Trump als Retter seltener Erden – Experten erklären, was der US-China-Deal wirklich bringt
VonLars-Eric Nievelstein
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Im Handelskrieg haben China und die USA eine Einigung gefunden. Unter anderem dreht sich alles um die Versorgung mit seltenen Erden. Was folgt daraus?
Washington, D.C. – Donald Trump hat den Westen vor Chinas Seltenerd-Restriktionen gerettet. So stellte es der US-Präsident jedenfalls dar, nachdem er sich Ende Oktober im südkoreanischen Busan mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping getroffen hatte. Das Treffen sei „hervorragend“ gewesen, sagte der US-Präsident, wichtige Handelsbarrieren seien gefallen. Unter anderem hat Peking zugestimmt, Exportbeschränkungen auf seltene Erden auszusetzen. Liegt Trump damit richtig?
Trump-Aussage womöglich übertrieben – sperrt sich China bei seltenen Erden?
Es steht zu befürchten, dass die tatsächlichen chinesischen Maßnahmen ein Stück weit hinter dem zurückbleiben dürften, was Trump verspricht. Konkret geht es dabei um seltene Erden. Laut einer Mitteilung des Weißen Hauses soll sich China dazu bereiterklärt haben, „alle laufenden und vorgeschlagenen Exportkontrollen auf Seltenerd-Elemente und andere kritische Mineralien“ zu „eliminieren“. Außerdem soll die chinesische Vergeltung gegen US-Halbleiterfirmen und andere große US-Unternehmen enden.
BIldmontage aus Donald Trump (groß) und Xi Jinping (klein)(Symbolfoto). China und die USA haben im Handelskrieg eine Einigung erzielt. Unter anderem geht es um die Versorgung mit seltenen Erden. Was heißt das konkret?
Dabei gibt es jedoch einige Widersprüche. Die Nachrichtenagentur Reuters zum Beispiel schrieb, dass die früheren Restriktionen gegen kritische Rohstoffe bestehen bleiben. „Die USA gehen in ihrer Presseerklärung über die Ankündigung von Chinas Handelsministerium hinaus. Peking hatte vergangene Woche lediglich erklärt, die Verschärfung der Exportkontrollen für Seltene Erden vom 9. Oktober für ein Jahr auszusetzen“, erklärt Brian Hendrich, Marktanalyst beim Frankfurter Rohstoffhändler Tradium, gegenüber Ippen.Media.
„Washingtons Version skizziert dagegen umfassendere Maßnahmen, einschließlich langfristigerer Ausfuhrgenehmigungen und der Beendigung von Untersuchungen gegen US-Halbleiterunternehmen.“ Eine chinesische Veröffentlichung des Abkommens gebe es noch nicht. Daher sind noch einige Fragen offen – auch, was die finale Umsetzung und den Umfang des Abkommens angeht.
„Lage bleibt angespannt“ – Europa bei seltenen Erden eher hilflos
Jan Giese, Senior Manager Minor Metals & Rare Earths bei Tradium, zeigt sich wenig optimistisch. Ähnliche Signale habe es bereits öfters gegeben, aber an der Zollabwicklung und Exportfreigaben hätte sich nichts geändert. „Die geopolitische Lage bleibt angespannt, gerade im US-chinesischen Verhältnis hängt vieles von den handelnden Personen und deren kurzfristigen Zielen ab. Aus europäischer Sicht stellt sich die Situation unbefriedigend dar: Wir sitzen bei diesen Gesprächen nicht mit am Tisch, obwohl unsere Wirtschaft von den Folgen unmittelbar betroffen ist.“
Genaue Prognosen zur jetzigen Entwicklung und was diese für europäische Abnehmer bedeutet, könne er noch nicht sagen. Das werde sich in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen.
Chinas Dominanz bei seltenen Erden – Rohstoffe als Waffe
Schon in den 2010er-Jahren hatte das Reich der Mitte bewiesen, dass es durchaus bereit ist, diese Dominanz als Waffe einzusetzen. Damals traf das Exportverbot Japan – nachdem die beiden asiatischen Länder wegen eines regionalen Disputs aneinandergeraten waren, stoppte China zeitweilig die Ausfuhr seiner seltenen Erden. Japan lernte daraus und investierte viele Milliarden in australische Kapazitäten.
Europa hinkt bei seltenen Erden hinterher – Zukunftstechnologien sind abhängig
Der Westen aber blieb eher passiv. Darum konnte Chinas Präsident Xi Jinping seine Handelspartner mit Exportbeschränkungen überraschen (zum Beispiel auf Gallium und Germanium, schon im Sommer 2023), nachdem die USA bestimmte Halbleiter und Computerchips ihrerseits unter Restriktionen gestellt hatten. In der EU soll der Critical Raw Materials Act für mehr Diversifizierung in der Wertschöpfungskette für seltene Erden sorgen.
Seltene Erden sind unverzichtbar für eine ganze Reihe von Zukunftstechnologien. Darunter befinden sich Elektroautos, moderne Waffensysteme oder Photovoltaik und Smartphones. Westliche Käufer zahlen darum aktuell Rekordpreise, um dennoch an Rohstoffe zu gelangen.