„Sind auf Wettbewerb vorbereitet“

Überraschender Autobauer drängt zum IAA-Start auf deutschen Markt

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Ein neuer Autobauer plant den Eintritt in Deutschland – und er kommt nicht aus China, sondern der Türkei. Dort ist das Unternehmen bereits sehr erfolgreich.

München – Deutsche Autobauer bekommen in ihrem Heimatland neue E-Auto-Konkurrenz – und zwar nicht nur aus China: Der türkische Elektroauto-Hersteller Togg will nach Deutschland expandieren. Das Unternehmen stellte am Montag (8. September) auf der Automesse IAA in München eine neue Limousine mit dem Namen T10F vor und kündigte den Verkaufsstart in Europa an.

Togg kommt nach Deutschland: Neue Limousine auf IAA vorgestellt

Bestellungen für das neue Modell sowie für den bereits erhältlichen Elektro-SUV T10X sollen hierzulande ab Ende September möglich sein. Die Limousine T10F, ein 4,83 Meter langer Fünfsitzer mit coupéhaft abfallender Dachlinie, soll bis zu 610 Kilometer Reichweite bieten und dann etwa dem VW ID.7 Konkurrenz machen. Preise für die Modelle wurden nicht genannt. In der Türkei gibt es den elektrischen Geländewagen T10X ab umgerechnet etwa 41.000 Euro. 

Auf der IAA in München hat Togg die Elektro-Limousine T10F vorgestellt.

Dort ist der 4,60 Meter lange Konkurrent für VW ID.5 oder Tesla Model Y wahlweise mit Akkus von 52,4 oder 88,5 kWh für Norm-Reichweiten von bis zu 523 Kilometern erhältlich. Ausgestattet ist der SUV wahlweise mit einem oder zwei Motoren. Die Leistung liegt dann bei 160 kW/218 PS oder 320 kW/435 PS. In der Spitze fährt der stärkste Togg laut Hersteller bis zu 185 km/h.

Togg will Ende September auch den elektrischen T10X in Deutschland verkaufen.

Der Togg lädt mit 180 kW relativ schnell an der Ladesäule. Das Fahrzeug verfügt über einen durchgehenden Bildschirm im Cockpit, wie man ihn sonst hauptsächlich von chinesischen Herstellern kennt. Der Hersteller verspricht mehr Unterhaltung und Vernetzung als bei anderen E-Autos, beispielsweise durch ein AI-Radio und KI-generierte Animationen. Diese technischen Features sollen das Fahrzeug von der Konkurrenz abheben.

Präsident Erdoğans Prestigeprojekt: „Der türkische Heimatmarkt ist nicht groß genug“

„Es ist an der Zeit, den nächsten Markt in Europa zu erschließen, denn der türkische Heimatmarkt ist nicht groß genug“, sagte Firmenchef Mehmet Gürcan Karakaş am Rande der Automesse IAA der Nachrichtenagentur Reuters. Nach Deutschland wolle das Unternehmen nach Frankreich und Italien expandieren, sagte Karakaş. Mit Blick auf die Konkurrenz durch chinesische Elektroauto-Hersteller in Europa fügte er hinzu: „Wir sind auf diesen Wettbewerb vorbereitet.“ Der Status als europäischer Hersteller verschaffe Togg zudem einen Vorteil bei den Regularien.

In der Türkei ist die Marke schon erfolgreich – und ein Herzensprojekt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der die Automarke auch auf Staatsbesuchen bewirbt. Im vergangenen Jahr verkaufte Togg in der Türkei rund 30.000 Einheiten seines elektrischen SUV T10X. In den ersten acht Monaten dieses Jahres stiegen die Verkäufe um 42 Prozent auf rund 21.000 Fahrzeuge. Branchenexperten schätzen, dass Togg jährlich rund 200.000 Autos verkaufen muss, um profitabel zu werden. Karakaş lehnte eine Angabe dazu ab, wann das Unternehmen die Gewinnschwelle erreichen will.

Toggs Deutschland-Start: Händler- und Servicenetzwerk fehlt

Nun kommt also der Schritt nach Deutschland. Allerdings drohe Togg bei seinem Markteintritt hierzulande das gleiche Problem, wie vor ein paar Jahren den chinesischen Unternehmen, gibt die Wirtschaftswoche zu bedenken: Es fehle ein Händler- und Servicenetzwerk. Denn Togg möchte in Deutschland zunächst nur mit drei eigenen Servicestellen arbeiten. Immerhin: Bei der IAA, berichtet das Magazin, sei die Nachfrage nach Probefahrten sehr hoch – vor allem aus der türkeistämmigen Community. (lma mit Reuters/dpa)

Rubriklistenbild: © Togg/dpa-tmn

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