Ende einer Ära

Traditionsunternehmen wird nach 165 Jahren nahezu komplett abgewickelt – 170 Stellen fallen weg

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Verschiedene Faktoren führten ein badisches Traditionsunternehmen Ende August in die Insolvenz. Jetzt steht fest, dass die Firma in der bisherigen Form nicht weiter existieren wird.

Stuttgart – Im Jahresverlauf mussten bereits mehrere traditionsreiche Unternehmen im Zuge einer Insolvenz endgültig aufgeben. Erst kürzlich wurde beispielsweise bekannt, dass ein Metallverarbeitungsunternehmen bereits Ende Oktober den Betrieb eingestellt hat und alle verbleibenden Mitarbeiter gekündigt werden. Ein ähnliches Schicksal erwartet, einem Medienbericht zufolge, nun ein Unternehmen in Baden-Württemberg, das vor über 165 Jahren gegründet wurde und als wichtigster und bedeutendster Arbeitgeber seiner Stadt zählt. Nur für einen kleinen Teil der Belegschaft geht es unter Umständen weiter.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Das familiengeführte Traditionsunternehmen Wehrle-Werk AG in Emmendingen (Baden-Württemberg) hatte Ende August am Amtsgericht Freiburg Insolvenz angemeldet. Als Gründe wurden der Wegfall des Russlandgeschäfts sowie zweier Großaufträge, interne Probleme bei Softwareumstellung und ein Hacker-Angriff auf den 1860 gegründeten Anlagenbauer und Umwelttechnik-Spezialisten. Wie die Badische Zeitung (BZ) vom Insolvenzverwalter erfahren hat, ist das Unternehmen nicht als Ganzes zu retten. „Der November 2025 wird auf traurige Weise in die Emmendinger Stadtgeschichte eingehen“, beginnt die BZ ihren Bericht.

Wehrle-Werk AG kann nicht als Ganzes gerettet werden – Investor übernimmt nur Teilbereich

In der seit langem anhaltenden Insolvenzwelle ist es meist das oberste Gebot der Insolvenzverwalter, einen Investor für das betroffene Unternehmen zu finden, da viele Betriebe nicht aus eigener Kraft saniert werden können. Das ist dem vom Amtsgericht Freiburg eingesetzten Marc-Philippe Hornung von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz nur bedingt gelungen. Ein französischer Investor übernimmt demnach lediglich den Geschäftsbereich Wasseraufbereitung und die dort beschäftigten 35 Mitarbeiter von Wehrle. Produziert werden soll vorerst weiter in Emmendingen, allerdings nur maximal drei Jahre.

UnternehmenWehrle-Werk AG
Gründung1860 von Wilhelm Wehrle
HauptsitzEmmendingen, Baden-Württemberg
BrancheAnlagenbau, Umwelttechnik, Abwasser- und Abfallbehandlung
Mitarbeiter237 (2022)
Umsatz50,1 Mio. Euro (2023)

Für den Großteil des Traditionsunternehmens gibt es dagegen keine Hoffnung mehr. Die Geschäftsbereiche Anlagen- und Kesselbau werden demnach aufgegeben und rund 170 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. „Unser Fokus lag stets darauf, das Unternehmen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten“, betonte Rechtsanwalt Hornung. Der vorläufige Insolvenzverwalter konnte aber immerhin erreichen, dass 125 Mitarbeiter der Wehrle-Werk AG in eine Transfergesellschaft wechseln, in der sie für sechs Monate weiterhin 80 Prozent ihres bisherigen Gehalts bekommen. „Alle betroffenen Mitarbeiter haben dieses Angebot angenommen.“

Die Wehrle-Werk AG (Foto zeigt links den Hauptsitz in Emmendingen) hat als Ganzes keine Zukunft mehr.

Wehrle-Werk AG in Emmendingen wird mit Rumpfmannschaft vollständig abgewickelt

Mit den verbleibenden Mitarbeitern soll der Betrieb der Wehrle-Werk AG vollständig abgewickelt werden. Für die Wirtschaft in der Kreisstadt zwischen Breisgau, dem Schwarzwald und dem Kaiserstuhl ist das Ende des Traditionsunternehmens ein herber Schlag. Nach der Einstellung der Produktion bleibt die Frage, was mit dem Geschäftsareal am Stadtrand passiert. Manche Teile des Stammwerks stehen schon seit langem leer, für andere hat die Stadt Emmendingen ein Vorkaufsrecht. Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderes Traditionsunternehmen aus dem Kreis Emmendingen angekündigt, die Produktion am Stammsitz einzustellen. (Verwendete Quelle: badische-zeitung.de)

Rubriklistenbild: © Wehrle-Werk AG

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