„Jobabbau war hart, aber unvermeidbar“: Wichtiger deutscher Autozulieferer von Investor übernommen
VonJulian Baumann
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19 Monate nach der Insolvenzanmeldung ist die Zukunft eines bedeutenden Autozulieferers gesichert. Der Weg dorthin war allerdings sehr beschwerlich.
Stuttgart – Die wirtschaftliche Situation für Automobilzulieferer ist seit vielen Monaten stark angespannt. Die Eissmann-Gruppe mit Sitz in Bad Urach (Kreis Reutlingen, Baden-Württemberg) hatte im Frühjahr 2024 Insolvenz angemeldet und musste seitdem einige harte Einschnitte vornehmen. Wie Insolvenzverwalter Holger Leichtle von der bundesweit tätigen Kanzlei Görg aber am 6. Oktober in einer Mitteilung verkündete, ist die Zukunft des wichtigen Zulieferers durch einen Investoreneinstieg gesichert. Bis dahin war es allerdings gerade für die Belegschaft ein steiniger Weg.
Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg
Von der Insolvenzanmeldung der Eissmann-Gruppe, die Ausstattungskomponenten für nahezu alle gängigen Modelle produziert, waren allein an den deutschen Standorten Bad Urach, Münsingen (Baden-Württemberg), Nürnberg (Bayern), Pirna (Sachsen) und Gera (Thüringen) rund 1.000 Mitarbeiter betroffen. Die Investorensuche für die Gesellschaft in Gera war nicht erfolgreich, weshalb das Werk Ende August geschlossen und die verbleibenden rund 220 Mitarbeiter gekündigt wurden. Für die gesamte Gruppe, um die Muttergesellschaft Eissmann Automotive Deutschland GmbH in Bad Urach, gibt es aber Perspektiven.
Autozulieferer Eissmann wird von Investor übernommen – nicht alle Arbeitsplätze bleiben erhalten
Der Rechtsanwalt Holger Leichtle hatte die weltweit tätige Unternehmensgruppe in den vergangenen 19 Monaten seit der Insolvenzanmeldung durch alle Höhen und Tiefen geführt und musste Mitte September im Rahmen des Investorenprozesses auch Einschnitte am Hauptsitz in Bad Urach verkünden. Dieser Prozess konnte nun mit einem rechtskräftigen Kaufprozess abgeschlossen werden. „Kommerzielle Lösungen für insolvente Unternehmen der Zulieferindustrie sind angesichts der Verwerfungen in der Automobilbranche längst nicht mehr selbstverständlich“, betont der Experte in der Mitteilung der Kanzlei.
Name
Eissmann Automotive Deutschland GmbH
Gründung
1964
Sitz
Bad Urach, Baden-Württemberg
Branche
Automobilzulieferer
Mitarbeiter
3.200 weltweit, davon 440 in Deutschland (Oktober 2025)
Standorte in Deutschland
Bad Urach, Baden-Württemberg (Hauptsitz), Pirna, Sachsen
Bei dem Käufer der Eissmann-Gruppe handelt es sich laut Mitteilung um die Axent Capital Partners AG mit Sitz in Zug (Schweiz). „Der Erwerber ist kein klassischer Automotive-Investor“, sagte Holger Leichtle der WirtschaftsWoche. Hinter dem Unternehmen stünden aber Menschen mit Erfahrung im Private-Equity-Bereich, die „sehr genau wissen, was sie machen“. Von den ursprünglich rund 5.000 Arbeitsplätzen, davon wie erwähnt etwa 1.000 in Deutschland, bleiben 3.200 erhalten. „Der Jobabbau war hart, aber unvermeidbar – und war Teil des Erwerberkonzepts“, so Leichtle.
Eissmann Automotive: Interessenten zeigten sich von „Leistungswillen der Belegschaften“ beeindruckt
Für 140 Mitarbeiter am Hauptsitz von Eissmann in Bad Urach und 300 im sächsischen Pirna sowie weitere rund 2.760 Angestellte bei den Tochterunternehmen in Mexiko, der Slowakei, Tschechien und den USA bietet die Akquisition aber neue Perspektiven. Leichtle betont in der Mitteilung zudem, dass die Interessenten „von der Leistungsfähigkeit, dem Leistungswillen der Belegschaften und der Qualität der Produkte beeindruckt“ gewesen seien. Zuletzt konnte auch ein anderer Autozulieferer aus Baden-Württemberg durch einen Investoreneinstieg aus der Insolvenz gerettet werden.