Traditionsunternehmen wird nach 165 Jahren nahezu komplett abgewickelt – 170 Stellen fallen weg
VonJulian Baumann
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Verschiedene Faktoren führten ein badisches Traditionsunternehmen Ende August in die Insolvenz. Jetzt steht fest, dass die Firma in der bisherigen Form nicht weiter existieren wird.
Wehrle-Werk AG kann nicht als Ganzes gerettet werden – Investor übernimmt nur Teilbereich
In der seit langem anhaltenden Insolvenzwelle ist es meist das oberste Gebot der Insolvenzverwalter, einen Investor für das betroffene Unternehmen zu finden, da viele Betriebe nicht aus eigener Kraft saniert werden können. Das ist dem vom Amtsgericht Freiburg eingesetzten Marc-Philippe Hornung von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz nur bedingt gelungen. Ein französischer Investor übernimmt demnach lediglich den Geschäftsbereich Wasseraufbereitung und die dort beschäftigten 35 Mitarbeiter von Wehrle. Produziert werden soll vorerst weiter in Emmendingen, allerdings nur maximal drei Jahre.
Unternehmen
Wehrle-Werk AG
Gründung
1860 von Wilhelm Wehrle
Hauptsitz
Emmendingen, Baden-Württemberg
Branche
Anlagenbau, Umwelttechnik, Abwasser- und Abfallbehandlung
Mitarbeiter
237 (2022)
Umsatz
50,1 Mio. Euro (2023)
Für den Großteil des Traditionsunternehmens gibt es dagegen keine Hoffnung mehr. Die Geschäftsbereiche Anlagen- und Kesselbau werden demnach aufgegeben und rund 170 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. „Unser Fokus lag stets darauf, das Unternehmen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten“, betonte Rechtsanwalt Hornung. Der vorläufige Insolvenzverwalter konnte aber immerhin erreichen, dass 125 Mitarbeiter der Wehrle-Werk AG in eine Transfergesellschaft wechseln, in der sie für sechs Monate weiterhin 80 Prozent ihres bisherigen Gehalts bekommen. „Alle betroffenen Mitarbeiter haben dieses Angebot angenommen.“
Wehrle-Werk AG in Emmendingen wird mit Rumpfmannschaft vollständig abgewickelt
Mit den verbleibenden Mitarbeitern soll der Betrieb der Wehrle-Werk AG vollständig abgewickelt werden. Für die Wirtschaft in der Kreisstadt zwischen Breisgau, dem Schwarzwald und dem Kaiserstuhl ist das Ende des Traditionsunternehmens ein herber Schlag. Nach der Einstellung der Produktion bleibt die Frage, was mit dem Geschäftsareal am Stadtrand passiert. Manche Teile des Stammwerks stehen schon seit langem leer, für andere hat die Stadt Emmendingen ein Vorkaufsrecht. Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderes Traditionsunternehmen aus dem Kreis Emmendingen angekündigt, die Produktion am Stammsitz einzustellen. (Verwendete Quelle: badische-zeitung.de)