Angst vor Altersarmut

Umgestaltung der Rente: Das Risiko hinter dem CDU-Plan

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Die Umgestaltung der Altersvorsorge ist ein zentrales Thema im Wahlkampf. Neben der staatlichen Rente ist es für viele Menschen notwendig, privat vorzusorgen – doch das geschieht noch zu selten.

München – Der demografische Wandel bringt zahlreiche Herausforderungen, vor allem aber die Finanzierung der Rente und der Absicherung von Millionen Menschen, die bald im Ruhestand sein werden, beschäftigt die Politik. Denn die Zahlen sind alarmierend: 15,4 Prozent der Frauen in Deutschland sind von Altersarmut gefährdet, 13,9 Prozent der Männer sind betroffen. Das berichtet das Statistische Bundesamt. Je älter die Personen werden, desto mehr steigt die Armutsgefährdung: Frauen ab 75 Jahren sind demnach zu 20,6 Prozent armutsgefährdet.

Deutsche Rentner sind oft schlecht abgesichert: Die meisten haben keine private Rente

Altersarmut hat viele Ursachen – viele davon, kann die Politik nicht ändern. Was sie jedoch angehen kann – und dem Vernehmen auch will – ist die Frage nach bessere Absicherung im Alter. Denn das deutsche Rentensystem ist auf einem drei-Säulen-Modell aufgebaut: gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge. Zu viele Menschen verlassen sich aber nur auf die erste Säule – ein fataler Fehler.

2023 ergab eine Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), dass 41 Prozent der Befragten über 50 eine private Altersvorsorge haben, 44 Prozent haben eine betriebliche Absicherung. Unter den Befragten, die bereits in Rente waren, fiel die Statistik noch schlechter aus: 32 Prozent hatten eine Betriebsrente und nur 15 Prozent waren privat abgesichert. In der Umfrage haben sich über die Hälfte der Befragten für eine stärkere staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge ausgesprochen.

Ampel wollte Altersvorsorgedepot einführen: Mehr Netto-Rente für alle

Das hat die Politik, auf Papier zumindest, auch verstanden. Die Ampel-Koalition hat vor ihrem Bruch noch einen Referentenentwurf für eine Reform der privaten Altersvorsorge diskutiert. Damit sollte jede und jeder im Land ein Altersvorsorgedepot haben können, in den der Staat Zuschüsse eingezahlt hätte. Je nach Alter und Familiensituation wären diese Zuschüsse unterschiedlich ausgefallen.

Mit dem Bruch der Ampel ist auch diese Reform in der Schublade verschwunden. Doch nach der Wahl wird das Thema wieder aktuell werden. Die Union, die aller Wahrscheinlichkeit nach die neue Regierung stellen wird, hat auch einen Vorschlag im Wahlprogramm. Auch bei CDU und CSU soll es ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot geben – allerdings soll die Förderung nur jungen Menschen zustehen. „Deshalb werden wir für jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr pro Monat 10 Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot einzahlen“, heißt es im Wortlaut.

Rentner und Rentnerinnen erhalten 2025 eine Erhöhung der Rente.

Konkret würde das bedeuten, dass junge Menschen in Deutschland von der Bundesregierung bis zu 1560 Euro geschenkt bekommen sollen, die in das Depot eingezahlt werden würde. Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von fünf Prozent pro Jahr (realistischer Durchschnitt für ein ETF-Depot) würde das 2126 Euro bedeuten, die in dem Depot dann zum 18. Lebensjahr lägen.

CDU-Plan für mehr Rente aus privater Vorsorge: Teufel steckt im Detail

Danach sollen nach dem Willen der Union junge Menschen das Depot weiter nutzen, um bis zum Renteneintritt anzusparen. Das Geld soll nämlich erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze ausgezahlt werden können. Besteuert werden soll es auch erst dann mit der Auszahlung. Wie genau die Auszahlung dann funktioniert – ob alles auf einmal oder als monatlicher Auszahlungsplan – hat die Union noch nicht festgelegt. Dabei ist genau diese Frage sehr wichtig, und könnte über den Erfolg der Idee entscheiden.

Im Oktober 2024 hat dazu der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) eine Studie veröffentlicht, der verschiedene Auszahlungspläne bei privaten Vorsorgeprodukten bewertet. Der GdV befürwortet private Rentenpläne, die eine lebenslange Rente garantieren – die aber oft höhere Kosten mit sich bringen. Der Vorteil gegenüber einem Auszahlungsplan für einen festen Kapitalbetrag ist aber: Die Rente gibt es wirklich ein Leben lang, auch, wenn man länger als erwartet lebt.

Viele Menschen unterschätzen ihre Lebenserwartung – und fallen später in die Altersarmut

„Für die meisten Menschen ist es sehr schwierig, die eigene Lebenserwartung korrekt einzuschätzen“, schreiben die Autoren der Studie. Meistens wird die eigene Lebenserwartung unterschätzt, was dazu führt, dass die angesparte Summe am Ende aufgebraucht wird und die Menschen in Armut rutschen können. Es bestehe damit „das Risiko einer Doppelbelastung für den Staat, wenn Menschen, deren freiwillige Altersvorsorge bereits mit staatlichen Mitteln gefördert wurde, ggf. erneut (dann mit Grundsicherung) unterstützt werden müssen.“

Das Problem an der lebenslangen Rente laut GdV-Studie: Viele Versicherungen haben aktuell keinen Alternativplan für das Geld, sollte die versicherte Person vorzeitig sterben oder nicht so lange leben, wie erwartet. Die Forschenden empfehlen also hier mehr Produkte zu werben, die Todesfallleistungen anbieten, also Geld, das die Hinterbliebenen erhalten können. Dann haben potenzielle Kunden nicht die Angst, dass ihr Geld im Zweifel „verloren“ ist. Die Forschenden empfehlen auch, die lebenslangen Renten später auszuzahlen - zum Beispiel erst ab 75 Jahren - um das „Langlebigkeitsrisiko“ weiter abzusichern.

Private Rente: Mehrere Standbeine sind immer besser

Die GdV-Studie unterstützt auch die Einführung einer Pflicht zur privaten Vorsorge. Das unterstützt die CDU in ihrem Grundsatzprogramm, im Wahlprogramm gibt es davon keine Erwähnung. Wenn alle pflichtversichert wären, könnte das generell das Altersarmutsrisiko absenken. Allerdings müsste es eine klare staatliche Aufsicht geben, die die Menschen vor Ausbeutung durch schlechte oder besonders teure Altersvorsorgeprodukte schützt.

Das Altersvorsorgedepot, wie es die CDU nun vorschlägt, kann also nur eine Lösung sein. Wer Geld über ein Depot ansparen möchte, sollte die eigene Lebenserwartung möglichst realistisch errechnen, wenn es dann an die Auszahlung geht. Frauen leben im Schnitt länger als Männer, sind also besonders von Altersarmut durch Kapitalverlust im Alter betroffen. Im besten Fall stellen sich Betroffene ohnehin auf mehrere Beine auf.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rainer Berg

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