

Skeptisch zeigen sich die Ökonomen jedoch gegenüber steuerlichen Anreizen, wie sie die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit der sogenannten Aktivrente plant. CDU, CSU und SPD wollen einen Zuverdienst bis zu 2000 Euro monatlich von der Steuer befreien, wenn Beschäftigte nach Erreichen des Rentenalters weiterarbeiten. Solche Anreize seien jedoch nicht geeignet, „denn die Besteuerung individueller Einkünfte sollte sich an der Leistungsfähigkeit, nicht an der spezifischen Art der Einkünfte orientieren“, erklären jedoch die Ökonomen.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa

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